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Algen und Pilze – SG Weber

Malerblatt im Gespräch mit Christian Poprawa, Direktor Marketing Saint-Gobain Weber, zum Thema Algen und Pilze an der Fassade.

Malerblatt: Wie sieht man in Ihrem Unternehmen die Algenproblematik an der Fassade?

Christian Poprawa: Algen und Pilze an Putzfassaden sind ein zunehmendes, aber lösbares Problem. Der Bewuchs ist zwar in den allermeisten Fällen unschädlich für die Bausubstanz, beeinträchtigt aber das Erscheinungsbild. Wir begegnen der Problematik gelassen, da wir seit Jahren effektive Lösungen gegen Algen- und Pilzbewuchs anbieten.

Malerblatt: Welche Maßnahmen, Methoden oder Produkte empfehlen Sie, um Algenbewuchs zu verhindern beziehungsweise hinauszuzögern?

Poprawa: Vier Faktoren beeinflussen das Algen- und Pilzwachstum: das Klima, der Standort des Gebäudes, konstruktive Gegebenheiten und schließlich materialspezifische Eigenschaften. Auf veränderte Klima- und Umweltbedingungen haben die am Bau Beteiligten wenig Einfluss. Schwer zu beeinflussen sind auch standortspezifische Faktoren. In der Nähe zu Bächen, Seen oder in Nebelgebieten begünstigt der Feuchtigkeitsgehalt der Luft generell die Ansiedlung von Algen und Pilzen. In ländlichen Gegenden erhöht  zudem die Nähe zu Äckern und Wiesen zusätzlich den Sporendruck. Eine Maßnahme, durch die der Bauherr Einfluss auf die Ausbreitung von Algen nehmen kann, ist es, Bepflanzung in unmittelbarer Fassadennähe zu vermeiden, beziehungsweise für regelmäßigen Rückschnitt zu sorgen.

Planer sind gefragt, die konstruktiven Gegebenheiten optimal zu gestalten. So führt beispielsweise fehlender Fassadenschutz durch nicht ausreichende Dachüberstände zu einer erhöhten Feuchtigkeitsbelastung der Außenwand. Ungünstige Regenwasserführung bei Attikaabdeckungen ist ein häufiger Mangel bei Flachdächern und Dachterrassen. Immer wieder lässt sich auch eine vermehrte Anreicherung von Algen durch dauerhaften Feuchtluftaustritt über kontinuierlich gekippten Fenstern oder über Lüftungsrohren beobachten.

Eine entscheidende Rolle spielen außerdem materialspezifische Eigenschaften der Fassadenbeschichtung. Als Oberflächenbeschichtung empfehlen wir einen mineralischen Edelputz, insbesondere Edelputze der AquaBalance-Reihe. Diese hydrophilen, also wasserfreundlichen, Fassadenputze verzichten auf Biozide und sind daher ökologisch besonders vorteilhaft. Sie schützen auf Basis eines optimierten physikalischen Wirkprinzips: Die Oberfläche der Wassertropfen wird um ein Vielfaches vergrößert, so dass diese schneller verdunsten. Gleichzeitig wird Feuchtigkeit vorübergehend in feinste Kapillarporen des Oberputzes aufgenommen und nach und nach wieder abgegeben. Die Fassade trocknet schneller ab, Algen und Pilzen wird damit dauerhaft der Nährboden entzogen.

Malerblatt: Von welchen Faktoren sind diese Maßnahmen abhängig (Altbau/Neubau, Gedämmte/nicht gedämmte Fassaden, Gestrichene/ungestrichene Putze, …)?

Poprawa: Diese Maßnahmenvorschläge gelten für alle Situationen, sofern die Gegebenheiten ihre Durchführung erlauben.

Malerblatt: Was setzen Ihre Handwerkerkunden eher ein: Biozid freie oder Biozid haltige Produkte? Lässt sich das Verhältnis beziffern?

Poprawa: Pastöse Putze auf der Basis organischer Bindemittel sind leicht zu verarbeiten und verfügen daher am Markt über eine hohe Akzeptanz. Doch in Bezug auf die Algen- und Pilzproblematik sind ihre Eigenschaften alles andere als optimal. Als Schutz werden vielen organischen Fassadenputzen Biozide beigemischt, die das Algen -und Pilzwachstum beeinträchtigen. Dass Handwerker immer noch überwiegend auf Biozid haltige Produkte setzen, ist auch auf jahrelange einseitige Argumentation hinsichtlich hydrophober Putze zurückzuführen. Aber wir bemerken ein steigendes Bewusstsein unter Handwerkern, Planern und Bauherren. Alle Zielgruppen zeigen großes Interesse an den AquaBalance-Lösungen.


