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Kirchenmaler als Beruf

Jörg Held, übt einen Beruf aus, der noch nichts an seiner Faszination auf ihn eingebüßt hat: Er ist Kirchenmaler.

Wenn Jörg Held von seiner Arbeit erzählt, dann leuchten seine Augen. Eindrucksvoll schildert er die vielfältigen Tätigkeiten, die ihm als Maler- und Lackierermeister, als Meister des Fassmaler- und Vergolderhandwerks und als staatlich geprüftem Farben- und Lackiertechniker im täglichen Leben begegnen.
„Das was ich jetzt mache, wollte ich schon als Kind“, verrät er lächelnd. Als Vorbild habe hier auch sein Vater gedient, der heute Geschäftsführer und Prokurist bei Steuernagel und Lampert ist. Ausschlaggebend war schließlich die sehr gute Zusammenarbeit mit einem Restaurator, nachdem er seine Gesellenzeit absolviert hatte.
Nach weiteren Gründen für seine Berufswahl gefragt, erklärt der 32-Jährige, dass er den anderen Umgang mit den zu renovierenden Objekten, aber auch mit den entsprechenden Ämtern, sehr schätze. „Dieser Wandel auf den Spuren der Vergangenheit ist so spannend“, beschreibt er seine Arbeitsmotivation. Das bedeutet, er entdeckt Dinge, die beispielsweise einfachen Besuchern einer Kirche verborgen bleiben. „Man findet immer wieder Neues. An den Wänden oder Decken der alten Gebäude war doch seit 30 bis 80 Jahren niemand mehr dran. Keiner hat sie farblich überholt, da der Renovierungszyklus in diesem Bereich sehr lang ist“, sprudelt es förmlich aus ihm heraus. Eine Begeisterung, die er als leitender Angestellter und einer von insgesamt fünf Meistern auch auf die ihm anvertrauten Lehrlinge überträgt.
Heute pflegt Jörg Held ein sehr gutes Verhältnis zum Landesdenkmalamt und ist „als Partner beim Kirchenbauamt anerkannt.“ Dieses bittet oftmals um seine Unterstützung – ein Ansatz, den es früher so eher nicht gegeben hat. Maler wurden nicht zu Themen wie zum Beispiel der Befundauswertung befragt. Aus diesem Grund führt Steuernagel und Lampert mittlerweile auch oft Arbeiten aus, die bis vor einiger Zeit eben nicht zum Spektrum eines Malerbetriebes gehört haben.
Trotzdem hat Jörg Held ein gutes Verhältnis zu den Restauratoren. Angst vor einer Berufsüberschneidung hat er nicht. „Miteinander ist immer viel besser als gegeneinander“, lautet seine Devise. Daher arbeitet er auch Gewerke übergreifend mit Holzbildbauern, Steinmetzen oder anderen Handwerkern zusammen, obwohl er die Trennung der handwerklichen Berufsbilder eigentlich schätzt, da sie den Grad der Spezialisierung erhöht.
Bei Steuernagel und Lampert sind aus diesem Grund auch Meister mit verschiedenen Schwerpunkten angestellt und es werden noch weitere gesucht. Man will sich durch breit aufgestellte Qualität von anderen Betrieben abheben und darüber hinaus die Hingabe zum eigenen Beruf „authentisch nach außen leben.“ Ein Vorsatz, der offensichtlich auch umgesetzt wird, denn an (Stamm-)Kunden mangelt es nicht.


