Exklusive Kreativtechniken von Malermeisterin Marion Tichy

Kreativtechniken: Durch die Landschaft streifen

Malermeisterin Marion Tichy stellt in dieser Serie neue, exklusiv für das Malerblatt entwickelte Kreativtechniken vor. In der zweiten Folge löst sie ein Landschaftsbild in Streifen auf, wodurch eine harmonische Wandgestaltung entsteht.

Marion Tichy

Der Blick in die Weite ist immer erhebend, egal ob man die Aussicht von einem Berg genießt, auf einen Meereshorizont schaut, oder das Auge über eine Hügellandschaft schweifen lässt. Farblich empfindet man die Farbabstimmung eines Landschaftspanoramas immer harmonisch, weil das Bild stets in dasselbe Licht der Atmosphäre getaucht ist.

Da sich die Natur als Designer geradezu anbietet, kann man ihre Werke als Vorbild für Kreativtechniken in Form einer Flächengestaltung nutzen. Motive finden sich bei Spaziergängen, suchen kann man auch im Internet oder in Büchern, die Auswahl ist riesig. Soll es etwa eine herbstlich gefärbte Alblandschaft sein, grüne irische Weidehügel, oder gar eine Eiswüste in verschiedenen Blautönen? Sehr viele Bilder eignen sich für diese Gestaltung. Deren Prinzip ist einfach: Man reduziert ein Landschaftsbild auf fünf bis sieben Einzeltöne, die man als Flächengliederung an die Wand bringt.

Gut ist, wenn man die Farbtöne direkt von einem Foto oder hochwertigen Druck abnehmen kann. Betrachtet man die erzielte Palette, wird man über die Zusammensetzung erstaunt sein. Die Natur kombiniert Farbtöne, zu denen man von sich aus in einer Farbtonkarte womöglich nicht greifen würde. Das Ergebnis ist trotzdem immer stimmig.

Vom Foto zur Wandgestaltung

Um vom Foto zur Wandgestaltung zu gelangen, gibt es mehrere Möglichkeiten der Abstraktion. Eine ist, eine Wand mit gleichmäßigen farbigen Balken zu füllen. Abstrahiert man die Vorlage noch weiter und fügt helle Zwischenräume ein, erhält man ein Streifenmuster, das immer noch an Landschaft erinnert und deren Farbigkeit aufnimmt. Geht man in der Abstraktion zurück, näher an das Original heran, kann man Landschaftsformen aufgreifen. In einem weiteren Schritt wäre es möglich, kleine Details einzufügen, ein paar Bäumchen oder Wolken beispielsweise, dafür braucht es aber ein künstlerisches Händchen.

Und hier das „Rezept“ für die Landschaft in Streifen:

  • Untergrund: glatte weiße Wandfläche
  • Material: Wandfarbe, matt, in verschiedenen Farbtönen
  • Werkzeuge: Farbwalze, Klebeband, Bleistift, Wasserwaage oder Laser
  • Materialkosten: gering
  • Zeitaufwand: mittel
  • Schwierigkeit: Anspruchsvoll in der Planung, in der Ausführung eine einfache Flächengliederung
  • Eignung: für mittelgroße Flächen im gewerblichen, öffentlichen und privaten Bereich.

Und so geht`s

Das Motiv suchen, Farbtöne auswählen und Wandfarben nachmischen. Dieser Arbeitsschritt muss mit großer Sorgfalt ausgeführt werden. Den Abstand der Farbfelder ausrechnen und einmessen. Sehr gut kann man dafür einen Linienlaser verwenden. Jedes zweite Feld mit Malerband abkleben und mit einem Farbroller ausmalen, trocknen lassen. Danach die anderen Felder abkleben, die Kanten vorwischen und die Flächen ausmalen. Es ist auch möglich die Felder von oben nach unten auszumalen, man muss dann mehr Trocknungszeiten in Kauf nehmen.

Das Auge malt mit

Bei der Schichtung der Farbfelder entsteht eine optische Täuschung. Helle Elemente, die an dunklere Farbtöne stoßen, wirken im Berührungsbereich heller. So entsteht ein Farbverlauf im Auge, der in Wirklichkeit gar nicht existiert. Er unterstützt die Landschafts-Stimmung.


praxis plus

Marion Tichy ist Malermeisterin mit Leib und Seele. Besonders Kreativtechniken sind ihre Leidenschaft und so ist sie ständig auf der Suche nach neuen Gestaltungsideen und experimentiert mit Farben, Putzen, Lacken und Co.

Nachdem sie 2003 bereits (gemeinsam mit Malerblatt-Redakteurin Susanne Sachsenmaier-Wahl) eine Vielzahl an selbst entwickelten Kreativtechniken im Buch „Effektvolle Malertechniken“ (erschienen bei der DVA) vorgestellt hat, wird sie die Malerblatt-Leser in den nächsten Ausgaben wieder mit neuen Ideen überraschen.

marion.tichy@gmx.de

Teil 1 der Serie lesen Sie in Ausgabe 7/2017