Unverdünnt aufgetragen Mattes und Glänzendes aus dem Malerhandwerk

Was draus machen

„Kaufen Sie, was man anfassen kann.“ Das empfiehlt Ifo-Präsident Sinn privaten Sparern und fügt hinzu, die Zeit das Bad zu renovieren, sei Dank der niedrigen Zinsen jetzt günstig.

Die Empfehlung „Bad renovieren!“ steht für viele sinnvolle Investitionen zur Renovierung und Modernisierung in Wohnungen und Häusern. Die machen jetzt Sinn, weil man dann Niedrigst- und Strafzinsen nicht ausbaden muss. Aus der Empfehlung ließe sich flugs eine betriebliche oder berufliche Werbekampagne machen. Das kam mir dabei spontan in den Sinn.
Einfälle wie ein altes Haus
Bei potenziellen Kunden durch ungewöhnliche Werbung für Fassadenrenovierung mit Sicherheit ins Gespräch kommen kann, wer den Einfall des belgischen Fotografen Xavier Delory nutzt. Der hat am Computer simuliert, wie sich die Fassade eines Gebäudes von Le Corbusier verändern wird, wie sie immer mehr verwittert und schließlich ganz verrottet, wenn weiterhin nichts geschieht. Den zu erwartenden Verfall bildlich vorwegzunehmen und vorhersehbar zu machen ist auch so ein Einfall, aus dem sich was machen lässt.
Anheizer
Mein Installateur heizt ganz schön an. Auf seinen Autos steht nicht was er macht – das weiß ohnehin jeder – sondern in großen Lettern „30 Tage Urlaub!“ und „Übertarifliche Bezahlung!“ Bei uns Malern könnte noch dazu kommen: „Zusätzliche Altersversorgung!“ und, wenn’s denn stimmt: „Feste arbeiten und feste feiern!“
Das ist mir zu bunt
Den Dresdner Stadtvätern wird es zu bunt. Deshalb haben Sie Hausbesitzer eines Stadtteils aufgefordert ihre farbenfroh renovierten Fassaden zu überstreichen und dabei nur helle und „gebrochene“ Farbtöne zu verwenden. Getroffen hat es zuerst einen Malermeister, der sein Haus ultramarinblau statt „rentnerbeige“ gestrichen hat. Inzwischen geht es um mehr als 20 Fassaden. Und das Verwaltungsgericht ist auch schon angerufen. „Farben sind Taten und Leiden des Lichtes“, sagte Goethe. „Des einen Freud, des anderen Leid“, könnte man dazu ergänzen. Die Schriftstellerin Eva Demski schreibt in einem ihrer köstlichen Bücher, sie habe sich schon früher die Verachtung der Fachleute eingehandelt, als sie empfahl, sich bei den Fassaden anstelle der Farben von „Honeckers Jacke“ an denen der Insel Burano zu orientieren. Ich werde sie in den nächsten Tagen treffen und freue mich auf ein kontroverses Gespräch. Nachdenkenswert ist, dass sie sich den Versuch buraner Farbigkeit nur für ganze Straßenzüge vorstellen kann und nicht an einem bunten Einzelstück in einer „schlechtwetterfarbenen“ Straße. In diesem Punkt wenigstens stimme ich ihr zu.
Geißbock-Beige
Apropos Farbe: Willy Puchner, der in der „Frankfurter Allgemeinen“ regelmäßig ganzseitig seine Farben deutscher Städte auflistet, nennt für Köln u.a. „Böll-Rot“, „Geißbock-Beige“, „Rhein-Blau“ und „Kölsch-Gelb“. Letzteres hab’ ich schon mal gesehen.
Mit Köpfchen
Bei der Umfrage des Malerblatts nach dem wichtigsten technischen Hilfsmittel auf der Baustelle nannte Lasse Harbaum den Kopf. In der Tat: Soviel Hightech wie unser Gehirn hat ein Smartphone nicht annähernd.
Aussichten für Kombinierer
Nein, es geht nicht um unsere Skifahrer. Am Start sind vielmehr junge Maler und Lackierer, denen die Innung Rhein-Main durch ein Projekt mit der früheren Fachhochschule (sie heißt jetzt University of Applied Sciences), einen dualen Ausbildungsweg anbietet, bei dem die betriebliche Lehre als Maler und Lackierer mit einem praxisorientierten Ingenieurstudium kombiniert ist. Glänzende Aussichten für die Kombinierer, von denen sich der erste Pilotstudent, Abiturient eines altsprachigen Renommiergymnasiums, bei einem ausführlichen Interview in einer Boulevard-Zeitung begeistert geäußert und auf die großen Chancen von Abiturienten im Handwerk hingewiesen hat. Am schönsten seine Antwort auf die Frage: „Ist Maler und Lackierer Ihr Traumjob?“: „Absolut!“ So was hat man lange nicht mehr gehört.
