Nachwuchs

Farben klicken – starke Hilfe durch Pixel

Teil 3: Standardsoftware – machen Sie sich ein Bild.

Jürgen Opitz

Nun haben Sie Ihrem Kunden einen schönen Farbentwurf mit ausführlichen Ansichtszeichnungen und Originalmustern von Farben und Tapeten, mit Musterplatten von Lasur- und Spachteltechniken präsentiert und obwohl Sie selbst völlig überzeugt von der Stimmigkeit Ihres Konzeptes sind, lautet die mit Spannung erwartete, aber enttäuschende Reaktion Ihres Kunden: „Ich kann mir das nicht vorstellen“. Dies ist meist nicht als Wertung sondern wörtlich gemeint. Besser vorbereitet auf das Vorstellungsvermögen des überwiegenden Teils Ihrer Kundschaft sind Sie mit der fotorealistischen Darstellung Ihres Entwurfs.
Was heißt fotorealistisch?
Ziel und Zweck eines solchen Bildes ist es, so zu tun, als ob es schon ein Foto des bereits ausgeführten Entwurfs gäbe, um durch scheinbare Fakten dem Kunden ein fühlbares Erlebnis der geplanten Wirklichkeit zu geben.
Überzeugt ist Ihr Kunde, wenn
  • er neben der Neuheit Ihres Entwurfs im Bild etwas Unverändertes wiederfindet, das Nachbarhaus oder den alten Baum, und sieht wie die Verbesserung an seinem Haus alles umliegende in seiner Wirkung hebt.
  • die Farben der Gestaltung in der Helligkeit dem Ausgangsbild glaubhaft angepasst sind und die vorhandenen Bildelemente wie Schatten, Putzstrukturen usw. nicht überdecken
  • alle hinzugefügten Gestaltungselemente und Texturen perspektivisch richtig sind
  • Ihr Innenraumentwurf glaubhaft die Atmosphäre des Raums verändert und bereichert.
Tipps für das richtige Bild
Klar, dass schon das Ausgangsfoto über eine gewisse Attraktivität verfügen muss. Wenn Sie bewusst in Architekturzeitschriften schauen, wissen Sie worauf es ankommt:
  • Fotografieren Sie immer ganze Zusammenhänge, Fassade und Dach ohne abgeschnittene Kanten, nach Möglichkeit ohne Autos im Vordergrund, Baum und Zaun nur an den Bildrändern
  • Wenn Ihre Kamera über einen manuellen Weißabgleich verfügt: zeigen Sie mit Hilfe eines Papiertaschentuchs Ihrer Kamera an, was in diesem gerade gegenwärtigen Licht „weiß“ bedeutet. Dann können Sie auch die Farben der Nachbarhäuser so gut wie möglich wiedergeben. In jedem Fall sollten Sie diese vor Ort mittels NCS Fächer oder Messgerät (z.B. Caparol Buntstift) bestimmen und bei der Planung berücksichtigen.
  • Alle senkrechten Linien sollten unbedingt auch im Bild senkrecht sein. Oft muss man von schräg unten fotografieren und die Linien stürzen. Die Funktion „Kameraverzerrung korrigieren“ in Adobe Photoshop Elements macht es ganz einfach, diesen Mangel auszugleichen (Bild 1). Sogar die Wölbung des für Architekturfotos zumeist verwendeten Weitwinkelobjektivs wird hier ganz einfach entfernt.
  • Die starken Kontraste und dunklen Schlagschatten eines tiefblauen Sommertags am Spätnachmittag werden es Ihnen und Ihrem Kunden sehr schwer machen, die Farbigkeit des Entwurfs zu beurteilen. Ein einheitsgrauer, diesig verhangener Himmel ist für diese Arbeit wesentlich dankbarer. Hier können sich Ihre Farben entfalten.
Anwendungsbereiche
Auf welche Weise und mit welchem Aufwand ein überzeugendes Bild herzustellen ist, hängt entscheidend von der Aufgabenstellung ab:
  • Einfachster Fall ist, wenn eine bestehende Fassade mit intaktem Putz oder eine gepflegte Wohnung eine neue Farberscheinung erhalten soll. Dann braucht man nur die entsprechenden Flächen maskieren und anschließend einfärben.
