Anwendungstechnik Henkel Werkzeuge

Schleifsysteme

Wer jemals versucht hat, ein Sprossenfenster mit einem großen Rutscher zu schleifen, weiß, wie zerbrechlich Glas ist.

Und wer im Umgang mit einem Exzenterschleifer nicht geschult ist, wird sich möglicherweise wundern, wie schnell eine vormals glatte Holzoberfläche unwiderruflich zerstört werden kann. Nirgendwo sonst ist die Auswahl des richtigen Werkzeugs so wichtig wie beim Schleifen. Beim Anwender ist dabei großes Know-how gefragt.

Besser schleifen

Geschliffen wurde schon immer. Früher viel mit Schleifklotz und per Hand. In den 60er-Jahren kamen die ersten Schwingschleifer auf – großformatige, schwere Maschinen. „Heute werden die Geräte immer kleiner“, sagt Sebastian Koch. Er ist gelernter Malermeister und in der Festool Group als Anwendungstechniker für die Sparte „Paint“ zuständig. „Wir entwickeln immer ergonomischere Geräte, bauen diese sozusagen dem Anwender in die Hand.“ Vibration, Größe, Gewicht, … alles was Arbeitskomfort bedeutet, rückt ins Zentrum.

Schwingschleifer

Trotz vieler neuer Schleifsysteme gibt es ihn noch, den guten alten Schwingschleifer. Mit seiner starren Schleifplatte ist er ideal, um ebene Oberflächen sehr fein zu schleifen. Die Befestigung des Schleifmittels erfolgt über Klammern oder mittels Klettbelägen. Die Platte ist exzentrisch gelagert und bewegt sich in relativ kleinem Schwingradius von circa 1,5 bis 3 Millimetern mit bis zu 28.000 Mal in der Minute. „Das Prinzip ist bewährt und seit Jahren unverändert“, sagt Koch. „Wenn es Neuentwicklungen gibt, beziehen die sich meist auf Vibrationsdämpfung und Ergonomie.“ Auch hier seien kleine, leistungsfähige Geräte im Kommen.

Eine Marktübersicht Schwingschleifer mit zwölf aktuellen Profigeräten hat die Malerblatt-Redaktion als PDF zum Download zusammengestellt.


Delta- und Multischleifer

Das spiegelt sich im Angebot der Delta- und Multischleifer wieder. Sie stellen eine Sonderform des Schwingschleifers dar. Mit ihren zugespitzten, dreieckigen Grundplatten sind sie ideal, um an Kanten und in Ecken zu schleifen. Ihr geringes Gewicht und die damit verbundene gute Handhabbarkeit macht sie zum idealen Gerät für das Schleifen an schlecht zugänglichen Stellen oder von geformten Bauteilen. Die Gefahr des Glasbruchs beim Schleifen von Fenstern ist bei diesen Geräten jedenfalls deutlich reduziert.

Exzenterschleifer

Während das Prinzip des Schwingschleifers auf der schwingenden Schleifplatte beruht, kommt beim Exzenterschleifer zu dieser Schwing- zusätzlich eine Rotationsbewegung – wie beim Winkelschleifer – hinzu. Beide Bewegungen überlagern sich. Das sorgt für ein exzellentes Schleifbild. Unterschieden wird nach Exzenterschleifern mit Freilaufrotation und solchen mit Zwangsrotation. Bei ersteren besteht keine starre Übertragung der Drehzahl des Motors auf den Schleifteller. Die Folge: bei großem Anpressdruck verlangsamt sich die Drehzahl deutlich – bis hin zum Stillstand. Dann wird aus dem Exzenterschleifer quasi ein gewöhnlicher Schwingschleifer. Anders die Geräte mit Zwangsrotation. Hier sorgt ein Getriebe für den direkten Antrieb des Schleiftellers. Folge: Die Drehzahl bleibt auch bei kräftigem Druck stabil.

Gegenüber großen Schwingschleifern haben Exzenterschleifer gewisse Vorteile. Sie sind kleiner, handlicher und ihre runden Schleifplatten können durch elastische ersetzt werden. Damit ist mit diesen Geräten bis zu einem gewissen Grad auch das Schleifen gewölbter Oberflächen möglich. Nicht zuletzt deshalb und aufgrund ihrer hohen Abtragsleistung verdrängen die Exzenterschleifer mehr und mehr die Schwingschleifer aus der Malerwerkstatt. Für Sebastian Koch sind sie die Alles- und Besserkönner. „Es gibt nur noch wenige Bereiche, in denen Schwingschleifer den Exzenterschleifern überlegen sind.“


Winkelschleifer

Ausschließlich auf dem Prinzip der Rotation basieren die Winkelschleifer. Motor und Schleifteller sind im rechten Winkel zueinander angeordnet. Dadurch lassen sich die beim Schleifen, Schruppen oder Trennen auftretenden hohen Kräfte sicher beherrschen; zumal dann, wenn – wie empfohlen – ein Zusatzhandgriff verwendet wird. Winkelschleifer werden bevorzugt im Metallbereich eingesetzt oder dort, wo ein extrem hoher Materialabtrag gefragt ist. Der Maler setzt sie beispielsweise beim Abschleifen stark verwitterter Wetterschenkel an Außenfenstern ein.

Bandschleifer

Neben Schwingung und Rotation gibt es noch ein weiteres Grundprinzip beim Schleifen – die umlaufende Bewegung. Sie kommt beim Bandschleifer zum Einsatz. Dort drehen sich Schleifbänder endlos um zwei Achsen. Bandschleifer sind vor allem beim Schleifen von horizontalen Holzflächen gefragt.

Multifunktionswerkzeuge

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch als viertes und letztes Schleifprinzip das Oszillieren erwähnt. Die bekanntesten Vertreter sind die Multifunktionswerkzeuge Multimaster von Fein und GOP von Bosch (siehe Malerblatt September 2012). Diese Geräte ähneln den kleinsten Deltaschleifern, doch anstatt kreisförmig zu schwingen bewegt sich ihr Schleifteller hin und her – er oszilliert.

Wand- und Deckenschleifer

Auf der anderen Seite der Größenskala liegen die großen Wand- und Deckenschleifer. Die sind laut Sebastian Koch stark im Kommen. „Der Anspruch an Staubfreiheit auf den Baustellen steigt ständig. Wand- und Deckenschleifer mit Staubabsaugung bieten hier gegenüber dem manuellen Schleifen einen Riesenvorteil – ganz abgesehen von ihrer Wirtschaftlichkeit.“

Know-how ist gefragt

Egal ob kleiner Rutscher oder großformatiger Trockenbauschleifer – die optimale Kombination von Maschine und Schleifmittel ist für Sebastian Koch beim Schleifen das Entscheidende. „Die Schleifmaschine sorgt für die Arbeitsgeschwindigkeit, das Schleifmittel für die Qualität. Beides optimal aufeinander abzustimmen, das ist Aufgabe des Anwenders.“ Dafür ist jede Menge Know-how gefragt. Nicht zuletzt deshalb hat man bei Festool ein neues Schulungszentrum, speziell für Maler, eingerichtet. Dort soll künftig auch geschliffen werden – natürlich mit System.

Die Schleifmaschine sorgt für die Arbeitsgeschwindigkeit, das Schleifmittel für die Qualität.


Josef Schneider
Fotos: Bosch (1), Festool, (2), Lea Schneider (2)
Quelle: Malerblatt 12/2012

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