Malerblatt: Was ist im Umgang mit Bioziden zu beachten?

Poprawa: Der Einsatz von Bioziden an der Fassade sollte vermieden werden. Bei den so genannten bioziden Filmkonservierungen handelt es sich zumeist um eine Kombination von mehreren giftigen Wirkstoffen wie Diuron, Terbutryn oder Octylisothiazolin (OIT). Der entscheidende Nachteil beim Einsatz solcher Stoffe ist, dass diese wasserlöslich sein müssen, um ihre Wirkung zu entfalten. Daher werden die Biozide durch das Regenwasser mit der Zeit ausgewaschen. So verliert nicht nur die Oberfläche nach und nach ihre Schutzwirkung. Die ausgewaschenen Biozide sind auch eine gravierende Belastung für Grund- und Fließgewässer. Immer wieder kommt es zu Grenzwertüberschreitungen, obwohl der Einsatz der giftigen Stoffe, beispielsweise durch Verbote in der Landwirtschaft, gesetzlich immer weiter eingeschränkt wird. Doch auch innerhalb der Grenzwerte bleibt das Grundproblem bestehen: Da die Stoffe per se schädigend wirken, sehen Experten Risiken für sogenannte Nichtzielorganismen, zu denen auch der Mensch gehört. Einige Substanzen stehen sogar im Verdacht, krebserregend und erbgutverändernd zu sein. Selbst wenn wissenschaftlich noch nicht einwandfrei geklärt ist, in welchem Ausmaß schädliche Effekte tatsächlich auftreten, kann letztlich nur ein weitgehender Verzicht auf die ökologisch bedenklichen Biozide das Problem lösen.

Malerblatt: Bieten Sie Alternativen?

Poprawa: Mit unseren AquaBalance-Fassadenputzen bieten wir eine wirkungsvolle physikalische Alternative zu biozid eingestellten Putzsystemen. Die AquaBalance-Technologie greift das hydrophile Funktionsprinzip mineralischer Putze auf und verstärkt es. So bleiben auch organische Putze dauerhaft vor Algen- und Pilzbewuchs geschützt, ohne dass eine biozide Filmkonservierung zum Einsatz kommt. Anhaftende Wassertropfen werden auf der Fassadenoberfläche gespreizt und somit ihre Verdunstungsfläche erhöht – ähnlich wie bei einem Löschblatt. Gleichzeitig verfügen die Putze über eine ausgeprägte Kapillaraktivität, wodurch das Wasser von der obersten Putzlage gezogen und erst später, während der nächsten Trockenphase, wieder abgegeben wird. Algen und Pilzen wird damit auf natürliche Weise die Oberflächenfeuchtigkeit und damit die Lebensgrundlage entzogen. Saint-Gobain Weber bietet sowohl mineralische als auch organische Putze mit der AquaBalance-Technologie an.

Malerblatt: Welche sonstigen Aspekte sollte man bei der Algen- und Pilzproblematik beachten?

Poprawa: Wie oben (Frage 2) erläutert, ist eine Einflussnahme neben der Produktauswahl vor allem über konstruktive Maßnahmen möglich. Ist eine Fassade bereits veralgt, stehen verschiedene Sanierungsverfahren zur Auswahl. Einfaches Überstreichen des Befalls ist jedoch keine Lösung. Vorsicht ist vor allem bei wiederholten Dispersionsanstrichen auf WDV-Systemen geboten. Jede zusätzliche Materialschicht erhöht den organischen Anteil der Fassade und bietet damit Algen und Pilzen eine Grundlage. Das optimale Vorgehen bei einer Sanierung befallener Fassaden richtet sich nach dem Schädigungsgrad. Bei leichter bis mittelschwerer Schädigung genügt es in der Regel, den mikrobiellen Befall zunächst gründlich mittels Hochdruckwasserstrahl zu beseitigen und die Oberfläche anschließend mit einer strukturfüllenden, mineralischen Kratzspachtelung und einem Fassadenputz neu zu verputzen. Ein vorheriger Anstrich mit biozidhaltigem Reinigungskonzentrat ist dann in der Regel nicht notwendig. Bei starken Putzabplatzungen kann ein teilweises Abtragen des Putzes, zum Beispiel durch das patentierte Sanierungsverfahren weber.therm retec, sinnvoll sein. Durch Schachbrettschnitte werden zerstörte Putzflächen dabei herausgelöst und das System vor dem Wiederaufbau ausgetrocknet.

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