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Algen an der Fassade

Pilze und Algen wachsen auf sämtlichen Oberflächen. Erfahren Sie hier, wie Sie diese auf der Fassade vermeiden können.

Häufig stellt sich die Frage, ob es zu Algen- und Pilzbefall kommen darf, wenn hochwertige Fassadenbeschichtungen zum Einsatz kamen beziehungsweise ob handwerklich alles richtig gemacht wurde. Unabhängig von der rechtlichen Betrachtung: Ja, das darf passieren. Weder der Handwerker noch die Farbe sind die Ursache. Tatsache ist: Niemand kann vorhersehen, wann ein Befall eintritt, selbst, wenn alle möglichen Abwehrmechanismen bedacht wurden, um einen Algen- und Pilzbefall zu vermeiden.

Pilze und Algen wachsen auf sämtlichen Oberflächen, unabhängig, ob rau oder glatt, dicht oder saugend, ob mineralisch oder organisch, ob gedämmt oder nicht. Es muss nur etwas feucht und warm genug sein, damit Nahrung zum Wachsen vorhanden ist. Dann sind die Sporen in der Lage, sich überall anzusiedeln und zu vermehren. Vor diesem Hintergrund müssten eigentlich nur die Lebensgrundlagen für Pilze und Algen vermieden werden. Doch ist es wirklich so einfach?

Pilzbefall oberhalb dem gekippten Fenster. Die warme Innenluft strömte an der kalten Fassade nach oben. Dabei kondensierte die Luftfeuchtigkeit.


Nahrungsgrundlage

In Fassadenbeschichtungen werden die Inhaltsstoffe, die als Nahrung dienen könnten, möglichst vermieden oder schwer zugänglich gemacht. Dies findet in hochwertigen Putzen und Farben statt. Jedoch steht im Umfeld immer Nahrung zur Verfügung, die durch den Wind in Form von Verschmutzung herangetragen wird. Daher ist diese Grundlage nicht zu vermeiden.

Die Temperatur ist nicht beeinflussbar,, da sie bis auf kurze Phasen über den Winter immer warm genug ist. Verschärfend wirkt, dass die Winter in Deutschland inzwischen häufig sehr mild sind.

Regen und Kondensfeuchte sind gleichfalls wenig zu beeinflussen. Insbesondere die Kondensfeuchte ist von Bedeutung, da sie länger als der Regen auf der Fassadenfläche vorhanden ist. Über intelligentes Feuchtemanagement der Fassadenbeschichtungen kann das Abtrocknen der Oberfläche beschleunigt werden, was das Wachstum hemmt. Dabei ist zu beachten, dass eine oberflächig trockene Fassade unter Umständen immer noch genug Feuchtigkeit aufweist, um Algen und Pilzbefall zu ermöglichen. Erst unterhalb eines aw-Wertes (Wasseraktivität) von 0,8 ist ein Wachstum nicht mehr möglich. Der aw-Wert entspricht dem Wert der relativen Luftfeuchte von 80 Prozent. Die Feuchtigkeit ist als Wachstumsgrundlage reduzierbar, aber nicht gänzlich zu vermeiden.

Algen- und etwas Pilzbefall an der Wetterseite aufgrund Feldrandnähe und dadurch erhöhtem Infektionsdruck.


Befall vermeiden

Ein Befall der Fassade findet jedoch nur statt, wenn auch Sporen der Pilze oder Algen vorhanden sind, neben allen voran genannten Wachstumsgrundlagen (auch Infektionsdruck genannt). Deshalb ist eine Vorhersage, ob und wann ein Befall erfolgt, nicht verlässlich möglich. Um einen Befall zu vermeiden, gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Maßnahmen:

  • Das Wachsen der Pilze und Algen wird unterbunden durch hohe Alkalität (Kalk, Zement, Silikat) oder Biozide (Filmschutz).
  • Die Wachstumsgrundlage „Wasser“ wird entzogen.

Nach wie vor ist nach heutigem wissenschaftlichem Stand der Zusatz spezieller Biozide in Fassadenfarben und -putzen die wirkungsvollste Methode. Wobei auch hierbei die Kombination und Auswahl der Biozide in einer dazu optimal rezeptierten Beschichtung entscheidend ist. Man spricht von filmgeschützten Fassadenbeschichtungen. Die Ausstattung ist nur bei pastösen Produkten auf Basis von Dispersion, Silikon oder Silikat möglich. In Mineralputzen sind organische Biozide nicht ausreichend stabil in der Matrix eingebunden. Seit Jahren begleitet Caparol mit steigender Tendenz Objekte, die mit filmgeschützten Fassadenbeschichtungen beschichtet werden. Nach weit über 15 Jahren kann die Bilanz gezogen werden, dass diese Objekte nahezu schadensfrei über die Gewährleistungszeit von fünf Jahren kommen.

