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Meister in Form und Farbe 2015: Kreative Impulse

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Meister in Form und Farbe 2015: Kreative Impulse

Die Ausstellung „Meister in Form und Farbe 2015“ zeigte, wie kreativ der Beruf des Malers und Lackierers sein kann.

Wer sich für innovative Gestaltungstechniken interessiert, für den ist die Ausstellung „Meister in Form und Farbe“, die alljährlich in Karlsruhe stattfindet, eine wahre Fundgrube. Auch in diesem Jahr zeigten die jungen Meisterinnen und Meister wieder eindrucksvoll, wie kreativ der Beruf des Malers und Lackierers sein kann.

Rot gestrichenes Holz, das aussieht, als wäre es den Flammen gerade noch rechtzeitig entrissen worden, ein florales Gemälde aus unzähligen Pinselstrichen, das an die Kunst des Impressionismus erinnert und orientalische Ornamente, die auf einen vorgespannten transparenten Stoff schabloniert, Wände verzieren – das ist nur ein Ausschnitt dessen, was es bei der Ausstellung „Meister in Form und Farbe 2015“, die vom 27. Januar bis zum 1. März 2015 im Regierungspräsidium in Karlsruhe stattfand, zu sehen gab. Aber allein anhand dieser drei Beispiele ist klar: Ideen für die kreative Gestaltung, die weit entfernt ist von dem, was man „an jeder Ecke“ findet, konnte man in Karlsruhe reichlich sammeln.


Ausgezeichnete Arbeiten

Simone Feyer von der Schule für Farbe und Gestaltung in Stuttgart etwa schickte den Ausstellungsbesucher auf eine Zeitreise durch die Raumgestaltung des letzten Jahrhunderts. In drei Raumecken wurden Gestaltungsvorschläge für das Wohnen im Jugendstil, in den 70er-Jahren und in der Gegenwart gezeigt. Typische Muster, Farbigkeiten und Materialien der jeweiligen Epoche prägten die Wandgestaltungen. Um das jeweilige Ambiente noch zu unterstreichen hatte die junge Meisterin passende Bodenbeläge (Eichenparkett, Teppichschlinge und Betonboden) sowie Lampen im jeweiligen Stil dazu kombiniert. Gestalterisch ein rundum gelungenes Konzept, das durch die saubere Ausführung noch unterstrichen wurde. Das schien auch die Jury beeindruckt zu haben, die eine Auszeichnung an Simone Feyer verlieh.

Ebenfalls über eine Auszeichnung bei „Meister in Form und Farbe 2015“ freuen darf sich Kevin Höfer (Stuttgarter Schule). Er entwarf ein Gestaltungskonzept für das Reptilienhaus des Stuttgarter Zoos, der Wilhelma. Reptilmuster, die teils überspachtelt, teils lasiert oder gar vergoldet wurden, sind das zentrale Thema seiner Arbeit. Die erdfarbigen Techniken werden durch glatte Flächen in frischem Grün und grauen Modellierputz unterbrochen, was der Gestaltung einen natürlicheren, gleichzeitig aber modernen Charakter verleiht.


Außergewöhnlich war nicht nur die Formgebung an Ralf Mahnkes Meisterstück, sondern auch die Gestaltungstechnik. Er präsentierte eine Innenflächengestaltung für ein Yachthaus. Dessen Außenhaut wird durch eine dreidimensionale Oberfläche, die sich aus herausragenden und nach innen gewandten Dreiecken ergibt, geprägt. Diese Dreidimensionalität sollte im Innenbereich fortgeführt werden. Für die Oberflächengestaltung der 3-D-Innenwände entschied sich Ralf Mahnke für eine Putztechnik im Beton-Look, die sogar die betontypischen Lunker aufweist. Durch die Kombination mit einer Metallic-Lasur in Strichzugtechnik wirkt die Innenraumgestaltung schlicht und elegant. Die Jury vergab für Ralf Mahnkes Arbeit eine Auszeichnung.

Man könnte die Arbeit von Jonas Herzog (Stuttgarter Schule) lapidar als „Fleißarbeit“ abtun, doch damit würde man der beeindruckenden Gestaltung nicht gerecht werden. Für die Wände einer Whisky-Bar entwarf Herzog ein florales Gemälde aus unzähligen feinen Pinselstrichen, das in Bewegung zu sein scheint. Die Farbigkeit – Grüntöne wechseln sich mit Rot, Braun und Gelb ab – unterstreicht die Lebendigkeit. Die eher zurückhaltenden betonähnlich anmutenden Flächen und graue Wände mit dezentem Metallic-Glanz, die der frisch gebackene Meister zu dem Gemälde kombiniert, rangeln nicht mit dem Gemälde um Aufmerksamkeit, sondern erlauben ihm die Beachtung, die ihm gebührt. Die Auszeichnung, die Jonas Herzog von der Jury erhielt, dürfte für die Ausstellungsbesucher keine Überraschung gewesen sein.