Attraktivste Arbeitgeber?
Dagegen: „Wer sind die attraktivsten Arbeitgeber?“, hat jüngst ein Wirtschaftsmagazin 30.000 Studierende an 140 deutschen Hochschulen gefragt. Ganz vorn lagen die Spitzenunternehmen der Autoindustrie, ziemlich weit oben auch die Deutsche Bahn. Und das Handwerk? Kam gar nicht vor.
Ist doch was dran
Natürlich haben sie uns alle genervt, die Sprüche und Weisheiten, die wir in Schule und Ausbildung immer wieder zu hören kriegten. Sehr häufig: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre!“ Oft: „Ohne Fleiß kein Preis!“ Nicht selten auch: „Der frühe Vogel frisst den Wurm!“ Dass etwas dran ist, haben wir oft erst in späteren Jahren gemerkt. Das fiel mir ein, als ich jetzt die „Schlüsselsätze“ las, die eine große deutsche Tageszeitung jungen Menschen als „Starke Worte fürs Berufsleben“ mit auf den Weg gab: „Was nichts kostet ist auch nichts wert!“, hieß es da. „Nimm dich nicht so wichtig!“, wurde empfohlen. Auch „Immer fair bleiben!“, war ein Rat. „Bleibe dir treu!“, hat mir am besten gefallen.
Dämmen nur die Dummen?
„Den Deutschen vergeht die Lust am Dämmen“, hört und liest man jetzt überall. Ein kleiner Kommentar neben einem großen Artikel zum Thema brachte das Problem auf den Punkt: Umweltschutz ist ein starkes Argument – aber nicht für den Hausbesitzer. Für den müsste sich Dämmung zuallererst lohnen – und das sei derzeit nicht der Fall. So wird’s wohl sein. Erst wenn die Politik der Klimaziele wegen, das Dämmen noch stärker subventioniere, sei auf diesem Markt wieder Zuwachs zu erwarten. So wird’s wohl kommen.
Goldener Facharbeitermarkt
„Goldener Facharbeitermarkt“ nennt der Wirtschaftsweise Lars Feld die Auswirkungen der Rente mit 63, mit der bis Ende des vergangenen Jahres mindestens 200.000 Beschäftigte aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Die Zahl übertrifft alle Prognosen. Was ursprünglich primär für körperlich schwer Arbeitende gedacht war, wird von fast jedem in Anspruch genommen, der früher in Ruhestand gehen kann. Dass führt nicht nur dazu, dass den Betrieben erfahrene Kräfte fehlen, sondern muss auch von den Jungen finanziert werden. Querdenker diskutieren derweil angesichts der Fitness, Mobilität und Gesundheit der Alten von heute bereits über eine Rente mit 83. Sie begründen dies u.a. damit, dass die heute 65-Jährigen fit wie früher die mit 55, und die 75-Jährigen wie vordem die 65-Jährigen seien. Gewiss, ein Rentenbeginn nach einem skandinavischen Vorschlag: „Durchschnittliche Lebenserwartung minus 17 Jahre“, scheint vielleicht noch utopisch, aber die Prognosen von Wissenschaftlern, nach denen die meisten der im Jahr 2000 Geborenen 100 Jahre alt werden, sind fundiert. Weil auch bei aller Zahlenakrobatik Bilder mehr als Worte sagen, hat eine große Zeitung zu diesem Thema das bekannte Bildnis, das die Mutter Dürers im Alter von 63 Jahren zeigt, dem Foto einer Gleichaltrigen von heute gegenübergestellt. Auch zwischen dem Bild des Reichskanzlers Bismarck und dem altersgleichen Thomas Gottschalk liegen Welten. Was die Wissenschaftler mit Daten untermauert schildern, sieht man auf einen Blick bei den Bildern: Nicht die demografische Entwicklung wird zum Problem, vielmehr der frühe Rentenbeginn.
„So viele abgeschaffte Dachdecker wie Rentner mit 63 gibt’s gar nicht!“

PRAXISPLUS

Relevantes für die Branche entdecken, Anstöße geben, manche Dinge auf die Schippe nehmen – genau das macht Werner Schledt in seiner Kolumne „Unverdünnt aufgetragen“. Der Autor war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.
Werner Schledt
Gangstraße 35 c
60388 Frankfurt/Main
Tel.: (06109) 34208

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