Da der Einsatz von Bioziden in Fassadenbeschichtungen kontrovers diskutiert wird, rückt die Frage nach einer Alternative schnell in den Fokus. Da sowohl Pilze wie auch Algen oberhalb eines pH-Wertes von neun bis zehn nicht mehr wachsen, wäre der Einsatz hochalkalischer Mineralputze (Kalk, Zement) und Silikatputze/-farben (Wasserglas) naheliegend. Die Erfahrung zeigt, dass diese durchaus sehr wirksam sind und ein Befall auf jeden Fall deutlich verzögert wird. Die Alkalität nimmt jedoch aufgrund der Bewitterung innerhalb von einem halben bis ganzen Jahr so ab, dass dieses Konzept nicht mehr ausreichend sicher funktioniert. Bei Silikatfarben kommt eine Kreidung hinzu, die einen möglichen Befall frühzeitig mit dem Regen und Wind wieder entfernt. Die Verwendung alkalischer Produkte ist wirkungsvoll, jedoch führt das höchstens zu einer Verzögerung von etwa einem Jahr. Es ist nach dem Einsatz filmgeschützter Produkte eine effektive, aber schwächere Variante.

Algenbefall an Balkongeländer: Die ca. 10 Jahre alte Fassade mit filmgeschützter Silkonharz-Fassadenfarbe (WDVS) ist befallsfrei.


Lösungsansätze

Als weitere Alternative sind Fassadenbeschichtungen, deren Oberfläche nach Regen oder Betauung möglichst schnell wieder trocknet. Hierzu gibt es unterschiedlichste Lösungsansätze. Ob eine Fassade hydrophob oder hydrophil sein soll, ob Wasser im Putz gespeichert werden soll oder andere Konzepte greifen, um die Oberfläche möglichst lange trocken zu erhalten, wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Einmal mehr sind Extreme selten die richtige Antwort. Caparol setzt daher schon immer auf eine kapillar-hydrophobe Fassadenoberfläche als leistungsfähigste Lösung. Das zeigen viele Objekte eindeutig. Durch die Kapillarhydrophobie wird das Wasser in einem gleichmäßigen Film über die Fassade verteilt, ohne dass sich Wassertropfen bilden. Dadurch wird das Abtrocknen beschleunigt und ist gleichmäßig. Bei Wassertropfen braucht dieser Vorgang deutlich länger.

Die Vorstellung, Feuchtigkeit in das Beschichtungssystem aufzunehmen und damit die Oberfläche trocken zu halten, überzeugt nicht. Wasser im System bedeutet stets eine höhere Schadensgefahr wie etwa Frostschäden. Und Wasser verteilt sich gleichmäßig, d.h. an der Oberfläche gibt es dabei immer eine Erhöhung des Feuchtegehaltes. Insoweit ist diese hydrophile Oberfläche auch keine funktionierende Lösung.

Die Weiterentwicklung der Nano-Quarz-Gitter-Technologie (NQG) mit einer erweiterten Funktionalität des Feuchtemanagements beschleunigt aktiv das Abtrocknen dieser Oberfläche. Dabei ist die Kombination von kapillarhydrophober Oberfläche und einem beschleunigten Abtrocknen die Innovation. Damit ist die Fassade länger trocken und hat dadurch ein verringertes Risiko für Befall. Wenn NQG mit einem alkalischen Produkt kombiniert wird, ist die alternative Prävention gegen den Befall von Algen und Pilzen optimal. Damit kommt die Leistung ganz nah an filmgeschützte Produkte heran.

Algenbefall aufgrund hohem Infektionsdruck und erhöhter Feuchtigkeit der dichten Bepflanzung.


Fazit

Das wichtigste Prinzip, um das Entstehen von Pilzen und Algen zu verhindern, ist der Wasserentzug. Mit den Produkten der NQG-Technologie (z. B. AmphiSilan) ist das Feuchtemanagement auf schnellstes Abtrocknen getrimmt. Um aktiv das Wachstum von Pilzen und Algen zu verhindern, ist hohe Alkalität mit Silikatprodukten zu ergänzen (z. B. Sylitol NQG). Damit ist auch ein wirkungsvolles Verzögern des Pilz- und Algenwachstums gegeben. Wer mehr Sicherheit wünscht, kommt an filmgeschützten Produkten nicht vorbei.

Flechten bilden sich erst, wenn Pilze und Algen vorhanden sind.

Quelle: Malerblatt 07/2016, Autor: Franz Xaver Neuer, Fotos: Caparol Farben Lacke Bautenschutz

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