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Wichtige Chefsache

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Wichtige Chefsache

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Foto: AdobeStock/Robert Kneschke
Ob ein Mitarbeiter seinem Betrieb die Treue hält oder das Weite sucht – das hängt ganz entscheidend davon ab, wie gut er die internen Führungsqualitäten beurteilt. Ein Blick auf die wichtigsten Führungsstile – und wie man als Chef seinen eigenen findet und optimiert.

Autor: David Recker

Laut einer aktuellen Umfrage ist ein Aspekt für die Loyalität zum bestehenden Arbeitgeber entscheidender als jeder andere: Neun von zehn Mitarbeitern geben an, dass sie nur langfristig in einem Unternehmen bleiben wollen, in dem sie einen „guten Chef“ haben. Die Frage, was ein guter Chef ist und was ein schlechter, ist sicher subjektiv. Objektiv lassen sich aber einige Qualitäten voraussetzen: Ein guter Chef kommuniziert möglichst unmissverständlich. Er bringt seinen Mitarbeitern Wertschätzung und Respekt entgegen. Sein Verantwortungsbewusstsein ist vorbildlich. Zudem kann er delegieren und beherrscht es, gleichermaßen zu führen und zu fördern. Alles, was er selbst von seinem Team fordert, lebt er selbst. Soweit zu den allgemeinen objektivierbaren Kriterien. Doch entscheidet letztendlich die Persönlichkeit des Chefs darüber, wie diese Führungsqualitäten umgesetzt werden. Je nach Temperament und Charakter fallen dem einen bestimmte Dinge in der Mitarbeiterführung leichter, andere schwerer. Jeder Typus von Chef hat Führungsstärken, kann an seinen Führungsschwächen arbeiten und dabei „er selbst“ und authentisch bleiben. Wie das aussehen kann? Betrachten wir vier grundlegend unterschiedliche Cheftypen:

Cheftyp 1: der Kumpel

Sein Handwerk ist seine Leidenschaft. Alle, die für ihn arbeiten, sind für ihn Mitstreiter in der wunderschönsten Arbeitssache der Welt. Er legt größten Wert auf eine harmonische und möglichst konfliktfreie Arbeitsatmosphäre. Ein Chef, der so tickt, wird wahrscheinlich auf einen kumpelhaften Führungsstil setzen. Einige wichtige Chefqualitäten kann er so ohne Mühe erfüllen: Der Kumpel-Chef ist mitteilsam. Die Kommunikation mit seinen Mitarbeitern fällt ihm nicht nur leicht, sondern macht ihm auch noch Spaß. Gemeinschaft ist ihm wichtig. Doch der Kumpel-Chef hat auch seine Schwächen. Er trifft nicht gern klare Ansagen und vermeidet konfliktträchtige Gespräche, wo es nur geht. Und das geht irgendwann schief: Viele Mitarbeiter brauchen klare Anweisungen und konstruktive Kritik, um orientiert zu sein und sich weiterzuentwickeln. Auf diesem Feld muss der Kumpel-Chef nachlegen und lernen, mit gutem Gefühl klare Grenzen zu ziehen und eindeutige Ansagen zu machen. Denn nicht alles, was den Betreib betrifft, muss auf einer sehr persönlichen Ebene und „kuschelig“ verhandelt werden. Es bleibt trotzdem harmonisch, wenn man an faktischen Punkten Kritik sachlich und höflich äußert sowie prägnant definierte Verbesserungen vorschlägt und einfordert. Für den Kumpel-Chef ist das ein äußerst lohnender Lernprozess. Er bringt ihm am Ende nicht nur die Anerkennung seiner Mitarbeiter ein, sondern führt auch zu mehr eigener Zufriedenheit und besseren Arbeitsergebnissen.

Cheftyp 2: der Patriarch

Er sieht seinen Betrieb als seine erweiterte Familie. Er leitet sie entschieden. Diesem Cheftyp bereitet es keine Probleme, eindeutige und nachdrückliche Ansagen zu machen sowie auf die Einhaltung von Spielregeln zu pochen. Der Patriarch tut sich schwer damit, Verantwortung abzugeben. Seiner Ansicht nach kann nur er selbst die Aufgaben perfekt erledigen. Oft sind Patriarchen sehr gut darin, ihre eigenen Vorstellungen überzeugend zu vermitteln. Doch mit Zuhören tun sie sich ebenso schwer wie damit, auf Bedürfnisse und Anregungen von Mitarbeitern einzugehen. Auch aktive Formen, mit denen sie ihren Mitarbeitern Wertschätzung vermitteln, sucht man bei ihnen meist vergeblich. Wer als Chef solch patriarchale Züge an sich ausmacht, sollte sich ihre Schattenseiten vor Augen führen: Was passiert, wenn der Patriarch unverhofft ausfällt – oder ein Nachfolger innerhalb des Betriebs gesucht wird? Ist jemand fähig, die Aufgaben zu übernehmen? Um das eigene Lebenswerk langfristig zu erhalten, lohnt es sich für den Patriarchen, sich weiterzuentwickeln und zu lernen: Es ist möglich, alle Zügel in der Hand zu behalten und doch fähigen Mitarbeitern Teilbereiche zu überantworten. Man kann der Beste bleiben und doch Talente fördern. Man behält seine herausgehobene Position und baut sie sogar noch aus – gerade dann, wenn man Mitarbeitern Lob und Wertschätzung entgegenbringt. Ein Patriarch, der sich so weiterentwickelt, wird zur echten Größe.