Über eine weitere Auszeichnung konnte sich Fabian Schmidt (ebenfalls Stuttgarter Schule) freuen. Er lieferte Gestaltungsvorschläge für ein Feuerwehrgerätehaus. Da der große Saal des Gebäudes auch für private Feiern genutzt wird, sollte der Bezug zur Feuerwehr zwar erkennbar, gleichermaßen aber dezent und ansprechend sein. Fabian Schmidt meisterte diese Herausforderung problemlos. So erinnert eine Holzverkleidung, in rot-schwarzer Reißlacktechnik, an Holz, das leicht angebrannt wirkt. Durch die partielle Vergoldung verleiht Schmidt dieser Technik das gewisse Etwas.

Nicht weniger beeindruckend war die Lacktechnik, bei der schwarze Rauchschwaden über roten Lack zu ziehen schienen.

Selbstverständlich wurden nicht nur Meisterprüfungsarbeiten der Stuttgarter Schule ausgezeichnet. Auch die Arbeit von Sergej Labasov von der Badischen Malerfachschule Lahr kam bei der Jury gut an und wurde ebenfalls ausgezeichnet. Labasov gestaltete den Eingangsbereich eines Planetariums. Dass sich hier alles um Planeten und Co. drehte, war nicht weiter verwunderlich. Eine Relieftechnik erinnerte an die Oberfläche eines Planeten, die glühende Sonne wurde in Airbrushtechnik ausgeführt.


Gestalterische Vielfalt bei „Meister in Form und Farbe 2015“

Doch nicht nur die von der Jury ausgezeichneten Arbeiten machten einen Ausstellungsbesuch zu einem lohnenden Ereignis. Auch die übrigen Ausstellungsstücke waren allesamt auf sehr hohem Niveau und boten eine große Vielfalt an Gestaltungsideen.

Wie gestaltet man die Wände eines Jeansladens? Klar, mit Jeansfetzen, dachte sich Sonja Brendle von der Stuttgarter Schule. Wenn die Stoffe dann noch verschiedene Farbnuancen aufweisen und kreativ angeordnet sind, bilden sie einen tollen Hingucker.

„Welcome to the Jungle“, nannte Amir Ujkani von der Karlsruher Heinrich-Hübsch-Schule seine Meisterprüfungsarbeit. Im Mittelpunkt stand eine „aufgerissene Reptilhaut“, die aus Reptiltapete, Spachtelmasse, Farbe und blutrotem Lack entstanden war.

Im Stil der Skizzen eines Modedesigners präsentierte sich die Meisterprüfung von Timo Meindl (Stuttgart). Ein skizziertes Model, „bekleidet“ mit bordeauxroten Farbflecken, zierte eine Glasscheibe, die vor eine beigefarbene Putzwand montiert war.

Dass Raphael Rommel seine Prüfung in Stuttgart abgelegt hatte, ließen seine Wandflächen sofort vermuten: er hatte sich für die Gestaltung des VfB-Fanshops entschieden. So waren beispielsweise die Portraits bekannter Fußballspieler, wie etwa Jürgen Klinsmann oder Sami Khedira, in Malertechniken integriert worden.


Einen Hauch von 1001 Nacht verbreitete die Meisterprüfungsarbeit von Marc Seifert (Stuttgarter Schule). Für eine arabische Bar bemalte und vergoldete er transluzente Stoffbahnen mit orientalisch anmutenden Ornamenten und spannte diese vor mit Lehmputz beschichtete Wände.

Sehr bildhaft waren die Techniken in Carolin Spaths Meisterprüfung. Die Absolventin an der Badischen Malerfachschule Lahr gestaltete einen Messestand für die Organisation „Freiwilligendienst GmbH“ zum Thema Afrika. Aus verschiedenen Malertechniken schuf Carolin Spath Gemälde, die Szenen aus Afrika zeigten, wie beispielsweise Landschaften. Sie bediente sich dafür auch unkonventioneller Methoden und streute beispielsweise Naturmaterialien ein.

Wie die moderne Badgestaltung aussehen könnte, präsentierte Carina Dengler von der Stuttgarter Schule. Schlichtheit und gleichzeitig Eleganz strahlten die gewählten Techniken aus: eine Sandstrahltechnik auf Glas mit einem Baummotiv, die als Duschkabinenabtrennung fungieren könnte, kombinierte die Malermeisterin gekonnt zu einer mineralischen Putztechnik mit linearer Struktur in zurückhaltender Farbigkeit.

Vermutlich ebenfalls zur Sandstrahltechnik griff Ioannis Liakos (Stuttgarter Schule) bei der Gestaltung einer Bar. Allerdings führte er diese nicht auf Glas, sondern auf Holzbrettern aus. Dadurch ergab sich eine dreidimensionale Oberfläche. Durch die Vergoldung der erhabenen Stellen wurde das einst schlichte Holz zum Designobjekt.


