Kreativtechnik: Ideen mit dem Schlagmetall Kupfer

Metall in seinen Farben inspirierten Malermeister Ferdinand Weipert zu innovativen Oberflächentechniken. In dieser Folge geht es um kreative Gestaltungsmöglichkeiten mit dem Schlagmetall Kupfer.

Autor & Fotos: Ferdinand Weipert

Kupfer ist in unserem hochtechnologischen Zeitalter dank seiner exzellenten elektrischen Leitfähigkeit und guten Korrosionseigenschaften zu einem der wichtigsten Rohstoffe in der modernen Elektrotechnik und Kommunikationstechnologie geworden. Das rötliche Metall findet dank seiner guten Korrosionseigenschaften auch Verwendung im modernen Wohnungsbau. Es werden sowohl Wasserleitungen und Armaturen sowie Dächer und Regenrinnen aus dem Buntmetall gefertigt. Kupfer bildet mit dem Sauerstoff der Luft eine schützende Oxidschicht an der Oberfläche, die das darunterliegende Metall vor Umwelteinflüssen und Korrosion schützt. Diese Patina zeichnet sich durch Färbungen in Grün- und Brauntönen aus.

Geschichte

Die Geschichte des Buntmetalls beginnt vor etwa 10.000 Jahren. Damals wurde Kupfer das erste Mal nachweislich von Menschen verwendet. Kupfer ist an vielen Stellen in der Erdkruste vorhanden und liegt teilweise oberhalb von Kupfererzvorkommen durch natürliche Erosion an der Oberfläche in reiner Form frei. Durch diesen Umstand konnte das Kupfer einfach von der Oberfläche abgetragen und weiterverwendet werden. Im Laufe der Zeit verfeinerten die Menschen das Verarbeiten des Kupfers durch Schmelzen, Hämmern und Legieren mit anderen Metallen. Die Zeit zwischen der ersten Entdeckung von Kupfer bis zur ersten Weiterverarbeitung von Kupfer zu Bronze wird als Kupferzeit bezeichnet. Das Wissen um das Buntmetall verbreitete sich in der jüngeren Steinzeit von Vorderasien und Ägypten bis nach Mitteleuropa aus. Es wurden Waffen, Werkzeuge und viele Gebrauchsgegenstände aus dem Metall angefertigt. Auch Ötzi, der Mann aus dem Eis, trug ein Beil mit Kupferklinge bei sich. Durch die Industrialisierung und der kommerziellen Nutzung von Strom stieg die Nachfrage stetig an. Die heutige Produktion von Kupfer beträgt etwa 19 Mio. Tonnen jährlich, Tendenz steigend.

Bei den Kreativ-Techniken in dieser Folge geht es um die Verwendung von Kupfer in Form von Schlagmetall.

Cyan wave

Die Technik „Cyan wave“ zeichnet sich durch die wellenartige Struktur in Kupferfarben auf den blau türkisen Färbungen des Untergrundes aus. Durch die freie Strukturierung der Spachtelmasse ist diese Technik auch großflächig einsetzbar. Jeder Verarbeiter kann hier seine eigene Handschrift und Kreativität einbringen. Zuerst muss man dafür den Untergrund anschleifen und Strukturgel oder Spachtelmasse gleichmäßig dünn auftragen. Anschließend wird die Spachtelmasse mithilfe eines Naturschwamms strukturiert. Auf die getrocknete Spachtelmasse erfolgt der Auftrag der Anlegemilch. Im nächsten Schritt wird das Blattmetall Kupfer vollflächig angelegt.

