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Vergolden 2: Poliment

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Vergolden 2: Poliment

Die Polimentvergoldung ist die edelste und traditionsreichste Vergoldungsart und benötigt große Erfahrung.

Die häufigste Anwendung findet sich bei christlichen Figuren und aufwendigen Bilderrahmen. Die Polimentvergoldung ist eine wirklich edle, aber auch handwerklich sehr aufwendige Technik. Sie wird ausschließlich im Innenbereich eingesetzt. Es entstehen matte oder glänzende, massiv wirkende Oberflächen. Grundsätzlich ist sie auf saugenden Untergründen wie auf mittelporigen, festen Holzarten, Span- und MDF-Platten, Gips oder Stuck möglich. Sie müssen saugfähig, trocken, staub- und fettfrei sein, bevor der erste Arbeitsschritt erfolgt. Glatte Flächen, wie sie bei MDF- oder Spanplatten vorkommen, werden aufgeraut. Die Polimentvergoldung entsteht in mehreren Arbeitsschritten. Sie beginnt mit dem Auftrag der Leimtränke, daran schließt sich der Aufbau des Kreidegrunds an. Als direkter Träger des Blattgoldes dient das Poliment.


Die Leimtränke

Die Leimtränke hat die wichtige Funktion, das zu vergoldende Werkstück mit der nachfolgenden Grundierung aus Kreidegrund zu verbinden. Sie muss der Saugfähigkeit des zu bearbeitenden Werkstückes angepasst werden. Zur Herstellung des Leims gebräuchlich sind heute Leimgraupen, Leimperlen oder Leimgries. Gute Qualität erkennt man an der Helligkeit und dem Quellverhalten des Rohstoffs. Verwendet werden sogenannte Glutinleime. Das sind wasserlösliche Leime, die aus Tierabfällen hergestellt und nach dem Ausgangsprodukt bezeichnet werden (Hautleim, Knochenleim, Fischleim).
Der Leim wird am besten mit der entsprechenden Menge kaltem, destilliertem Wasser in einem sauberen Glas angesetzt. Während des Quellvorgangs, der beispielsweise bei Graupen ungefähr bei drei Stunden liegt, sollte der Leim ab und zu umgerührt werden. Anschließend wird er im Wasserbad erwärmt, jedoch nicht auf mehr als 50 Grad Celsius, da er sonst seine Bindekraft verliert. Wegen des Erwärmungsvorgangs werden die Glutinleime auch als Warmleime bezeichnet.
Für den Auftrag sind eine optimal eingestellte Leimtränke, ein gut vorbereitetes Werkstück, eine konstante Arbeitstemperatur sowie ein sauberer Arbeitsplatz Grundvoraussetzungen. Die Leimtränke muss warm aufgetragen werden. Der Auftrag mit einem Borstenpinsel sollte zügig erfolgen, da die Tränke, wenn sie erkaltet, ihre Dünnflüssigkeit und damit ihre Eindringtiefe verliert. Sie wird leicht massierend in das Werkstück eingerieben und muss vom Untergrund komplett aufgesogen werden. Keine Pfützen!


