Anwendungstechnik

Spritznebelfrei Beschichten

Spritztechnik gibt es schon länger, als man denken mag. Aber bis zur Jahrtausendwende galt es als technisch fast unmöglich, das Problem mit dem Sprühnebel in den Griff zu bekommen. Damals befasste sich Malermeister Michael Heil intensiv mit der Thematik und trat an den Hersteller Caparol heran.

Im Verbund zwischen Forschungsinstituten, Industrie und Handwerk gelang es dem Hersteller, die technischen Hürden zu überwinden. Das Fraunhofer-Institut für Wirtschaftsmathematik an der TU Kaiserslautern entwickelte eine mathematische Formel zur Berechnung der Tröpfchengröße und ihrer Verteilung beim maschinenunterstützten Airless-Spritzen. Mehrere Handwerksbetriebe waren involviert, um baustellengerechte Optimierungen der einzelnen Prozessschritte vorzunehmen. Caparol entwickelte die dafür erforderlichen Beschichtungsstoffe und der Spritzgerätehersteller Wagner aus Markdorf das innovative Spritzsystem.

Von der Idee zur Umsetzung

Anfangs war es eine eher vage Idee, mit der sich Malermeister Michael Heil beschäftigte: Farbe mit Maschinenunterstützung auf Fassaden zu spritzen – ganz ähnlich, wie es im Lackiererhandwerk üblich ist. Allerdings sollte das Beschichten nicht in einer Lackierkabine, sondern unter freiem Himmel erfolgen – und zwar so rationell wie möglich und weitestgehend ohne Sprühnebel. Ein ambitioniertes Vorhaben, das viele Fachleute noch zur Jahrtausendwende für fast unmöglich hielten. Das aber sollte sich bald ändern. Herauszufinden, ob, womit, wie und unter welchen Bedingungen nebelfreies Spritzen mit Maschinenunterstützung funktionieren könnte, war im Jahr 2000 eine echte Herausforderung für die anwendungsorientierte Forschung. „Als mir Michael Heil von seinem Vorhaben berichtete, ein Verfahren zu entwickeln, mit der der Maler Farbe auf Außenwände schneller und gleichmäßiger als mit Pinsel und Rolle aufbringen kann, war ich zunächst skeptisch. Doch je länger ich darüber nachdachte, desto neugieriger wurde ich“, erinnert sich Dipl.-Ing. Werner Aumann, damals Verkaufsberater im Außendienst, heute gebietszuständiger Planer und Objektbetreuer für das Saarland und Rheinland-Pfalz. Also bat er
Dr. Klaus Murjahn, Seniorchef des Baufarbenherstellers Caparol, um dessen Einschätzung der Erfolgsaussichten. Der Unternehmer erkannte sofort das Marktpotenzial dieser Idee und stimmte einer Projektbeteiligung der DAW-Firmengruppe zu. Das war die Initialzündung zur Gründung eines Innovationszirkels mit 14 Projektpartnern, in dem sich Caparol sowohl finanziell als auch personell maßgeblich engagierte.

Grundvoraussetzung für nebelfreie Spritzapplikation sind die speziell entwickelten Nespri-Farben, ein Airless-Gerät saugt die Farbe an und baut dabei den passenden Druck auf. Ein speziell beheizter Hochdruckschlauch sorgt für eine konstante Temperatur der Farbe, die am Spritzgerät elektronisch überwacht wird. „Das Material hat dadurch immer die richtige Konsistenz und muss nicht zusätzlich verdünnt werden“, erklärt Heinz. Die speziell entwickelte Doppeldüse gewährt als letzte Komponente den nebelfreien Auftrag. Für die effiziente Bedienung sind sinnvollerweise zwei Mitarbeiter erforderlich, einer, der die Farbe aufträgt, ein anderer, der mit der Walze nachrollt. Das Nachrollen ermöglicht ein gleichmäßiges Oberflächenbild sowie eine optimale Verbindung der Farbe zum Untergrund. 2004 wurde das neue System erfolgreich in den Markt eingeführt und überzeugt das Malerhandwerk bis heute: Je nach Objektgröße kann bei Beschichtungsarbeiten im Vergleich zur klassischen Rollbeschichtung bis zu einem Drittel der Zeit eingespart werden, was einen deutlichen Produktivitätsvorteil mit sich bringt.

Heutiger Standard

Inzwischen gehört die Nespri-TEC-Applikation mit all ihren Vorteilen zum Alltag in vielen Malerbetrieben. Nach Ansicht von Siegfried Heinz ist es für jeden Malerbetrieb extrem hilfreich, diese Technik zu nutzen. „Besonders Betriebe, die regelmäßig Fassadenflächen ab einer Größe von 200 bis 300 Quadratmeter bearbeiten, sollten auf diese Technik setzen, die auch bei Innenarbeiten überzeugende Vorteile bietet: Der Abklebeaufwand im Vergleich zur herkömmlichen Spritzapplikation reduziert sich deutlich, die Flächenleistung nimmt durch die rationellere Verarbeitung zu, und das Vermeiden des Spritznebels sorgt für ein sauberes Arbeitsumfeld. Für den Außenbereich bestätigt die BG BAU, dass bei der Verwendung von Nespri-TEC im Außenbereich keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen (z. B. Atemschutz) erforderlich sind. Ein weiterer Vorteil: Bei Fassadenbeschichtungen müssen parkende Autos, Gehwege oder angrenzende Gebäude nicht mehr aufwendig abgedeckt werden. Für Siegfried Heinz hat sich die Technik bewährt. „Wir hatten in den vergangenen 15 Jahren keinen Anlass, an der grundlegenden Technik etwas zu ändern. Bis auf kleinere technische Modifikationen aufgrund von Anregungen aus dem Malerhandwerk haben wir unser Augenmerk vor allem darauf gelegt, das Produktsortiment deutlich auszuweiten.“

Zum Start des Systems standen eine Fassadenfarbe, eine pigmentierte Grundierung und eine Innenraumfarbe zur
Verfügung. „Heute haben wir einen Großteil des Standardsortiments Nespri-TEC-fähig gemacht. Wir bieten mittlerweile neben der Grundierung vier unterschiedliche Fassaden- und drei Innenraumfarben an. Dazu gehören beispielsweise zwei Fassadenfarben auf Basis der innovativen Nano-Quarz-Gitter-Technologie, die Fassaden länger sauberhält und sich darüber hinaus durch höchste Farbtonbeständigkeit auszeichnet.“ Das System ist benutzerfreundlich und wenig wartungsintensiv. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil ist das wesentlich angenehmere und ermüdungsfreiere Arbeiten. Die Mitarbeiter müssen zum einen keine schweren Farbeimer mehr auf die Gerüste schleppen, zum anderen ist die Handhabung im Vergleich zum herkömmlichen Farbauftrag mit der Walze wesentlich ergonomischer und damit weniger anstrengend.
Das Airless-Gerät NesprayPRO, der universell einsetzbare Schlauchwagen NesprayKIT sowie die auf Airless-Applikationen spezifisch abgestimmten Caparol-Farben für die Außen- und Innenanwendung sind bundesweit beim Farbengroßhandel erhältlich. Nespri-TEC-Kunden bekommen mit dem Erwerb der NesprayTEC Anlage eine umfangreiche Unterweisung durch den Caparol-Anwendungstechniker vor Ort. Nähere Informationen sowie Prospekte und Hinweise auf Schulungsmöglichkeiten für Mitarbeiter interessierter Maler- und Stuckateurbetriebe hält die Caparol-Akademie bereit.

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