Rainer Hülsemann, Leiter Anwendungstechnik ZERO-LACK
Frage des Monats:

Ist das Produkt auch beständig?

Auf diese oft gestellte Frage kann immer nur eine Gegenfrage kommen: „Wogegen?“ Weshalb das so ist, erkläre ich Ihnen gerne.

Bei der Beschreibung eines Produktes werden oft Aussagen über Eigenschaften und Beständigkeiten erbracht. Dabei steht nicht die Werbung im Vordergrund, hier haben die Hersteller Normen zu beachten. Diese Normen legen Kriterien fest und enthalten ggf. Prüfverfahren, nach denen die Eignung eines Beschichtungsstoffes/-systems für eine bestimmte Anwendung beurteilt werden kann. Sie dienen als Grundlage für die Verständigung zwischen Hersteller und Anwender. Ohne Prüfung kann daher keine Aussage getroffen werden.

Die Wetterbeständigkeit bei Fassadenfarben z. B. ist laut Norm reine Pflicht. Angaben über Wetter-, Licht- oder Alterungsbeständigkeit werden anhand von Ergebnisse aus Testreihen getätigt, bei denen diese Eigenschaften – sei es durch Langzeitbewitterung auf dem Wetterstand oder über eine Kurzzeitbewitterung im Weatherometer – geprüft wurden. Auch ein Brandverhalten wie „A1 – nicht brennbar“ ist eine Form der Beständigkeit, nämlich gegen Einwirkung von Feuer. Aussagen zu mechanischen Einwirkungen und deren Folgen auf einen Beschichtungsstoff finden wir in den Ergebnissen u.a. bei Gitterschnittprüfung, Tabertest, Bestimmung der Buchholzhärte, Dornbiegetest, Spanprobe nach Peters etc. Bei wasserhaltigen Beschichtungsstoffen und Beschichtungssystemen für Wände und Decken im Innenbereich (DIN EN 13300), wird u. a. die Nassabriebbeständigkeit geprüft. Die Angabe der Klasse findet sich dann auf den Produktetiketten wieder. Prüfungen auf Widerstand gegen Stoßbeanspruchung oder gegen Windsog sind aus dem WDVS-Bereich bekannt. Die Beständigkeit gegen Chemikalien wird gerne als besondere Eigenschaft einer Beschichtung hervorgehoben. Dabei gibt es nur Prüfvorgaben für Möbellacke und Ölwannenbeschichtung, wo zu prüfende Substanzen festgelegt sind. Bei Bodenbeschichtungen, Lacken, Wandfarben etc. legt der Hersteller mit dem Prüfinstitut die zu testenden Substanzen fest. Geprüft wird nach DIN EN 12720 „Bewertung der Beständigkeit von Oberflächen gegen kalte Flüssigkeiten“, zusätzlich nach DIN EN ISO 4628 „Beurteilung von Beschichtungsschäden“. Dabei wird das Material oder die Oberfläche über einen definierten Zeitraum mit den festgelegten Chemikalien und/oder Konzentrationen belastet und anschließend begutachtet. Veränderungen können Verfärbungen, Veränderungen des Glanzgrades, Erweichung, Quellung, Ablösen der Beschichtung oder Blasenbildung sein. Beschichtungen, die diese Prüfungen bestehen und keine Veränderungen zeigen, sind für die Verwendung in diesen Bereichen geeignet.