Die Kreidegrundierung

Nachdem das Werkstück getrocknet ist, kann nun in mehreren Schichten Kreidegrund aufgetragen werden, meist eine Mischung verschiedener Kreidesorten, gebunden in Warmleim. Die Kreidemischung ergibt sich daraus, welche Technik der Verzierung und Vergoldung zum Einsatz kommen soll. Der Grundauftrag erfolgt in drei aufeinanderfolgenden Schritten: Stupfen, Anreiben und Ausgrundieren. Je nach Art der Bearbeitung und Werkstück werden von Karin Havlicek entsprechende Grundierungsaufträge empfohlen. Für ein glattes Rahmenprofil genügen zweimal stupfen, zweimal anreiben und zweimal ausgrundieren. Beim Stupfen wird der handwarme, relativ dickflüssige Kreidegrund mit einem runden Borstenpinsel auf das Werkstück aufmassiert und im Anschluss vertupft. Wichtig ist, den Kreidegrund nicht zu dick aufzutragen und das Material gut in den Untergrund einzumassieren. Durch das Stupfen entsteht eine vergrößerte Oberfläche, die dem anschließenden zweiten Grundierungsauftrag eine gute Verankerungsmöglichkeit bietet.
Auf das Stupfen folgt das sogenannte Anreiben. Der mit Leimtränke und Wasser verdünnte, handwarme Kreidegrund wird mit einem langhaarigen Borstenpinsel aufgetragen. Der Pinsel bleibt dabei immer in Kontakt mit der Fläche und es entsteht durch gleichmäßige wellige Pinselzüge – der Kreidegrund muss so stehen bleiben, dass man die Pinselstriche erkennt – eine belebte Fläche, die wiederum gute Kreidegrund-Verbindungsmöglichkeiten zur nächsten Grundierungsschicht bildet.
Mit dem Ausgrund, einem ebenfalls mit Leimtränke und Wasser verdünnten Kreidegrund, wird die dritte und letzte Grundierungsschicht hergestellt. Der Auftrag erfolgt mit einem weichen, langhaarigen Borsten- oder Haarpinsel „nass in nass“. Mit größtmöglicher Menge Kreidegrund im Pinsel wird das Werkstück überzogen. Auf einem Rahmen beginnt man dabei eher in der Mitte und zieht den Grund dann glatt nach außen. Die Vergoldemeisterin Karin Havlicek gibt in diesem Zusammenhang noch den Tipp, dass mit einem zusätzlichen Schuss handelsüblichem Alkohol (ca. fünf Prozent) das Fließverhalten optimiert werden kann.
Zusammenfassend ist beim Aufbau der Kreidegrundierung festzustellen, dass der Grundauftrag von Schicht zu Schicht dünner, die Leimkonzentration geringer und der Flüssigkeitsanteil höher wird. Zwischen allen Arbeitsgängen muss das Werkstück gut trocknen. Ist die Ausgrundierung abgeschlossen kann mit der weiteren Bearbeitung begonnen werden.


Das Poliment

Durch Schleifen der Grundierschichten wird eine hochfeine, glatte, gleichmäßig saugende Oberfläche erreicht. Schleifstaub muss sorgfältig entfernt, bei Falzen oder auf der Unterseite eventuell abgesaugt werden. Eventuelle Spuren von Handfett auf der Kreidegrund-Oberfläche lassen sich mit einem mit Ethanol benetzten, weichen Baumwolltuch abziehen. Bei der nun folgenden Polimentierung ist absolute Sauberkeit am Arbeitsplatz Grundvoraussetzung. Karin Havlicek empfiehlt für die beschriebene Kreidegrundoberfläche aus Weißgrund eine Mischung aus Polimentleim (hier Speisegelatine) und Bolus (gemahlene Tonerde, erhältlich bei Blattgoldherstellern). Das im Vorfeld hergestellte Poliment wird erwärmt (nicht über 50 Grad Celsius) und handwarm aufgetragen. Die klassischen Farben des Poliments für eine Glanzvergoldung mit Gelbgold sind Gelb und Rot. Der Aufbau erfolgt in der Regel mit zwei Schichten gelbem und darauf zwei Schichten rotem Poliment. Dabei sollte die Leimkonsistenz des gelben Poliments stärker sein, als die des roten.
Zwischen den Polimentaufträgen muss das Werkstück bei Raumtemperatur gut trocknen. Die dafür benötigte Zeit beträgt ca. 30 Minuten und darf nicht durch Anföhnen verkürzt werden, da sonst der Bolus spröde wird. Nach dem Polimentauftrag muss die Fläche gut trocknen und im Anschluss mit einer speziellen Bürste gebürstet werden. So wird die direkte Unterlage des Blattgoldes fein und dicht und die sich jetzt anschließende Netze trocknet nicht so schnell weg.


