Werkzeuge

Fassadenreinigung

Aufgrund von äußeren Umwelt- und Witterungseinflüssen wird oft eine Reinigung der Fassade notwendig.

Selbstverständlich gilt das auch für Putzfassaden mit Wärmedämmverbundsystem. Schließlich kann das WDVS auf eine mechanische Belastung empfindlich reagieren. Es darf bei der Reinigung nicht angegriffen oder zerstört werden, um die energetischen Eigenschaften der Gebäudehülle nicht zu gefährden. So sind Methoden gefragt, die eine effektive und zugleich besonders schonende Reinigung gewährleisten.

Druck, Wassermenge und der Abstand zum Objekt wirken sich auf die mechanische Reinigungsleistung aus.


Verschmutzungsarten

Oftmals wird das Wärmedämmverbundsystem von außen lediglich mit einer dünnen Putzschicht überzogen. Je nach Art des Putzes, seinem Anstrich und dem Standort des Gebäudes treten unterschiedliche Arten der Verschmutzung auf. Staub, Ruß und andere Schwebstoffe in der Luft werden an Fassaden mit sehr grob strukturierter, poröser Oberfläche bei Regen nicht abgewaschen, sondern in die Vertiefungen transportiert. Diese dreidimensionale Struktur ist bei Putzfassaden in der Regel besonders ausgeprägt und verlängert die für die Reinigung erforderliche Arbeitszeit. Fetthaltige Substanzen und Öle setzen sich auch an glatten Oberflächen fest und nehmen zusätzlich andere Schmutzablagerungen auf. Aggressive Gase bilden in Verbindung mit Wasser Säuren und führen zu einer chemischen Verwitterung, welche die Fassadenwerkstoffe ebenfalls angreifen. In der Regel treten mehrere der genannten Verschmutzungsarten gleichzeitig auf und erschweren die Reinigung zusätzlich.

Die haftende Verbindung, die der Schmutz sowohl durch die elektrostatische Anziehung als auch durch die Verankerung mit der Oberflächenstruktur eingeht, gilt es zu lösen. Die mechanischen, thermischen und chemischen Kräfte, die auf die Schmutzpartikel einwirken, müssen somit größer sein als deren Bindung mit dem Putz. Dabei darf die empfindliche Oberfläche jedoch nicht beschädigt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, das untenliegende Dämmmaterial anzugreifen, sodass die Wärmeschutzeigenschaften der Gebäudehülle nachteilig beeinflusst werden.


Hochdruckreinigung

Die Hochdruckmethode eignet sich aufgrund ihrer hohen Flächenleistung und der insgesamt einfachen Handhabung besonders für die schonende Reinigung. Entscheidend ist dabei die gute Anpassungsfähigkeit an Verschmutzungsgrad und Fassadenbeschaffenheit: Es kann mit kaltem oder heißem Wasser, mit oder ohne Zusatz von Reinigungsmitteln gearbeitet werden. Im Hinblick auf die mechanische Reinigungsleistung des Hochdruckstrahls wird der Arbeitsdruck meistens überschätzt – für das Reinigungsergebnis spielt jedoch auch die Wassermenge eine wichtige Rolle.

Die Fassadenreinigung mit dem Hochdruckreiniger hat sich aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit bewährt


Mechanische Wirkung

Gelöst werden die Schmutzteilchen vor allem durch den Aufpralldruck, mit dem der Wasserstrahl auf die zu reinigende Fläche trifft. Er sinkt mit zunehmendem Abstand zur Oberfläche exponentiell ab und hängt zudem vom Spritzwinkel, Düsendruck und Fördermenge ab. Letztere ist auch für den Abtransport des Schmutzes entscheidend und bestimmt damit die Dauer des Arbeitseinsatzes. Ein kleiner Spritzwinkel erzeugt einen hohen Aufpralldruck auf einer kleinen Fläche und ist für empfindliche Oberflächen nicht geeignet. Bei der Fassadenreinigung sollte daher mit einem Hochdruck-Flachstrahl mit einem Spritzwinkel zwischen 25 und 40 Grad gearbeitet werden, um mittlere Verschmutzungen zu lösen. Je größer der Winkel, desto höher die Flächenleistung – und so geringer der Aufpralldruck. Rotierende Punktstrahldüsen dürfen bei der Reinigung von wärmegedämmten Putzfassaden nicht verwendet werden, da sie die Oberfläche beschädigen können.

Bei der Reinigung von wärmegedämmten Putzfassaden sollte mit einem Hochdruck-Flachstrahl mit einem breiten Spritzwinkel gearbeitet werden.


