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Kreativtechnik: Metalleffekt-Oberflächen und Upcycling

Kreativtechniken im Steampunkstil
Metallisches Glitzern

Fasziniert vom Geist des viktorianischen Zeitalters entwickelte Margarita Vulfert Kreativtechniken für das Gestaltungsgenre „Steampunk“. Hier zeigt sie ihre  Kreativtechniken mit Metalleffekt  „Mr. Andrew Steel“ sowie „Mr. Anthonius Fish“.

Autorin | Fotos: Margarita Vulfert

Im Jahre 2011 begeisterte der Regisseur Paul Anderson mit einer Neuverfilmung des Klassikers „Die Drei Musketiere“ im Stil des viktorianischen Genres. Dampfbetriebene Flugschiffe begeisterten die Zuschauer und ließen die alten Legenden Dumas wieder neu aufleben. Die Walt Disney Studios leisteten ebenfalls ihren Beitrag und produzierten einen Zeichentrickfilm namens „Der Schatzplanet“. Mit ihm wurde die Steampunkwelt ins Weltall zu Aliens, Cyborgs und Robotern projiziert. Oberflächen mit Metalleffekt spielten in beiden Filmen eine gestalterische Rolle.

Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt des Genres entwickelte sich bei den Steampunk-Anhängern in der Kunstbranche. Sie arbeiten fast ausschließlich mit Upcycling-Materialien: Weggeworfenes findet Verwendung für etwas Neues, wird mit Liebe gesäubert, poliert, neugestaltet und ergibt ein Objekt von geheimnisvoller Schönheit und Mystik. Beide Aspekte – Oberflächen mit Metalleffekt und Upcycling – bildeten die Grundlage für die Entwicklung der Kreativtechniken „Mr. Andrew Steel“ sowie „Mr. Anthonius Fish“. Zum Einsatz kamen dafür Metallicwerkstoffe wie glitzernde Beschichtungsmaterialien, Blattmetalle und scheinbar wertlose Gegenstände wie alte Bodenbelagsreste.

Kreativtechnik Mr. Andrew Steel

Metall ist ein sehr vielseitiger und spannender Werkstoff. Feinster Schmuck lässt sich daraus herstellen, aber auch massive Gerüstkonstruktionen und Maschinen. Nieten halten hier zusammen und sind zudem hoch dekorativ. Inspiriert wurde die Werktechnik „Mr. Andrew Steel“ von einer alten Flugzeugkarosserie aus Aluminium. Die Kreativtechnik besteht aus geklebten und speziell gestalteten und auf Maß zugeschnittenen Polyvinylchlorid-Bodenplatten und modellierten Nieten. Diese Technik kann sowohl eine industrielle wie auch wohnliche Wirkung ausüben, ist sehr belastbar und langlebig. Als Basis wurden die Reststücke eines weggeworfenen PVC-Belages verarbeitet. Die Werktechnik erhält ihre metallische Struktur durch den Auftrag einer silbernen Acrylatfarbe und die anschließende Patinierung und damit künstliche Alterung.

Schritt-für-Schritt zum Metalleffekt

Als Erstes werden die PVC-Platten mithilfe eines Cuttermessers, eines Stahllineals und einer Schneideunterlage auf Maß zugeschnitten. Das Maß variiert nach Wunsch, sollte aber vorher festgelegt werden. PVC lässt sich relativ gut schneiden und am Ende an den Schneidekanten brechen. Anschließend ist notwendig, die Ecken an den Stoßkanten mit Schleifpapier abzurunden.

Nun wird der zu beklebende Untergrund, der staub- und fettfrei sein muss, vollflächig mit PVC-Kleber versehen. Hierzu wird eine Traufel der Zahnung A1 benötigt, um die notwendige Schichtdicke zu gewährleisten.

