Nachwuchs

Öfter mal was aufreißen

Glatte Oberflächen liegen derzeit im Trend. Undenkbar, dass die mühevoll geglättete Fläche absichtlich wieder aufgerissen wird! Oder doch nicht? Roland Klima präsentiert in der fünften Folge der Lehm-Kreativserie eine Technik, die exakt durch diese aufgerissenen Strukturen beeindruckt.

Text und Fotos: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Als Roland Klima seine Kreativtechnik beim 1. Claytec-Kreativwettbewerb im April in Viersen an die Wand brachte, musste ich kurz die Luft anhalten. Der österreichische Baumeister aus Lanzenkirchen bei Wien hatte den Untergrund mit einer perfekt glatt geriebenen Lehmputzfläche in einem warmen Braunton überzogen. Im „Normalfall“ wäre die Arbeit hier beendet und die meisten Auftraggeber und Handwerker hätten ein glückseliges Lächeln im Gesicht. Nicht so Roland Klima. Beherzt greift der Österreicher zur Edelstahlkelle und reißt mit der Kante die perfekte Oberfläche auf. Immer wieder, in unregelmäßigen und doch irgendwie gleichmäßigen Schlägen. Und je länger er die Oberfläche so bearbeitet, desto mehr bin ich beeindruckt. Als er die Kellen – Roland Klima arbeitet mit zwei Kellen gleichzeitig, einer in jeder Hand (!) – stehe ich vor einer nicht minder perfekten Wandfläche als zu Beginn seiner „Zerstörung“. Allerdings weist diese Fläche wesentlich mehr Lebendigkeit auf und verleiht der Wand Individualität, eben diese handwerkliche Note, die man so gerne sieht. Nicht nur bei Lehmputzen, aber eben auch gerade dort.

Handwerk in Vollendung

Dass Roland Klima ein exzellenter Handwerker ist, sieht man sofort, als er die Werkzeuge in die Hand nimmt. Der Umgang mit der Kelle ist ihm vertraut. So ist der braune Lehmfeinputz auch schnell auf die Wand aufgezogen. Wichtig ist dabei eine relativ gleichmäßige Schichtstärke. Nach kurzem Ansteifen tauscht Roland Klima die Kelle gegen ein Schwammbrett aus. Mit der leicht angefeuchteten Schwammscheibe reibt er die Oberfläche des Putzes glatt. So entsteht eine ebenmäßige Oberfläche ohne Grate. Denn diese würden das spätere Erscheinungsbild stören.

Nun muss sich der Baumeister gedulden, aber entspannt zurücklehnen darf er sich nicht, denn er muss den Putz im Auge behalten. Der richtige Zeitpunkt für das Aufreißen des Putzes ist entscheidend. Beginnt man zu früh, „schmiert“ die Struktur zu, verpasst man den idealen Zeitpunkt, reißt die Fläche unkontrolliert auf. Hier sind also Know-how und Erfahrungswerte gefragt.

Doch diese scheint Roland Klima zu haben. Mich interessiert, was sich hinter der Bezeichnung „Baumeister“ versteckt. Während dieser Begriff in Deutschland nicht mehr geläufig ist, handelt es sich in Österreich (und der Schweiz) bei dem Begriff Baumeister immer noch um eine konkrete Berufsbezeichnung, erklärt Klima. Architekten und Bauingenieure sind überwiegend im planenden und kontrollierenden Bereich anzutreffen. Der Baumeister stellt den einzigen universell einsetzbaren Baufachmann dar. Er übernimmt auch die Ausführung von Bauarbeiten.

„Schürfwunden“ als Zierde

Endlich scheint der Putz die richtige Festigkeit erreicht zu haben. Roland Klima greift zu zwei Edelstahlkellen – eine in jeder Hand – und beginnt, in kleinen waagerechten Zügen die geglättete Lehmputzfläche mit den Spachtelkanten aufzureißen. Nun muss es schnell gehen. Dauert dieser Arbeitsschritt zu lange, ist der Putz am Ende der Wandfläche schon zu fest – und Roland Klima hat einige Quadratmeter vor sich …

Doch der Österreicher lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Die beiden Glättkellen kratzen in gleichmäßigem Rhythmus über die Wand und hinterlassen ihre prägenden Spuren. Die Art, wie Klima diesen Arbeitsschritt ausführt – konzentriert und gelassen zugleich – hat etwas Beruhigendes, fast Meditatives an sich. So bleiben meine Augen an den blanken Kellen hängen und verfolgen, wie sie in harmonischen Schwüngen über die Wand gezogen werden, bis sie schließlich zur Ruhe kommen. Es gibt kein böses Erwachen – im Gegenteil: das Werk ist vollendet. Die Wandfläche beeindruckt durch eine warme, erdige Ausstrahlung, die durch Lebendigkeit und Ruhe gleichermaßen besticht. Sie hält sich im Hintergrund, ohne langweilig zu wirken und zieht die Blicke auf sich, ohne laut um Aufmerksamkeit zu heischen.

Weitere kreative Lehmtechniken:
www.malerblatt.de


Der Lehmfeinputz wird in gleichmäßiger

Schichtdicke möglichst eben auf die Wandfläche aufgezogen.


Nach kurzem Ansteifen wird die Putzoberfläche mit einem angefeuchteten Schwammreibebrett glatt gerieben.


Sobald der Putz die richtige Festigkeit erreicht hat, wird die Oberfläche in kleinen, gleichmäßigen Schlägen mit der Kellenkante aufgerissen.


PraxisPlus

Ob Innenputze,
Trockenausbau-
arbeiten, Wärme-
dämmsysteme
oder Fassadengestaltung, ob im privaten oder im gewerblichen Bereich: Lehmbaumeister Roland Klima ist mit seinem Handwerksunternehmen Klima Bau der richtige Ansprechpartner im Raum Niederösterreich, wenn es um die Verwendung von Lehm und ökologischen Produkten wie Lehmputze, Hanf und Holzweichfaserplatten geht. Ganz gleich, ob im Rahmen von Umbauten, bei Sanierungsmaßnahmen oder im Neubau. Auch individuelle Oberflächengestaltungen sind dem Baumeister nicht fremd, wie die vorgestellte Technik zeigt.

www.klimabau.at



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