Weiterbildung für das Maler- und Lackiererhandwerk

Das Haus der Farbe in Zürich: Fortbildungsstätte für das Handwerk

Das „Haus der Farbe“ in Zürich-Oerlikon beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Farbe in Raum und Architektur. Neben Forschung und Beratung bietet die Einrichtung verschiedene Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten an.

Autor: Susanne Wierse | Fotos: Martin Mansel

Der stellvertretende Leiter vom Haus der Farbe, Lino Sibillano, fasst als Grundgedanken der Einrichtung zusammen: „Wir verstehen uns als Ort, an dem Gestaltung und Handwerk zusammenfinden.“ Dass dies hier gelebt wird, spürt man bereits bei der Ankunft am Haus, die durch den denkmalgeschützten Gustaf-Amann Park führt. Untergebracht in einer ehemaligen Produktionshalle, stehen auf 1000 Quadratmetern Ateliers, Werkstätten und Theorieräume zur Verfügung. Die loftartige Anmutung und die Großzügigkeit der Räume wirken als Inspiration.

Gegründet wurde das „Haus der Farbe“ vor über zwanzig Jahren. Zu Beginn lag der Schwerpunkt beim Malerhandwerk mit dem Bildungsgang „Farbgestaltung am Bau“. Im Jahre 2009 öffnete sich das Haus der Farbe allen Gewerken, und die Weiterbildung „Gestaltung im Handwerk“ wurde ins Leben gerufen. Ein neuer Name besiegelte die Idee: „Fachschule für Gestaltung in Handwerk und Architektur“.

Farbgestaltung am Bau

Vor dem Hintergrund, dass Farb- und Materialtechnologien heute immer komplexer werden und die Anforderungen an die Oberflächengestaltung steigen, werden hier Fachplaner für Farbe und Oberfläche ausgebildet. „Gestaltung, Farbwissen, Material, Handwerk und Kommunikation sind zentrale Aspekte der Ausbildung“, erklärt Lino Sibillano. „Ziel ist, Architekturbüros, private Bauherren, Handwerksbetriebe oder Behörden in allen Belangen der Farbgestaltung fundiert beraten zu können.“ In der projektorientierten Ausbildung setzt man sich mit spezifischen Arbeitssituationen wie „Farbe im öffentlichen Raum“, „Farbe im Wohnungsbau“ oder „Farbe im historischen Kontext“ auseinander. „Die Studierenden kommen aus den unterschiedlichsten gestaltenden Berufen und die Altersstruktur liegt zwischen 25 und 60 Jahren“, berichtet Lino Sibillano.

Gestaltung im Handwerk

Bei den Gestaltern im Handwerk ist das Publikum jünger. Der zweistufige Lehrgang richtet sich an Handwerkerinnen und Handwerker, die in Ihrem Beruf einen gestalterischen Schwerpunkt setzen wollen. In der ersten Stufe werden in handwerksspezifischen Projekten gestalterische Grundlagen vermittelt. Diese Stufe dauert vier Semester und schließt mit einer Projektarbeit ab, die zu dem eidgenössischen Fachausweis führt. Wer das Thema Design weiter vertiefen will, besucht weitere sechs Semester und erlangt so den eidgenössischen Abschluss „Gestaltungsexperte/in im Handwerk“ (Meisterstufe). Diese Ausbildung befähigt, Designprodukte aus dem eigenen Handwerk heraus fürs eigene Handwerk zu entwickeln.

„Hier pflegen wir das Lernen im Team“, so Lino Sibillano „Die Studierenden lernen dabei auch andere Berufe kennen und erhalten so berufsübergreifende Kenntnisse und Inspirationen“. Auch in diesem sehr praxisorientierten Lehrgang sind das Führen von Fachgesprächen im Team und Beratungsgespräche mit Kunden wichtige Ausbildungsbestandteile. Lino Sibillano über die Studierenden: „Die Teilnehmer sind hoch motiviert und vernetzen sich meist schon während der Ausbildung. Dann gelingt auch der Start ins weitere Berufsleben nach der Ausbildung besser“.

Ergänzend zu den Ausbildungsgängen bietet das Haus der Farbe Fachkurse zu Gestaltung, Farbe und Material an, beispielsweise zu spezifischen Themen der Oberflächengestaltung am Bau.

Haus der Farbe: Archiv für Oberflächengestaltung

Neben dem Ausbildungsbetrieb versteht sich das Haus der Farbe aber auch als Ort der Wissensgenerierung. Das „Institut für Gestaltung in Handwerk und Architektur“ bietet Beratungen an und betreibt angewandte Forschung. Aktuell wurde als Forschungsprojekt das Archiv für Oberflächengestaltung „A/O“ aufgebaut. Die Sammlung zeigt in einer Ausstellung sowie in einer Onlinedatenbank rund 400 Beispiele für handwerkliche Oberflächengestaltung. Entlang von Themenreihen strukturiert, veranschaulicht jedes Muster einen besonderen Aspekt oder eine spezifische Technik aus einer Materialgruppe. „Wichtig ist uns dabei zu zeigen, welche Gestaltungsspielräume in verschiedenen Techniken möglich sind“, erklärt Lino Sibillano. Variantenreich präsentieren sich hier beispielsweise die Farbnuancen eines Eichenbodens. Von Fassadenoberflächen wurden Gipsabdrücke hergestellt, die so auf die reine Struktur reduziert, weitere Gestaltungsmöglichkeiten sichtbar machen. Auch die Prototypen der von Abgängern entwickelten Oberflächen sind in der Ausstellung zu sehen.

Damit vereint das Haus der Farbe Ausbildung, Beratung und Forschung in einem einzigartigen, praxisnahen Kontext. Hier werden die Grundlagen und Wechselwirkungen zwischen Material und Farbe sowie traditionelle und moderne Handwerkstechniken gelehrt, mit dem Ziels, einerseits Profis für Oberflächen und andererseits gestaltungsstarke Handwerkerinnen und Handwerker auszubilden.

Weitere Fotos:
www.malerblatt.de


PraxisPlus

Das Haus der Farbe bietet praxisnahe, innovative Bildungswege, ist in der Forschung tätig und berät Unternehmen, Ämter und Institutionen. Neben den mehrsemestrigen Ausbildungsgängen können Farbinteressierte auch Fachkurse besuchen.
Weitere Informationen:

Haus der Farbe
Langwiesstr. 34
8050 Zürich

www.hausderfarbe.ch
Das Archiv für Oberflächengestaltung
ao.hausderfarbe.ch


Lino Sibillano

„Gestaltung, Farbwissen, Material,
Handwerk und Kommunikation sind die zentralen Aspekte unserer Ausbildung.“