Einsatz von Kaltwasser

Sind leichte Verschmutzungen an der Putzfassade festzustellen, kann ein Kaltwasser-Hochdruckreiniger mit einer Leistung ab 600 Litern in der Stunde eingesetzt werden. Bei mittel bis stark verschmutzten Fassaden ist eine Wassermenge von rund 1.000 Litern in der Stunde empfehlenswert – bei einem Betriebsdruck von 120 bis zu 140 bar. Dabei ist darauf zu achten, dass beide Faktoren regelbar und so an die jeweilige Oberfläche und ihren Verschmutzungsgrad anpassbar sind.


Einsatz von Heißwasser

Liegen stärkere Verschmutzungen vor, sollte mit einem Heißwasser-Hochdruckreiniger gearbeitet werden – sofern die Oberfläche Hitze verträgt. Sein Einsatz ist nicht nur schneller und wirtschaftlicher, mit ihm kann bei einem geringeren Aufpralldruck das gleiche Reinigungsergebnis erzielt werden, was empfindlichere Oberflächen schont. Wird zum Beispiel die Wassertemperatur von 12 auf rund 80 Grad Celsius erhöht, führt bereits ein geringerer Aufpralldruck zum gleichen Reinigungsergebnis. Bleibt der Aufpralldruck bei erhöhter Temperatur konstant, kann dies ein besseres Reinigungsergebnis erzielen. Mit der erhöhten Temperatur lassen sich auch Öl- und Fettverschmutzungen leichter lösen. Zudem trocknet die Fassade durch die Erwärmung schneller ab. Mit einer Temperatur von 60 bis 80 Grad Celsius und einem Spritzabstand zwischen 20 und 30 Zentimetern lassen sich so auch empfindliche Fassadenflächen schonend und effektiv reinigen.

Heißes Wasser ist auch dann notwendig, wenn auf Reinigungsmittel verzichtet werden soll. Denn die Zuführung von Wärme sorgt für das schnellere Aufbrechen von Schmutz- und Schmierstoffrückständen, sodass der Zusatz von chemischen Mitteln häufig nicht notwendig ist. Das schont nicht nur empfindliche Oberflächen, sondern auch die Umwelt. Ein weiterer Aspekt: Mit der hohen Temperatur werden auch hartnäckige Verschmutzungen wie mikrobiologischer Bewuchs entfernt. Dies wird mit der Dampfstufe – bei der die Wassermenge bei voller Brennerleistung und einer Kesseltemperatur von 155 Grad Celsius halbiert wird – verstärkt.


Zwei-Schritt-Methode

Reichen Mechanik und Temperatur nicht aus, um den haftenden Schmutz zu lösen, können zusätzlich Reinigungsmittel hinzugezogen werden. Sie verbessern durch eine chemische Reaktion mit den Schmutzbestandteilen die Reinigungskraft des Wassers. Die Benetzungsfähigkeit wird verstärkt – das bedeutet, dass sich die Flüssigkeit besser auf der festen Oberfläche der Fassade ausbreitet und damit die Reinigungskraft begünstigt. Bei der Zwei-Schritt-Methode wird zunächst das Reinigungsmittel – in dem Verschmutzungsgrad entsprechender Konzentration – auf die zu reinigende Oberfläche gesprüht. Es wirkt eine gewisse Zeit ein, ohne dabei jedoch anzutrocknen. Wichtig ist, dass die Reinigungsmittel abschnittsweise von unten nach oben aufgebracht werden und eine direkte Sonneneinstrahlung vermieden wird. So wird gewährleistet, dass der Anwender weiß, welche Bereiche bereits mit dem Reinigungsmittel besprüht wurden. Im zweiten Schritt wird der gelöste Schmutz von oben nach unten mit klarem Wasser abgespült. Alle gelösten Schmutzrückstände und das Reinigungsmittel werden in diesem Schritt zuverlässig entfernt. Vorgaben der Gemeinden oder des Gesetzgebers hinsichtlich des Einsatzes von Reinigungsmitteln und der Entsorgung des Schmutzwassers sind weitere Punkte, die bereits frühzeitig in die Planung der Reinigungsarbeiten einfließen müssen.

Um das gewünschte Reinigungsergebnis zu erzielen und zugleich die Oberfläche nicht anzugreifen, sind grundsätzlich Vorversuche durchzuführen. Auf diese Weise können alle Parameter genau auf das Material, die Oberflächenbeschaffenheit, das Alter der Fassade und die Art sowie die Menge des Schmutzes abgestimmt werden.

Autorin: Mareike Wand-Quassowski

Fotos: Kärcher

Quelle: Malerblatt 2/2017

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