Die Vergoldung

Die perfekte Polimentvergoldung erfordert jahrelange Übung. Karin Havlicek empfiehlt bei Vergoldungen stets ein Musterstück parallel zu bearbeiten. Wichtig fürs Gelingen des Vergoldevorgangs ist ein heller, sauberer Arbeitsplatz. Eine Luftfeuchtigkeit von ca. 60 Prozent lässt sich mit Hilfe eines Wasserkochers erzeugen. Ebenfalls eine Maßnahme, damit die aufgetragene Netze nicht zu schnell trocknet. Die notwendigen Werkzeuge wie das Vergolderkissen, der passende Anschießer und das Vergoldermesser müssen bereitliegen. In einem sauberen Glas mischt man die Netze aus vier Teilen destilliertem Wasser und einem Teil Alkohol. Da Alkohol verdunstet, kann die Netze nicht über einen längeren Zeitraum aufbewahrt werden.
Das Blattgold wird auf die gut vorgenetzte Partie gelegt. Damit die Netze ablaufen kann, sollte ein Rahmen leicht schräg gestellt werden, z. B. mit einem Styroporklotz. Bei Holzfiguren arbeitet man von oben nach unten, damit die Netze nicht ins unpolierte Gold fließt. Die aufgetragene Netze aktiviert den im Poliment enthaltenen Leim und quillt ihn schwach an. Die Goldblättchen werden mit dem Anschießer etwa in der Mitte aufgenommen. Der Haarbesatz aus feinstem Fehhaar lässt sich dazu an der Wange elektrostatisch aufladen. Die zu vergoldende Partie muss genetzt werden und das Blattgold wird auf die feuchte Stelle aufgelegt. Der Weg vom Kissen zur Oberfläche sollte möglichst kurz sein. Dieser Arbeitsschritt wird als Anschießen bezeichnet, weil er nur den Bruchteil einer Sekunde benötigt. Für ein harmonisches Ergebnis, müssen die Blättchen möglichst mit gleichem Überschuss aufgelegt werden, was eine Planung der Vorgehensweise im Vorfeld erfordert.
Nach dem Trocknen der Netze kommt der schönste Teil der Arbeit. Das noch matt wirkende Blattgold wird mit einem Achat-Stein auf Hochglanz poliert. Der Vorgang ist abgeschlossen, wenn eine gleichmäßig glänzende Oberfläche entstanden ist. Wurden alle Arbeitsschritte sorgfältig ausgeführt, entsteht eine massiv wirkende Oberfläche, die den Betrachter immer wieder zum Staunen bringt.


Das Durchreiben

Schöne Effekte lassen sich mit dem Durchreiben erzielen. Ein feines Baumwolltuch, befeuchtet mit Alkohol, wird mit leichtem Druck z.B. in Längsrichtung des Profils über die Oberfläche geführt. Führt dies noch nicht zum gewünschten Effekt, kann als zusätzliches Hilfsmittel feines Bimsmehl verwendet werden. Damit wird partiell die Bolusfarbe wieder sichtbar gemacht. Durchreiben kann man auch mit anderen Hilfsmitteln wie Stahlwolle, Scotch-Schwämme oder Drahtpinsel, je nach gewünschtem Effekt.
Für eine Mattvergoldung wird bis zum zweiten Auftrag des gelben Poliments analog der Glanzvergoldung verfahren. Zusätzlich kann eine dritte Schicht gelbes Poliment aufgetragen werden. Dann wird mit Leimlösche (drei Teile Polimentleim, ein Teil destilliertes Wasser) ausgeleimt und nach der Trocknung wie oben beschrieben mit Blattgold angeschossen. Nach der Trocknung lässt sich das Gold mit einem weichen Pinsel herunterdrücken und wird mit purer Netze – auch Niederleimer genannt – überzogen. Ist das Gold fast trocken, drückt man es mit einem weichen Kalbsleder systematisch entgegen der Anschussrichtung fest.
Als Tipp gibt Karin Havlicek in ihrem Buch noch an, dem Niederleimer etwas gelben Bolus oder Eisenoxidgelb zuzugeben. Dies ergibt einen minimal anderen, unaufdringlichen Farbklang und lässt das Gold durch die Trübung der Lösung durchs Pigment noch matter erscheinen.

Susanne Wierse
Quelle: Malerblatt 02/2011

 

 

 

 

 


Polimentvergoldung
Auftragen der Leimtränke.

Polimentvergoldung
Aufstupfen des Kreidegrunds.

Polimentvergoldung
Anreiben des Kreidegrunds.

Polimentvergoldung
Ausgrundieren mit Kreidegrund.

Polimentvergoldung
Abziehen der Schlämme.

Polimentvergoldung
Auftrag des roten Poliments.

Polimentvergoldung
Entfernung letzter Partikel mit Schleifpapier.

Polimentvergoldung
Bürsten des Poliments.

Polimentvergoldung
Höhen und Glanzgoldpartien werden rot unterlegt.

Polimentvergoldung
Anschießen der Gehrung.

Polimentvergoldung
Das Blattgold wird vom benetzten Untergrund angezogen und benötigt nur einen Bruchteil einer Sekunde vom Pinsel bis zur Oberfläche.

Polimentvergoldung
Polieren der Goldoberfläche mit einem Achat. Fotos: Karin Havlicek

 

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