Der Kleber sollte etwas ziehen, bis er sich klebrig anfühlen, danach dürfen die zugeschnitten PVC-Stücke passgenau aufgelegt werden, wobei die abgerundeten Ecken alle in dieselbe Richtung zeigen sollten. Nach dem Verlegen der Platten werden alle Stöße von überflüssigem Kleber mithilfe eines Spachtels befreit. Nun sollte die Fläche gegebenenfalls über Nacht beschwert, oder falls diese senkrecht ist, mit einem mit Stoff verkleideten Brett angedrückt werden.

Nach der Trocknungszeit darf die Fläche nun mit einem Exzenter oder einem Schleifklotz der Körnung P180 angeraut werden. Leichte durchgeschliffene Stellen sind erlaubt, um der Oberfläche Ästhetik zu verleihen.

Nun kann der gesamte Untergrund mithilfe einer Lammfellwalze grundiert werden. Darauf darf die noch nasse Grundierung entweder mit einem breiten Pinsel oder je nach Bedarf mit einer Neoprenwalze verschlichtet werden. Auch nach dieser Beschichtung sollten die Stöße frei gemacht werden. Der Untergrund muss 24 Stunden lang trocknen.

Nach der Erhärtung, darf der Bodenbelag erneut mit derselben Körnung kurz angeraut werden, wobei das Durchschleifen vermieden werden sollte. Nun erfolgen drei Beschichtungen für den Metalleffekt mit einer silberfarbenen Acryl-Reliefpaste. Diese wird mit einer Neoprenwalze aufgebracht. Zwischen den Anstrichen sollte eine entsprechende Trockenzeit beachtet werden.

Die noch nassen Beschichtungen werden mit einer alten Kunstofftraufel oder je nach Bedarf mit einem breiten Pinsel in senkrechter Richtung leicht abgezogen, um einen geschädigten Plattencharakter zu schaffen. Auch hier müssen die Stöße gesäubert werden.

Nun werden mithilfe eines zurechtgeschnittenen gelochten Schleifpapiers und einem Spachtel Nieten modelliert. Sie geben der Oberfläche auch die Metalleffekt-Struktur. Das Schleifpapier an der gewünschten Stelle anlegen, mit dem Spachtel etwas Acrylpaste aufnehmen und am Schleifpapier abziehen. Unterlaufen ist erwünscht. Darauf werden die nassen Nieten mit einer leeren Kugelschreiberhülse punktuell mit einem Abdruck versehen, um der Niete Echtheit zu verleihen.

Nach der vollständigen Erhärtung werden die Stöße ausgemalt. Zum Einsatz kam hier eine Mischung aus einer schwarzen Metallic-Acrylfarbe und einer matten Lasur. Das noch übrige Beschichtungsmaterial wird auf der Oberfläche mit einem Haushaltslappen verrieben. Der Verbrauch kann nach Bedarf erhöht werden. Mit demselben Lappen kann nun die Oberfläche durch Tupfen verschlichtet werden. Der Untergrund muss über Nacht trocknen.

Als letzter Schritt erfolgt das Ansetzen einer Japanspachtel an allen waagrechten Stößen und Kanten, unter welchen großzügig die Lasur aufgetragen wird. Abschließend wird diese mit einer Sprühflasche zum „Laufen“ gebracht. Dieser Schritt verleiht der aluminiumartigen Technik den gealterten Charakter. Die Technik kann nun trocknen.

Kreativtechnik Mr. Anthonius Fish

Der Fisch zeigt sich im Steampunk als eine mit Dampf betriebene Maschine, leblos aber auch lebendig. Die Werktechnik „Mr. Anthonius Fish“ wurde inspiriert von den Steampunk-U-Boot-Fischen mit ihrer funkelnden Schuppenstruktur mit Metalleffekt, die in zahlreichen Romanen auftauchen. Die Werktechnik zeigt eine schuppenartige Oberfläche, welche mit einer metallischen Acrylfarbe beschichtet, mit Pailletten veredelt und mit einer Kupferpatina gealtert wurde. Der Fisch erhält damit ein industrielles Flair und metallisches Aussehen.

