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Auf den zweiten Blick

Farbe in Bestform
Auf den zweiten Blick

Nicht alles ist so simpel, wie es auf den ersten Blick erscheint. Grau ist nicht unbedingt grau und hinter einer großer Buntheit entfaltet sich tatsächlich buntes Campusleben. Kurz: der zweite Blick lohnt sich immer. Beispiele von Armin Scharf.

Im Hang

Was bietet sich in Bergregionen an, wenn der Platz immer enger wird? Richtig, man baut in den Hang hinein, zu besichtigen beispielsweise im graubündnerischen Örtchen Castasegna. Statt sich breit aufzustellen, bleibt der Körper des Einfamilienhauses zur Talseite hin schmal, längt sich aber nach hinten und dringt rückseitig in den Hang ein. Diese schlanke Erscheinung mit nur wenigen Öffnungen an der Fassade wird vom sehr rauen Putz dominiert, dessen Struktur an die Steinsockel der umliegenden Wirtschaftsgebäude erinnert. Der einlagige, manuell applizierte Putz besteht aus Kalkmörtel, Zement und groben Gesteinszuschlägen. Er akzentuiert die Idee der „Urform einer dicken Mauer“, wie die Architekten anmerken. Das bereits 2013 errichtete Gebäude erhielt dafür eine Anerkennung beim diesjährigen Architekturpreis von Caparol.

Sprechende Fassade

Der Erweiterungsbau des Kunstmuseums Basel spaltet die Gemüter – die einen sind voll des Lobes, die anderen monieren die graue Monumentalität mitten in der Stadt. Die Fassade, als monolithisches Mauerwerk konzipiert, besteht aus Lagen vor- und zurückspringender Backsteine, die den horizontalen Charakter des Baus unterstreichen – und ein durchaus interessantes Schattenspiel an Grautönen erzeugt. Interessant: Es gibt einen breiten, drei Meter hohen, umlaufenden Fries, der mithilfe von LED-Illumination neu interpretiert wurde. In den Fugen der Steinlagen befinden sich LED-Streifen. Von der Straße unsichtbar, beleuchten sie die Hohlkehle im darüberliegenden Stein. Die Reflexion erzeugt ein indirektes Licht, das zwar diffus ist, aber sich insgesamt so steuern lässt, dass der Fries zu einer Art Display wird. In jeder der 40 Fugen arbeiten 1306 Pixel, die jeweils aus vier LEDs bestehen. So kann sich die Fassade in eine subtil leuchtende, aktive Fläche wandeln – und Text oder freie Formen projizieren.

Bunter Campus

Normalerweise ist der Begriff „bunt“ unter Farbplanern verpönt, steht für die gedankenlose Kombination hoch gesättigter Bunttöne. Bunt aber kann auch mal erfrischend sein – zumal, wenn es um ein junges Quartier geht. Jung im doppelten Sinn, denn die Boeselburg in Münster ist für Studenten gedacht. Anstelle der alten Boeselburg aus den 1970er-Jahren errichtete das Studentenwerk ein neues Ensemble aus vier Blöcken, die insgesamt 18.000 Quadratmeter Wohnfläche bieten und damit die Raumnot in der Universitätsstadt lindern sollen. 535 Studierende finden nun Platz hinter gedämmten und in kräftigen Farben gefassten Bauten. Die Farbigkeit soll dabei den Bewohnern auch Identität vermitteln.

Scrabble für die Wand

Das Leibniz-Institut für Wissensmedizin (IWM) in Tübingen erforscht das Lehren und Lernen mit Hilfe digitaler Technologien. In der ehemaligen Frauenklinik der Universitätsstadt arbeiten etwa 80 Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen zusammen. Um sich in dem historischen, nun neu genutzten Gebäude zurecht zu finden, ließ man ein Orientierungssystem installieren. Ein Stuttgarter Büro entwarf ein System im Scrabble-Stil, passend zur Funktion des Gebäudes. Vertikal und horizontal aneinander gelegte Buchstaben zeigen dem Besucher den Weg zu seinem Ziel – eine Idee, die sichtlich mit einem Augenzwinkern daherkommt und die Digitalforscher immer wieder mit der analogen Welt konfrontiert.

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