Nachwuchs

Farben klicken – Farbgestaltung am PC

Teil 4 : Branchensoftware Caparol Spectrum 3.0

Jürgen Opitz

Nachdem wir uns in den letzten Folgen mit den Standardgrafikprogrammen befasst haben, die allen Vorbereitungs- und Gestaltungsaufgaben vom Ergebnis her durchaus gewachsen sind, beginnen wir nun mit der Übersicht über die aktuelle Spezialsoftware für Farbgestaltung und zeigen, wie man mit intelligenten Werkzeugen nicht nur Zeit spart. Denn diese Art von Programmen begrenzt den lästigen Pflichtteil auf das Nötigste und macht durch viel Komfort die Bahn frei für ungehinderte Kreativität. Den Anfang macht diesmal das mit dem Innovationspreis 2008 ausgezeichnete Caparol Spectrum 3.0.
Unter der attraktiv gestalteten, übersichtlichen Programmoberfläche bietet Spectrum 3.0 alles Erforderliche für fotorealistische Fassaden- und Innenraum-Gestaltungen. Es eignet sich aufgrund seiner Ergonomie hervorragend, um live mit den Kunden gemeinsam Vorschläge und Alternativen zu entwickeln, darzustellen und aus ansprechenden Präsentationen die beste Lösung auszuwählen. Diese wird samt Legende aller verwendeten Materialien erstaunlich farbsicher über eine PDF-Datei an den Drucker ausgegeben oder per E-mail versendet. Vorbildlich sind die Schulungsvideos unter www.spectrum3.eu. Fünf Programmteile werden nach Arbeitsschritten unterschieden.
Explorer
Das Sichten und Auswählen von Farben, Mustern und Materialien im programmeigenen Explorer ist eine geschmackvolle Angelegenheit. Auf Wunsch geben postkartengroße Musterkarten mit Beschreibung der Technik und Einsatzmöglichkeiten geben ein aussagekräftiges Bild über die zahlreichen verfügbaren Materialkollektionen: das ganze Caparol-Sortiment, Farben, Wandlasuren, Fleece-Gewebe, Kalkspachteltechniken, Holzlasuren und vieles mehr, außerdem RAL-Classic und NCS.
Darüber hinaus gibt es Texturen in bester Qualität von Original-Herstellerkollektionen für Parkett, Stein, Teppichboden, Dekostoffe etc. Wem auch das nicht genug erscheint, für den gibt es die Online-Materialdatenbank, die ständig um weitere Hersteller und Produkte erweitert wird, so dass Spectrum 3.0 sich als Universalwerkzeug auch für Raumausstatter empfiehlt. Daher sollten alle Hersteller von Oberflächen hellhörig werden: Wer hier mitmacht, hat den kurzen Weg über den Gestalter zum Markt.
Der Explorer ist auch die visuelle Ablage für die eigenen Projekte in Gruppen samt Entwurfsvarianten. Eine umfangreiche Bibliothek von Beispieldateien vieler Gebäudearten und Innenraumsituationen zum launigen Ausprobieren und Üben allgemeiner Farbzusammenstellungen ohne konkreten Projektbezug ist ebenfalls enthalten.
Bild Studio
Im Bild Studio werden die eigenen Fotos für die Gestaltung vorbereitet, indem die Flächen für jede Farbe mit Vektormasken umrandet werden. Die Stützpunkte und Kanten der Masken können jederzeit mit der Maus verschoben, Teilflächen addiert, subtrahiert und gelöscht werden, so dass jedes Danebenklicken schnell zurechtgerückt ist. Wenn Vordergrundobjekte wie beispielsweise Pflanzen oder Zäune kleinteilig ausgespart werden müssen, sind die Pixelwerkzeuge Zauberstab, Pinsel und Radierer im Expertenmodus die schnelle und wirksame Alternative. Und damit strukturierte Materialien wie Tapete, Holzschalung oder Noppenfussboden immer in Größe und Perspektive korrekt erscheinen, können die Flächen Perspektiv-Rastern überlagert werden, und das sogar um die Ecken.
Wer für die eigene Bildvorbereitung keine Zeit hat, kann diese auch gegen Gebühr beim BildService nach schnell skizzierten Angaben via Internet erledigen lassen.