Nach vollständiger Trocknung der Anlegemilch – in der Regel 48 Stunden – kann das Oxidationsmittel mit einem Pinsel auftragen werden. Nun beginnt sich das Kupfer zu verfärben. Der Vorgang lässt sich beliebig oft wiederholen, bis die gewünschten Verfärbungen erreicht sind. Anschließend wird die Fläche mit Zaponlack versiegelt. Für die glänzenden Spitzen werden diese auf der strukturierten Spachtelmasse mit Schleifklotz und Schleifpapier P320 gebrochen. Jetzt kann die Anlegemilch mit hilfe einer harten Schaumstoff- oder Moosgummiwalze nur auf die zuvor gebrochenen Spitzen aufgetragen und mit Kupfer belegt werden. Zuletzt erfolgt nochmals eine Versiegelung mit Zapponlack oder Klarlack im Spritzverfahren.

Floral texture

Für die zweite Technik „Floral texture“ findet Omas Tischdecke Einsatz. Tischdecken und Vorhänge aus Spitze eignen sich für die Gestaltung moderner Oberflächen. Durch die Vielzahl von erhältlichen Mustern kann eine individuelle Gestaltung passend zum vorhandenen Einrichtungsstil des Kunden erfolgen.

Im ersten Schritt werden Tischdecke oder Vorhang auf den Untergrund aufgelegt und festgespannt. Anschließend wird der Stoff mit einer Dispersionspachtelmasse gewebebündig abgespachtelt. Wichtig ist, den Stoff sofort nach dem Auftragen der Spachtelmasse vorsichtig herauszuziehen. Das Muster des Stoffs ist auf den Untergrund übertragen. Die Spachtelmasse muss nun vollständig durchtrocknen. Danach wird die Anlegemilch dünn aufgetragen und die Fläche vollflächig mit Kupfer belegt. Anschließend erfolgt der Auftrag von Oxidationsmittel Nr. 2. Der Oxidationsvorgang führt zu der Verfärbung der Fläche, die nach dem Erreichen des gewünschten Effektes mit Zaponlack versiegelt wird. Bei dieser Technik wurde ein zweites Blattmetall eingesetzt. Dazu erfolgte ein zweiter, partieller Auftrag der Anlegemilch mit einem harten Neoprenroller auf die hervorstehende Struktur. Diese Fläche wurde mit Blattsilber belegt, zum Abschluss die Oberfläche nochmals mit Zaponlack versiegelt.

Die Grundlagen Teil 1


Mit dem Schlagmetall Kupfer veredete Oberflächen können durch gezielte Oxidation eine ungewöhnliche Farbigkeit entwickeln.


Die hervorstehenden Strukturen wurden hier mit Blattsilber belegt.

Foto: Ferdinand Weipert

Die Musterung von „Großmutters Spitzendeckchen“ bietet die Grundlage für diese Oberfläche.

Foto: Ferdinand Weipert

Die Spachtelmasse wird dünn aufgetragen
und mit einem Naturschwamm strukturiert.

Foto: Ferdinand Weipert

Die Oberfläche wird mit dem Schlagmetall
belegt und anschließend oxidiert.

Foto: Ferdinand Weipert

Die Spitzen der strukturierten Spachtelmasse werden mit Schleifpapier (P320) gebrochen.

Foto: Ferdinand Weipert

Eine harte Schaumstoffwalze überträgt die
Anlegemilch nur auf die Spitzen.

Foto: Ferdinand Weipert

„Cyan wave“. Die Oberfläche wird mit einem Zaponlack geschützt.

Foto: Ferdinand Weipert

Die Spitze wird aufgespannt und mit einer Dispersionsspachtelmasse abgespachtelt.

Foto: Ferdinand Weipert

Der Stoff muss sofort nach dem Auftrag aus der Spachtelmasse entfernt werden.

Foto: Ferdinand Weipert

Auf die mit Kupfer belegte Oberfläche wird das Oxidationsmittel 2 aufgetragen.

Foto: Ferdinand Weipert

PraxisPlus

Die Rezepturen

  • Oxidationsmittel Nr. 4

100 ml destilliertes Wasser

1,6 g Schwefelleber

21 g Ammoniumchlorid

  • Oxidationsmittel Nr. 2

100 ml destilliertes Wasser

2,5 g Schwefelleber

Bei Rückfragen:

F.Weipert@weipert-online.de