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Barock anmutende Ranken prägen den Lehmfeinputz. Die leicht aufgerissenen Bereiche verleihen der Fläche den beliebten Vintage-Look.
Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Mit Höhen und Tiefen

Lehmputzflächen eignen sich hervorragend dazu, sie durch ein Muster aufzuwerten. Wie sich sgraffitoähnliche Wandflächen mit modernen Methoden herstellen lassen, zeigt uns der Vorarlberger Maler Alexander Tschofen in der dritten Folge unserer Lehm-Serie.

Text und Fotos: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Weich fließende, barock anmutende Ranken und dazwischen immer wieder leicht „aufgerissene“ Stellen, in denen die Körnung des verarbeiteten Lehmputzes sichtbar wird: Besser kann man eine Wand im angesagten Vintage-Look kaum gestalten. Der Vorarlberger Maler Alexander Tschofen präsentierte die Wandgestaltungstechnik beim Claytec-Wettbewerb „Oberflächenwerkstatt Lehmputz“ im April vergangenen Jahres – und erntete dafür viel Lob von der Fachjury. Dabei braucht es für die Technik, wenn man einmal von einer ordentlichen Portion handwerklichen Geschicks und Kreativität absieht, nicht viel: ein sehr feiner, farbiger Lehmputz, eine Prägetapete und ein paar gewöhnliche Malerwerkzeuge genügen als „Hardware“, um die Technik an die Wand zu bringen.

Eine Tapete dient als Stempel

Auf die grundierte Wandfläche wird zunächst eine dünne Schicht des Lehmputzes aufgezogen und abgeglättet. Das Ergebnis dieses Arbeitsschrittes sollte eine gleichmäßige Lehmfläche ohne Grate sein. Nach deren Trocknung nässt man die Wandfläche mithilfe einer Sprühflasche leicht vor, ehe man eine weitere Lehmputzschicht aufzieht. Das Vornässen verhindert ein zu schnelles Anziehen der zweiten Lehmschicht, denn nun soll die Oberfläche ja strukturiert werden.

Für die gewünschte Struktur sorgt eine Vliestapete mit Schaumprägung. Bei der Auswahl des Tapetenmotivs sollte man auf die Höhe der Schaumschicht und die Größe des Motivs achten. Zu filigrane, fein geschäumte Motive bilden sich im Lehmputz später nur sehr schlecht ab und das Ergebnis kann leicht unbefriedigend ausfallen. Die Tapetenbahn wird in die noch feuchte Putzschicht eingelegt. Dabei geht man im Prinzip vor wie beim Tapezieren einer Wand – allerdings sozusagen im „Negativ-Verfahren“. Denn die Tapete wird mit der geschäumten Seite in den Lehmputz gedrückt. Mithilfe eines Kunststoffspachtels bettet man die Tapete zunächst blasenfrei in den Putz ein. Dann reibt man die Vliesrückseite mit einem feuchten Schwammbrett noch einmal gründlich ab, um die „Stempel“-Abdrücke noch zu intensivieren.

Mit dem Charme des Gealterten

Bevor die Tapete wieder abgezogen wird, verputzt man die Wand in der Breite der nächsten Tapetenbahn und wiederholt den „Stempel-Vorgang“. Selbstverständlich muss eine neue Tapetenbahn verwendet werden. Die bereits benützte kann nicht noch einmal als Stempel zum Einsatz kommen. Wichtig ist auch, dass der Rapport der Tapete, sofern diese einen aufweist, beachtet wird. Am besten schneidet man die Bahnen vorab zu und setzt sich Markierungen auf der Rückseite, um nach dem Aufziehen des Putzes keine Zeit zu verlieren.

Den richtigen Zeitpunkt für das Abziehen der Tapetenbahn zu finden, dürfte das Schwierigste bei dieser Gestaltungstechnik sein: Wird die Tapete zu früh abgezogen, kann das Muster „verschwimmen“, die Ränder bilden sich nicht sauber ab. Außerdem würde dann der Putz zu wenig aufgerissen werden, womit der „Vintage-Charakter verloren wäre. Belässt man die Tapete jedoch zu lange im Putz, reißt dieser möglicherweise zu stark auf. Im schlimmsten Fall könnten sich ganze Putzschollen ablösen und das Muster wäre nicht mehr erkennbar. Abgezogen wird die Tapetenbahn im spitzen Winkel, um die Kräfte, die auf die Putzfläche wirken, möglichst klein zu halten.

Nachdem die Tapetenbahnen abgezogen sind, können mit einem kleinen Spachtel oder Traufel, falls gewünscht, noch starke Abreißspuren verschlichtet werden. So lässt sich der Grad des Vintage-Effekts noch einmal leicht steuern.

Weitere kreative Lehmtechniken:
www.malerblatt.de


Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Nachdem eine gleichmäßige Schicht des Lehmfeinputzes aufgespachtelt wurde, drückt man
die zuvor zurechtgeschnittene Prägetapete mit einem Kunststoffspachtel ein.


Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Mit einem leicht angefeuchteten Schwammbrett wird die geprägte Vliestapete in die Lehmschicht eingerieben. So erreicht man, dass das Muster präziser abgebildet wird.


Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Nachdem die folgenden Bahnen ebenfalls eingebettet wurden, zieht man die Vliestapete
in steilem Winkel vom Putz ab. Der Zeitpunkt entscheidet darüber, wie stark der Putz aufreißt.


Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Starke Grate, die sich beim Abziehen der Tapete oder an den Tapetenstößen ergeben haben, können abschließend mithilfe eines kleinen Spachtels oder Traufel geglättet werden.


PraxisPlus

Alexander Tschofen bietet in seinem Malerbetrieb „Alex Malerkiste“ neben herkömmlichen Maler- und Anstricharbeiten auch kreative Gestaltungstechniken für Boden, Wand und Decke an. Einen Schwerpunkt bilden dabei Lehm- und Kalkputze sowie zementöse Dekor-Spachtelmassen. Für die vorgestellte Lehmputztechnik verwendete Tschofen den Lehm-Designputz Yosima von Claytec.

www.alex-malerkiste.at