Creativ Studio heißt das Zentrum der kreativen Gestaltung. Hier gibt man den vordefinierten Flächen die Farbe und die Materialerscheinung. Jede neue Wahl fügt sich unter einem weichen Einblenden wie angehaucht zur perfekten Visualisierung mit hervorragender Kantenglättung (Antialiasing). Auch extrem helle und dunkle Töne werden korrekt und glaubhaft dargestellt. Parkett und Fliesen lassen sich in die gewünschte Richtung drehen. Eine Welt von Kombinationsmöglichkeiten, die zu erkunden Freude macht, in der man sich aber auch leicht verliert. Weniger ist mehr: Besonders, wenn man mehrere Ansichten einer Fassade darstellt, lohnt sich der Einsatz der Favoriten-Sets, in denen projektbezogen die aus vielen verschiedenen Kollektionen zusammengesuchten Oberflächen mit einfachem Drag and Drop aus dem Explorer zusammengetragen werden. Denn somit können diese ohne neues Suchen für die entsprechenden Flächen der anderen Ansichten wiederverwendet werden. Ein ganz wesentlicher Vorteil gegenüber Bildbearbeitungsprogrammen besteht darin, dass immer namentlich bekannt ist, welcher Farbton da auf der Fläche liegt.
3D Studio
Für schnelle Skizzen von Boden, Wand, Decke und zum Ausprobieren von Helligkeits- und Farbwirkungen auf eher abstrakter, elementarer Ebene für Grundsatzlösungen.
Benutzer professioneller 3D-Programme können nun mit dem neuen MyMaterial Manager all die vielen Tausend hochwertigen und rapportfreien Texturen bequem mit einfachem Ziehen ins Programm benutzen. Ein Vorteil, der allein schon die Anschaffung von Spectrum rechtfertigt, weil solche Programme ansonsten über keine Paletten wie NCS oder 3Dplus verfügen.
Materialstudio
Die virtuelle Musterplatte. Wer „seine“ Lasur im reichhaltig konfektionierten Angebot nicht findet, kann auf beliebigem fotorealistischen Putz-, Beton- oder Holzgrund in bis zu drei Lasurschichten seinen kreativen Ideen folgen. Auch hier eine extrem hochwertige Auflösung und kaum ein Ende der Kombinationsmöglichkeiten in Sicht.
Das Menü Extras bietet außerdem einen Präsentationsmodus als Diashow mit Überblendungen im Vollbildmodus oder für vergleichende Gegenüberstellungen. Mit einem Klick lässt sich eine ganze Präsentation ins allgemeine Bildformat JPEG exportieren. Zum Justieren der Bildschirmansicht findet sich in der ansprechenden Lieferbox auch ein Block von großformatigen Originalfarbmustern als visuelle Referenz für die Kalibrierung.
Hier noch einige Tipps, die nicht im Handbuch stehen:
  • Arbeiten Sie von Groß nach Klein. Zuerst die Hauptflächen, dann die Feinheiten wie Bänderungen, Fensterfaschen etc., denn die Ebenenreihenfolge lässt sich leider nachträglich nicht verschieben.
  • Wenn im Originalbild der Sockel dunkler ist als die übrige Fassade, müssen Sie im Bild Studio unter Flächeneinstellungen für den Helligkeitsausgleich sorgen. Die Kontraste verschiedener Farben sind nur dann exakt, wenn die zwei Flächen mit gleicher Farbe auch exakt gleich erscheinen. Machen Sie im Creativ Studio den Test.
  • Für die farbige Gestaltung von 2D- (CAD-)Zeichnungen benutzen Sie wegen der auf 1800 Pixel Breite begrenzten Auflösung effizienter Photoshop (Elements), können aber von der Vielfalt des MyMaterial Manager direkt profitieren.
Spectrum 3.0 ist eine Software im Semi-Profibereich, die Vollversion kostet 249,- € zuzügl. MwSt.. Erstklassige Bildqualität und Farbtreue machen die Branchensoftware zum verlässlichen Beratungswerkzeug für alle kleinen und mittleren Gestaltungsaufgaben.

kompakt
Eine Branchensoftware erleichtert die Farbgestaltung am PC und kann ein hilfreiches Beratungsinstrument sein. Spectrum 3.0 kann die Gestaltung von Fassaden und Innenräumen fotorealistisch darstellen, und der Maler kann seinen Kunden die Ergebnisse direkt präsentieren.
Jürgen Opitz
Architekt Dipl.-Ing.
Praktische Seminare zur Computer-Farbgestaltung mit dem Autor Jürgen Opitz werden ab Herbst 2008 im Atelier Benad, München, angeboten. Info und Anmeldung unter www.architekturfarben.de

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