Schiff ahoi

Gregor Botzet von der Ferdinand-Braun-Schule in Fulda organisierte und begleitete ein Ausbildungsprojekt für angehende Maler und Lackierer an einem ungewöhnlichen Ort: auf einem Gaffelketschsegler. Die Malerblattredaktion sprach mit ihm über seine Beweggründe und Erfahrungen

Fotos: Ferdinand-Braun-Schule

Herr Botzet, wie ist es zu diesem ungewöhnlichen Projekt gekommen?

Gregor Botzet: Auf der Suche nach einem Ausbildungsprojekt, in dem sich sowohl Fach-, Sozial- und Interkulturelle Kompetenzen besonders gut entwickeln lassen, sind wir auf die Idee gekommen, die Restaurierung und Instandhaltung eines historischen Segelschiffs zu unterstützen. Die Möglichkeit bot sich nach einem persönlichen Kontakt im Bundesleistungszentrum Maler WorldSkills Germany mit einem der Schiffseigner und dem Seniorexperten Michael Doll, der uns bei diesem Projekt begleitet hat.

Was ist ein Gaffelketschsegler?

Gregor Botzet: Der Gaffelketschsegler ist einer der wenigen noch erhalten gebliebenen sogenannten dänischen Haikutter. Die zu sanierende „Nordstjerne“ wurde nach Beendigung ihres langen Fischereilebens zum Freizeitschiff umgebaut. In diesem Jahr stand die Beschichtung des Schiffsrumpfs oberhalb der Wasserlinie, mit Schanzkleid und deren Abdeckung, sowie die Renovierung des gesamten Oberdecks auf dem Programm.

Wie lief die Sanierung ab?

Gregor Botzet: Zunächst erhielten die zehn Auszubildenden der Ferdinand-Braun-Schule, davon zwei Austauschschülerinnen aus Österreich, technische Informationen und eine Unterweisung, wie man sich auf einem Schiff zu bewegen hat, bzw. was im Fall eines „unfreiwilligen Bades“ zu tun ist.

Dann starteten die Teams mit der Untergrundvorbereitung: Abschleifen und Abbrennen von verwitterten Altbeschichtungen, Entrosten des Vorderstevens und Reinigen der Metallbuchstaben der Schiffsbezeichnung. In jedem Team zeichnete sich ein Auszubildender verantwortlich für die Leitung der Gruppe und berichtete zum Feierabend über den aktuellen Stand der Arbeiten. Nach zweieinhalb Tagen harter Schleif- und Vorbereitungsarbeiten konnte dann mit den Beschichtungsarbeiten begonnen werden. Dabei kamen völlig andere Materialien als gewohnt zum Einsatz.

Wie war das Leben an Bord?

Gregor Botzet: Gewohnt und gelebt wurde an Bord, das bedeutet Selbstverpflegung und Küchendienst. Die an Bord einfachsten Lebensbedingungen zwingen dazu, sich aufeinander zu beziehen und das Zusammenleben neu zu gestalten. Eine interessante Erfahrung für die Auszubildenden, ebenso wie für die Experten.

Waren die Schiffseigner zufrieden?

Gregor Botzet: Sie waren begeistert davon, was die Schüler in vier Tagen geleistet hatten und belohnten uns mit einem Törn. Einen ganzen Tag lang schipperte die Nordstjernen in strahlendem Glanz bei Sonnenschein die Elbe hoch und runter. Dabei konnten alle Teilnehmer des Projektes am Ruder oder als Steuermann maritimes Flair verspüren. Ein unvergessliches Erlebnis.

War es ein reiner Arbeitsaufenthalt?

Gregor Botzet: Nein, neben dem Arbeiten stand auch Kultur auf dem Programm. Wir besuchten den Museumshafen Oevelgönne und erlebten bei einer Lichterfahrt wie es ist, wenn die Sonne untergeht und die Lichter im Hamburger Hafen angehen. Es bietet sich ein völlig neues Bild der Landungsbrücken und Container-Terminals.

Hatten Sie Unterstützung für das
Projekt?

Gregor Botzet: Ja, ein besonderer Dank gilt der Firma Malerwerkstätten Colora GmbH aus Neuhof, die uns durch die Bereitstellung eines Kleinbusses unterstützte und der STO-Stiftung, welche die beiden Austauschschülerinnen gefördert hat.