Gute Geschäfte

„Grund zum Jammern wird es bei uns keinen geben“, berichtet Jörg Held zufrieden. „Momentan stecken die Menschen ihr Geld eben lieber ins eigene Haus statt in Aktiendepots.“ Sollte die Malerbranche jedoch zukünftig mit Problemen zu kämpfen haben, sieht er sich trotzdem gut gerüstet. „Unser Betrieb ist breit aufgestellt. Wenn ein Bereich wegbricht, gibt es immer noch einen anderen“, erklärt er. Und in seinem Bereich liegt etwas Unvergängliches – das Gold. Er habe sich nicht für das Edelmetall im Speziellen entschieden, beschreibt er diese Wahl. Dennoch übe Gold als Material natürlich auch auf ihn einen gewissen Reiz aus. „Trotzdem sollte man aber keinen zu großen Respekt davor entwickeln“, warnt er mit einem Grinsen im Gesicht, „sonst kann man nämlich nicht mehr damit arbeiten.“ Ihn selber beflügeln viel mehr die Arbeit und das daraus resultierende Ergebnis als Ganzes. „Das ist aber die schönste Baustelle seit Jahren“, hat vor einiger Zeit ein Denkmalpfleger zu ihm gesagt und ein Architekt sprach von seiner „außergewöhnlichen Arbeit.“ Das beflügelt. Auch wenn es mal wieder länger dauert und die Freizeit wegfällt. Schon seine Lehrlinge lernen, dass das verwendete Material, und nicht die Uhr, die Arbeitszeit bestimmt. Daher arbeitet Jörg Held Stunde um Stunde in alten Kirchen und versucht, ihren ursprünglichen Glanz möglichst originalgetreu wieder herzustellen.Begeistert spricht er von alten und extrem hochwertigen Orgeln, die unter seiner Hand wieder golden erstrahlen. Oder er zeigt begeistert seine Fotos, die er von solchen Orten aufgenommen hat. Lächelnde Engel, denen er ein neues Gesicht gegeben hat oder frische, schillernde Wände erscheinen dabei auf dem Bildschirm. Doch es sind nicht nur die Kirchen, die seine ruhige Hand brauchen. In Kunstschmieden oder alten Jugendstilvillen fallen immer wieder auch Vergoldertätigkeiten an. Gelegentlich kann dieses Handwerk sogar an Instrumenten ausgeführt werden. So brachte ein Kunde eine Harfe, die vergoldet werden sollte.

Manchmal führt sein Beruf Jörg Held aber auch an Orte, die er eigentlich lieber nicht betreten hätte, verrät er schmunzelnd. Darunter fällt auch eine zu restaurierende Familiengruft, in der Pilze aus den alten Särgen wuchsen. „Das war dann schon ein wenig sonderbar und eine Erfahrung der anderen Art. Glücklicherweise kommt so etwas nicht besonders häufig vor.“

Viel öfter beschäftigt sich der junge Mann mit den Lebenden und ihrem Umfeld. „Man kann mit Farbe viel Gutes aber auch viel Schlechtes anrichten“, erklärt er. „Farbtöne nehmen Einfluss auf unsere Umwelt und auch direkt auf uns Menschen. Daher sollte gut überlegt mit ihnen umgegangen werden.“ Aus diesem Grund verwenden die Maler bei Steuernagel und Lampert auch sehr gerne Trockenpigmente und Kalk und arbeiten sich eigene Farben heraus. Auf diese Weise wird jede gestrichene Wand zum farblichen Unikat. „Das Haus ist ein Ruheraum und deshalb müssen sich die Kunden nach den Malerarbeiten auch darin wohlfühlen.“ Ein Grund, warum Jörg Held die Farbwahl so wichtig ist. Was aber macht nun ein Mann, der sich den ganzen Tag um alte Objekte und das Wohlbefinden anderer bemüht, wenn er abends nach Hause kommt? Richtig, er arbeitet weiter am Wohlbefinden – aber diesmal an seinem eigenen. Ist Jörg Held also nicht für den Betrieb unterwegs, finden Sie ihn sicher in seinem liebevoll restaurierten alten Fachwerkhaus.

Dazu gehört auch seine Tätigkeit als Meister des Fassmaler- und Vergolderhandwerks, die er seinen Lehrlingen liebevoll nahe bringt. Fotos: S. Heinz, Steuernagel & Lampert

Simone Heinz
Quelle: Malerblatt 01/2009

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