Anwendungstechnik

Feuchtigkeitsmessgeräte

Feuchtigkeit im Untergrund beeinträchtigt die Qualität einer Beschichtung. Mit einem Messgerät lassen sich Risiken minimieren.

Als  in Lahr das Thema Holzbeschichtung auf dem Lehrplan stand, erzählte uns unser damaliger Gewerbeschullehrer Klaus Packwitz eine Geschichte. Als Lehrling hätte er von seinem Meister den Auftrag bekommen, frühmorgens auf der Baustelle alle Fenster mit einem Schwamm und viel Wasser anzufeuchten. Später sei dann besagter Meister gemeinsam mit dem Architekten durch den Bau gegangen, um stichprobenartig die Feuchtigkeit der Fenster zu messen. Das Ergebnis lautete, kaum überraschend: „Zu feucht, um sie streichen zu können.“ So hätte sich sein Meister Luft verschafft, die Arbeiten noch etwas hinauszuzögern. Es gibt offensichtlich unterschiedliche Motivationen, Feuchtigkeitsmessungen durchzuführen. Einer der wichtigsten Gründe jedoch ist, den Untergrund ordnungsgemäß zu prüfen. Denn eine zu hohe Materialfeuchte beeinträchtigt nachfolgende Beschichtungen. Das Schadensbild reicht von Abplatzungen bis hin zu Verfärbungen.

Marktübersicht

Das Angebot an Feuchtigkeitsmessgeräten ist groß. Die Hersteller bieten für jeden Anwendungszweck ein geeignetes Gerät. Die Messgeräte sind grundsätzlich klein und handlich. Sie wiegen zwischen 100 und 300 Gramm. Ein Feuchtigkeitsmessgerät passt in jede Arbeitstasche. Die Stromversorgung erfolgt über Batterien. Verbreitet sind 9-Volt-Blockbatterien. Die Angaben zur Betriebsdauer variieren. Glaubt man den Herstellern, dürfte diese durchschnittlich bei über 30 Stunden liegen. Da ist die Gefahr, dass die Batterien aus Altersgründen irgendwann auslaufen wahrscheinlich größer als dass vorzeitig der Strom ausgeht. Daher der Tipp: Regelmäßig die Batterien überprüfen und gegebenenfalls wechseln. Denn auslaufende Batterien können das Gerät schädigen.


 

Messverfahren

Es gibt im Grunde genommen zwei Verfahren, um die Feuchtigkeit im Untergrund zu messen:

  • Widerstandsverfahren (zerstörend)
  • Kapazitives Verfahren (zerstörungsfrei)

Wobei der Begriff „zerstörend“ sich schlimmer anhört als das Verfahren tatsächlich ist. Bei den Widerstandsmessgeräten bringt der Verwender zwei Elektroden in das zu messende Material – ob Putz oder Holz – ein. In der Regel sind das dünne Nadeln, die kaum Spuren (=Zerstörung) im Untergrund hinterlassen. Das Messprinzip ist einfach. Je feuchter das Material ist, desto besser wird der Strom von einer zur andern Elektrode geleitet. Besonders bei weichen Baumaterialien wie Gips oder Holz bietet sich dieses Messverfahren an.

Soll die Feuchtemessung weiter in die Tiefe gehen – ohne den Untergrund zu beschädigen – ist das kapazitive Verfahren erste Wahl. Damit wird zerstörungsfrei bis zu 50 Millimeter tief gemessen. Der Feuchtigkeitsmesser baut ein elektrisches Feld auf und misst die Kapazität. Je feuchter der Untergrund, desto höher die Kapazität.

Eine Sonderform des kapazitiven Verfahrens ist das Mikrowellen-Messverfahren. Es funktioniert ebenfalls zerstörungsfrei. Die Eindringtiefe ist abhängig von Dichte und Homogenität des gemessenen Materials. Messungen bis in 300 Millimeter Tiefe sind möglich.

Eine gute Nachricht: Wer sich weder für das eine noch für das andere Verfahren entscheiden möchte, kann auf sogenannte Kombigeräte zurückgreifen. Einige Hersteller führen diese im Programm.


 

Messbereich

„Der Untergrund muss fest, staubfrei und trocken sein“, so heißt es in vielen Technischen Merkblättern. Aber was ist „trocken“? Wie viel Feuchtigkeit ist  akzeptabel? Bei Holz sind die Angaben der Farbenhersteller recht konkret. „Der Feuchtigkeitsgehalt im Untergrund darf 15 Prozent nicht übersteigen“, ist dann oft zu lesen. Weniger präzise sind die Angaben bei mineralischen Untergründen. Hier hilft oft nur der Blick in die Bedienungsanleitung des Feuchtigkeitsmessgerätes. So nennt GANN beispielsweise in der Anleitung zur Hydromette folgende Werte:

Holz

trocken                25 – 40 Digits

feucht                  80 – 140 Digits

 

Wohnraum-Mauerwerk

trocken                25 – 40 Digits

feucht                  100 – 150 Digits

 

Kellerraum-Mauerwerk

trocken                60 – 80 Digits

feucht                  100 – 150 Digits

Hinweis an dieser Stelle: Der Messbereich von Feuchtigkeitsmessgeräten wird oft in „Digits“ angegeben. Das ist dann die Spannweite der Messwerte. Üblich sind 0 bis 100 beziehungsweise 0 bis 200 Digits. Ein „Digit“ ist also ein Ziffernschritt. Entsprechend sind auch die Messtoleranzen in unserer Marktübersicht mal in Prozentpunkten, mal in Digits angegeben.


 

Ausstattung

Ob Minimal-/Maximalanzeige, Hold-Funktion oder beleuchtetes Display – die Ausstattung der Geräte lässt keine Wünsche offen. Weit verbreitet ist die Voreinstellung von Materialarten. Das heißt, der Handwerker wählt vor der Messung aus, welchen Untergrund er misst: ob Kalkzementputz, Beton, Gipsputz oder eine der hinterlegten Holzarten. Mit dieser Funktion erhöht sich die Genauigkeit der Messergebnisse erheblich.
Wohnwagenbesitzer unter uns legen eventuell Wert darauf, Sandwich-Elemente messen zu können. Geräte mit dieser Zusatzfunktion sind jedoch eher selten. Ebenso jene mit Bluetooth-Schnittstelle und App-Anbindung. Deren Funktion ist jedoch äußerst praktisch. So lassen sich die Messergebnisse gleich vor Ort dokumentieren und versenden. Falls jedoch ein Azubi vorher die Fenster mit Wasser befeuchtet hat, sind auch diese Messergebnisse – heute wie damals – relativ.

Weitere Geräte: www.malerblatt-wissen.de

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