Vergoldungen spielten auch bei Philipp Nonnenmann (Stuttgart) eine zentrale Rolle. Für die Innenausstattung eines Juweliergeschäfts entwarf er diverse graue Putztechniken (geschliffen, modelliert, gekämmt) und verlieh ihnen mit Blattmetallen den notwendigen Glanz.

Sommerlaune versprühte die Meisterprüfung von Jens Böhringer (Heinrich-Hübsch-Schule Karlsruhe). Für ein Surf Camp hatte er u.a. eine mehrfarbige Schabloniertechnik und eine Wassertropfen-Lacktechnik erstellt.

Tobias Haag, der seine Meisterausbildung in der Gewerbeschule Mosbach absolviert hatte, zeigte Vorschläge für die Gestaltung eines Wildparks. Hierfür kombinierte er z.B. eine Glättetechnik in Beige mit einem Strukturputz in Kupfer.

Bei den Meisterprüfungen, die an der  Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Ulm abgelegt worden waren, war die Imitation bzw. die Interpretation von Materialien in verschiedensten Ausführungen immer wieder anzutreffen. Yasin Yildiz präsentierte neben einer Maserierung eine großflächige Rosttechnik, die für die Gestaltung eines Eisenbahnmuseums entworfen worden war. Avni Peci dagegen schlug für die Gestaltung einer Bankfiliale eine Sichtbetonimitation vor und Sonja Zeller versah den Schriftzug einer Kunstgalerie mit verschiedenen Metallimitationen.

Susanne Sachsenmaier-Wahl


Meister in Form und Farbe 2015
Wie angebrannt: Holzverkleidung mit Reißlack für ein Feuerwehrhaus von Fabian Schmidt. Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Metallimitationen – verrostetes und blankes Eisen – auf einem Schriftzug für eine Kunstgalerie (Ausführung: Sonja Zeller). Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Die glühende Sonne: Airbrushtechnik von Sergej Labasov. Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Diese Kammzugtechnik mit partieller Vergoldung entwarf Philipp Nonnenmann. Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Dreidimensionale Wandgestaltung für ein Yachthaus im Betondesign (Arbeit von Ralf Mahnke). Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Aufgerissene Reptilhaut, gestaltet mit Malermaterialien (Arbeit von Amir Ujkani). Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Wandgestaltung wie aus dem Skizzenbuch eines Modedesigners: Glasmalerei von Timo Meindl. Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Jeans, Jeans, Jeans: Ausschnitt aus der Meisterprüfungsarbeit von Sonja Brendle. Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Ausschnitt aus einer mehrschichtigen Klebearbeit von Simone Feyer im Stil der 70er-Jahre. Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Florales Gemälde aus unzähligen Pinselstrichen von Jonas Herzog. Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Diese Sandstrahltechnik auf Glas kreierte Carina Dengler als Duschabtrennung für ein Bad. Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Ioannis Liakos machte sandgestrahlte Holzbretter durch Vergolden zur edlen Wandverkleidung. Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Sommerlaune pur: Gestaltungsvorschlag für ein Surf Camp von Jens Böhringer. Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Ein Hauch von Luxus: Ornament mit Vergoldung auf transparenten Stoffbahnen von Marc Seifert. Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Rosttechnik als Wandgestaltung für ein Eisenbahnmuseum von Yasin Yildiz. Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Gemälde mit afrikanischen Motiven von Carolin Spath. Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 
Meister in Form und Farbe 2015
Glättetechnik in Kombination mit Strukturputz in Kupfer (Arbeit von Tobias Haag). Foto: Susanne Sachsenmaier-Wahl
 
 

PRAXISPLUS

Meister in Form und Farbe ist ein Gestaltungswettbewerb mit Ausstellung und wird gemeinsam von den Meisterschulen Lahr, Mosbach, Reutlingen, Ulm, den drei Meisterschulen in Stuttgart, dem Landesinnungsverband Baden-Württemberg und dem Regierungspräsidium Karlsruhe veranstaltet. Eine landesweite zusammengesetzte Jury vergibt Auszeichnungen und ermittelt so die interessantesten Meisterstücke dieses Prüfungsjahr-ganges in Baden-Württemberg.

Wer auf der Suche nach weiteren kreativen Anregungen ist, wird vielleicht in den Beiträgen über den Gestaltungswettbewerb „Meister in Form und Farbe“ aus  den vergangenen Jahren fündig:

Meister in Form und Farbe 2007

Meister in Form und Farbe 2010

Meister in Form und Farbe 2011

Meister in Form und Farbe 2014

Meister in Form und Farbe 2015

Meister in Form und Farbe 2017

Meister in Form und Farbe 2018

Meister in Form und Farbe 2019

Meister in Form und Farbe 2020

Quelle: Malerblatt 05/15

 
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