  • In der Regel ist jedoch der Renovierungsbedarf größer. Putzrisse, Graffiti und Schmutz auf einheitlichen Flächen werden in Photoshop Elements bequem mit dem intelligenten Bereichs-Reparaturpinsel (Taste: J) entfernt. Für größere abgeplatzte oder veralgte Stellen gibt es den Kopierstempel (S). Mit diesem Werkzeug kopiert man eine intakte Stelle (Taste: Alt) an die kaputte Stelle. Wenn das draußen auf der Wand ebenso einfach wäre!
  • Wenn Ihre Fassade mehrere verschiedenfarbige Altanstriche enthält, sollten Sie diese zunächst entfärben, indem Sie in einer Kopie die Sättigung auf den geringsten Wert reduzieren (Strg+U). Wenn Sie nun unterschiedliche Graustufen sehen, müssen Sie diese unbedingt egalisieren, sonst würde später die gleiche Farbe unterschiedliche Helligkeiten besitzen. Wählen Sie hierzu nach Sperrung der Ebenentransparenz die Teilflächen aus und bringen diese mittels Tonwertkorrektur (Strg+L) auf eine einheitliche Helligkeit.
  • Haben wir es mit einem Rohbau zu tun, sind wir der realen Gestaltungsaufgabe am nächsten, denn Ihr Bauherr möchte ja wissen, für welchen durchgefärbten Putz er sich entscheiden soll. Der Aufwand der Bildbearbeitung ist hier schon größer: Sie platzieren das Bild einer Putzstruktur, bringen es in die passende Perspektive und schneiden es an der Maske ab. Dazu wird die Maske invertiert (Strg+I) und der weitere Inhalt der Ebene gelöscht (Entf). Jetzt wirkt das Bild zunächst flach und alles andere als fotorealistisch. Also werden auf separater, höher liegender Ebene die Schatten noch einmal neu entsprechend dem Originalbild gezeichnet und mit dem Verbindungsmodus “Multiplizieren“ transparent überlagert. Wenn Sie jetzt eine der beiden Gebäudeseiten mit (Strg+L) etwas dunkler machen und hier und da noch ein wenig mit dem „Nachbelichter“ (groß und weich) zum Boden hin die Fläche verschatten, ist der Putz optimal zum einfärben vorbereitet.
  • Wer nun schon wissen möchte, wie der geplante, aber noch nicht einmal begonnene Anbau farbig aussehen wird, der muss zu einem 3D-Visualisierungsprogramm greifen. Kein Tabuthema mehr: Die Schrecken von hohen Kaufpreisen und komplizierter Bedienung bei dieser Art von Programmen sind deutlich kleiner geworden, die Möglichkeiten dagegen immens. Auch Feinheiten wie der Glanz einer Seidentapete oder Materialwirkungen von Ledermöbel und Holzfußboden sind absolut realistisch vorwegzunehmen. Hiermit gestalten Sie nicht nur Farben, sondern die ganze Raumatmosphäre! Ein Pflichtprogramm für Innenarchitekten und Raumausstatter. Da 3D-Programme keine Farbtonpaletten (z.B. NCS.aco) verarbeiten können, werden die Farben der Herstellerkollektionen als Bitmap-Textur in den 3D-Materialien verwendet. Eine komfortable Brücke zur Welt der Baufarben schlägt der brandneue MyMaterial-Manager von Caparol-Spectrum 3.0.
Ganz gleich mit welchem Programm Sie sich nun an die Gestaltung Ihres Farbentwurfs begeben: die meisten der oben genannten vorbereitenden Arbeitsschritte sind die Grundlage für eine erfolgreiche photorealistische Visualisierung.

kompakt
Dem Kunden ein fühlbares Erlebnis der geplanten Wirklichkeit mit Hilfe eines fotorealistischen Bildes bieten – das ermöglicht dem Kunden, sich besser auf den Entwurf einzulassen.
Jürgen Opitz
Architekt Dipl.-Ing.
Praktische Seminare zur Computer-Farbgestaltung mit dem Autor Jürgen Opitz werden ab Herbst 2008 im Atelier Benad, München, angeboten. Info und Anmeldung unter www.architekturfarben.de

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