Cheftyp 3: der Traditionalist

Der Chef vom Typ Traditionalist möchte, dass im Büro und auf der Baustelle, im Umgang untereinander und mit Kunden alles beim Alten bleibt. Mitarbeiter schätzen seine Verlässlichkeit und sein fachliches Können. Unter diesem Chef lernt man echte Handwerksfertigkeiten und wird niemals hängen gelassen. Weniger lustig finden Mitarbeiter allerdings, wie dieser Boss auf Vorschläge für Verbesserungen reagiert. Verbesserung bedingt Veränderung – und damit tut sich der Traditionalist schwer. Man kann sich den Frust vorstellen, den ein Geselle für die Ablehnung seiner Optimierungsidee für die Baustellenabwicklung empfindet wie auch die Büromitarbeiterin, die auf die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen drängt.

Der Traditionalist, der sich allem Neuen gegenüber abgeneigt zeigt, verprellt Mitarbeiter und sorgt im schlimmsten Falle dafür, dass der Betrieb nicht mehr am Puls der Zeit ist und abgehängt wird. Kann man als Chef von diesem Typ seine Stärken bewahren und sich dennoch öffnen, ohne seine authentische Persönlichkeit zu verraten? Der Türöffner heißt Sicherheit. Übertragen auf den Cheftypus Traditionalist kann das konkret heißen: Soll sich etwas verändern, dann bitte sicher. Als Optimierung für Baustellenabläufe oder moderne IT im Büro kann auf erprobte Lösungen gesetzt werden, die sich in Betrieben ähnlicher Größe bereits bewährt haben. Eingeführt werden sollten Veränderungen in kleinen Schritten. Hier bietet sich noch die Chance, Mitarbeiter mit in die Verantwortung zu nehmen: Wer eine Innovation vorschlägt, darf sie gleich noch unter Sicherheitsaspekten beleuchten und eine pragmatische Art der Einführung – die nicht gleich alles über den Haufen wirft – vorschlagen.

Cheftyp 4: der Kopfgesteuerte

In technischen Fragen reicht ihm keiner das Wasser. Wo andere in Ordnern blättern müssen, hat er Zahlen, Daten, Fakten im Kopf und sofort parat. Wo andere längst emotional hochkochen, bleibt er lange ruhig. Der kopfgesteuerte Chef bedient seine Mitarbeiter aufs Beste mit glasklaren Arbeitsanweisungen, präziser und sachlicher Kritik und perfekt geplanten Projekten. Anstrengend wird es für diesen Cheftyp allerdings, wenn es um weiche Stärken geht, die mit Menschelndem und Austausch zu tun haben. Er kommuniziert kurz, knapp und lässt alles vermeintlich Überflüssige weg. Es fällt ihm schwer, seine Wertschätzung auszudrücken. Doch diese Führungsqualitäten sind entscheidend für ein gutes Betriebsklima und das Gefühl von „Anerkanntwerden“ für jeden Einzelnen im Team. Hier braucht der kopfgesteuerte Chef eine zusätzliche Strategie. Objektiv einleuchtend ist beispielsweise, dass ein verdientes, kurzes Lob zu messbar mehr Arbeitsengagement und Mitarbeiterbindung führt – und damit in Folge zu besseren Betriebsergebnissen. Auch vermeintlich „unfaktische“ Verhaltensweisen führen also zu rational überzeugenden Resultaten.

An Schwächen arbeiten

Was also unterscheidet einen guten von einem schlechten Chef? Ersterer erkennt seine Chefpersönlichkeit, freut sich über seine Stärken und entwickelt sich an den Stellen weiter, wo er naturgemäß Schwächen hat. Auch als Chef bleibt man ein lebenslang Lernender, bei dem die Belohnungen nicht ausbleiben: Mitarbeiter registrieren sehr wohl, wenn sich Führungsqualitäten zum Guten verändern – und danken es mit einem Mehr an Betriebsloyalität.

Weitere Fotos:
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