FRAGE DES MONATS

Wie wichtig ist die Viskosität?

Je höher die Viskosität, desto dickflüssiger die Flüssigkeit. Viskosität – auch Zähflüssigkeit genannt – ist ein entscheidender Faktor im Verarbeitungsprozess von Lacken und Anstrichstoffen.

Physikalisch betrachtet ist Viskosität ein Maß für die innere Reibung einer Flüssigkeit und damit ein Maß für Zähflüssigkeit. Die Fließeigenschaften und die Rheologie von Beschichtungsstoffen haben großen Einfluss auf deren Verarbeitung und das spätere Beschichtungsergebnis. Die Viskosität eines Produktes hängt von der Temperatur ab. Eine höhere Viskosität findet sich bei kalten Temperaturen, eine niedrigere bei höheren. Bezugstemperatur für ein Produkt sind immer die Normalbedingungen von +20°C/65% Luftfeuchte. Bei der Produktentwicklung, der Produktion, der Qualitätskontrolle werden diese Parameter als Vorgabe genutzt.

Zum Beispiel ist ein zu kalter Decklack zäh in der Verarbeitung und im Verlauf schlecht. Ein warmer Lack dagegen zieht schneller an und neigt zu Läuferbildung an der Fläche. In beiden Fällen ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend. Liegt die Temperatur des Beschichtungsstoffes bei ca. 20 °C, ist ein gutes Ergebnis zu erwarten. Bei unterschiedlicher Viskosität im Falle des Temperaturunterschiedes werden nicht identische Verbrauchsmengen bei der Applikation aufgetragen und es können sichtbare Unterschiede bei Deckvermögen, Glanzgrad oder Farbton resultieren, weil sich Füllstoffe und Pigmente unterschiedlich orientieren.

Ein thixotroper Beschichtungsstoff ist im Ruhezustand dickflüssig und wird erst durch Scherkräfte – wie Umrühren oder Streichen – verflüssigt und erhält dann seine Verarbeitungsviskosität. Um Läufer zu verhindern, werden Additive zur Thixotropiebildung verwendet, damit baut sich die Thixotropie nach der Applikation wieder auf. Gemessen wird die Viskosität mithilfe von Viskosimetern. Die machen es möglich, den Verlauf der Viskosität in Abhängigkeit von der Scherbeanspruchung aufzuzeichnen.

Bei der Verarbeitung von Lacken und Anstrichstoffen sollte man deshalb unbedingt auf die Temperatur des Produkts, des Untergrunds und der Umgebung achten. Der im Hochsommer im Fahrzeug gelagerte Lack hat eben eine höhere Temperatur und eine niedrigere Viskosität als das Produkt, das auf der Baustelle im Schatten stand.

Übrigens geht das Wort Viskosität auf den typisch zähflüssigen Saft in der Pflanzengattung Mistel (Viscum) zurück. Aus dieser Mistel wurde der Vogelleim gewonnen. „Viskos“ bedeutet „zäh wie Vogelleim“.