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Wohnhochhaus, Freiburg

Nach einem gründlichen Facelifting erstrahlt das in den 70er-Jahren erbaute Wohnhochhaus in Freiburg in neuem Glanz.

Als Dipl.-Designerin Petra Ruhnau erstmals das Objekt besichtigte, präsentierte sich die Gebäudehülle farblich in Beige-, Grau- und Grüntönen. Dies war noch die ursprüngliche Farbfassung der Erbauungszeit. Damaliges Ziel war es, die Fassade camouflageartig in Naturfarben, sowie durch eine grafische Gestaltung mit abstrakten Baumsilhouetten zu tarnen. Das wuchtige Bauwerk sollte „unsichtbar“ erscheinen, auf gar keinen Fall betont werden.

Mittlerweile hat sich diese Sichtweise geändert. Auch wenn die Hochhausarchitektur der 70er-Jahre selten geliebt wird, so wird das Wegstreichen nicht als Lösung gesehen. Ganz im Gegenteil: Was nicht weg retuschiert werden kann, wird heute als Zeitzeugnis gesehen, optisch sowie energetisch aufgewertet und selbstbewusst in Szene gesetzt. Mit dieser Aufgabe befasste sich zunächst das Architekturbüro Schindler aus Waldkirch. Neue Hauseingänge, Treppenhausverglasungen und Fenster wurden in der Planung genauso vorgesehen, wie eine effektive Fassadendämmung.

Treppenhaustürme und Wohnbereiche gliedern die wuchtige Architektur vertikal und farbig akzentuiert. Dadurch wird die Orientierung durch die Betonung der Eingänge leichter.

Verstecken war gestern

In Absprache mit dem Architekturbüro erarbeitete Petra Ruhnau vom Caparol FarbDesign Studio zwei Farbkonzepte. Ursprünglicher Wunsch war eine warme, mediterrane Farbigkeit in erdigen, sandigen Nuancen kombiniert mit Ziegelrot und Ocker. Das zweite Konzept zeigt eine plakative, erfrischende Alternative. Ein Rot-Orangeton taucht auch in diesem Entwurf auf, ebenso helle Sandfarbtöne, allerdings kombiniert mit leuchtendem Maigrün und kühlen Blaunuancen. Das zweite Konzept überzeugte und wurde entwurfsgetreu realisiert. Die hellen Basisfarbtöne verleihen den einzelnen Baukörpern Leichtigkeit. Die farbigen Fassadenbereiche in Rot, Grün und Blau schaffen vertikale Unterbrechungen, die das Gebäude rhythmisch gliedern und charakterisieren

Die Farbgebung unterstreicht dabei unterschiedliche Funktionsbereiche wie Treppenhäuser und Wohnflächen, die in vor- oder rückspringenden Ebenen liegen. Verschiedene Gebäudehöhen prägen zusätzlich den lebendigen Eindruck und nehmen dem Komplex die Massivität. Die Farben der Eingangsfront korrespondieren auch mit der Rückseite der Wohnanlage. Hier sorgen die Balkone formal und farblich für ein spannendes, abwechslungsreiches Bild durch die kräftigen Akzentfarben sowie durch unterschiedliche Brüstungselemente.

Farbige Sockelzonen

Ein interessantes Detail sind die stark farbigen Sockelzonen. Das neue „leuchtende“ Outfit prägt die Wohnanlage markant und fördert die Wiedererkennung und Orientierung. Vorbeifahrende Passanten erkennen: Jetzt gelange ich in die Stadt! Die Hinlenkung geschieht durch die „städtische“ Farbigkeit. Für die Bewohner ist ein freundliches, einladendes und lebendiges Umfeld entstanden, das nebenbei durch die polychrome Farbigkeit auch als Spiegel der kulturellen Vielfalt der Mieter verstanden werden kann. Das Motto lautet: „Verstecken war gestern, Präsenz und Selbstbewusstsein sind heute.“

Farbige Sockel sind ungewöhnlich. Sie bringen etwas Verspieltes, Heiteres in die sonst strenge, geradlinige Architektur.

 

Martina Lehmann, Caparol
Fotos: Caparol
Quelle: Malerblatt 03/2014

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