Verwendet wurde derselbe PVC wie für die Technik Mr. Andrew Steel. Für den Zuschnitt wird die Größe der Schuppen festgelegt und diese mithilfe eines Zirkels oder einer Schablone auf den PVC aufgezeichnet. Die Schuppen schneidet man am besten mit einer großen Schere aus. Mit einem Montagekleber können diese nun versetzt und leicht übereinander geklebt werden. Nachdem der Kleber erhärtet ist und die Schuppen fest sitzen, kann die Fläche mit einem Schleifpapier der Körnung P180 für eine bessere Haftung der Grundierung angeraut werden.

Für die Beschichtung der Oberfläche mit einer Grundierung ist es wichtig, einen breiten Pinsel zu nehmen und diesen entlang der Schuppen zu bewegen. So entstehen die gewünschten Materialstauungen. Anschließend werden die Schuppen bis zur vollständigen Deckkraft mit einer – in diesem Beispiel türkisfarbenen – Metallicacrylfarbe beschichtet.

Nach der vollständigen Erhärtung des Anstriches wird an die Stoßflächen der Schuppen Montagekleber aufgebracht, anschließend blaue sowie weiße Pailletten auf den Kleber gestreut. Es ist notwendig, diese für einen optimalen Halt anzudrücken und überschüssige Pailletten abzukehren.

Im Anschluss kann die gesamte Fläche mit einer schwarzen Lasur überarbeitet werden. Die Menge des Pigments in der Lasur ist ausschlaggebend für die Intensität der Farbigkeit. Bevor die Lasur getrocknet ist, wird sie mit einem feuchten Lappen abgetupft und somit egalisiert. Nach der Trocknung der schwarzen Lasur wird mit einem feuchten Microfasertuch eine Kupferpatina aufgetragen. Der Auftrag der verschiedenen Patinen altert die Oberfläche und sie erhält eine unverwechselbare Optik.


Foto: Margarita Vulfert

Zuschnitt der PVC-Platten auf Maß mithilfe eines Cuttermessers, eines Stahllineals und einer Schneideunterlage.


Foto: Margarita Vulfert

Mit demselben Lappen kann nun die Oberfläche durch Tupfen verschlichtet werden. Sie muss anschließend über Nacht trocknen.


Foto: Margarita Vulfert

Jetzt erfolgt das Ansetzen einer Japanspachtel an allen waagrechten Stößen. Hier wird großzügig Lasur aufgetragen.


Foto: Margarita Vulfert

Für die künstliche Alterung der aluminiumartigen Oberfläche wird die Lasur mit einer Sprühflasche zum „Laufen“ gebracht.


Foto: Margarita Vulfert

Auftrag des Klebers mit der Traufel (Zahnung A1). Danach dürfen die zugeschnittenen PVC-Stücke passgenau aufgelegt werden.


Foto: Margarita Vulfert

Nach der Trocknungszeit wird die Fläche mit einem Exzenter oder einem Schleifklotz der Körnung P180 angeraut.


Foto: Margarita Vulfert

Nach der Grundierung mit der Walze werden die Stöße frei gemacht und die Oberfläche nach der Trocknung (gleiche Körnung) kurz angeraut.


Foto: Margarita Vulfert

Nun folgen drei Beschichtungen mit einer silberfarbenen Acryl-Reliefpaste. Diese wird mit einer Neoprenwalze aufgebracht.


Foto: Margarita Vulfert

Als Schablone für die mit Acrylpaste modellierten Nieten dient ein zurechtgeschnittenes gelochtes Schleifpapier. Unterlaufen ist erwünscht!


Foto: Margarita Vulfert

Für die Struktur, wird punktuell auf die nassen „Nieten“ mit einer leeren Kugelschreiberhülse ein Abdruck aufgestempelt.


Foto: Margarita Vulfert

Nach der vollständigen Erhärtung werden die Stöße mit einer Mischung aus schwarzer Metallic-Acrylfarbe und einer matten Lasur ausgemalt.


Foto: Margarita Vulfert

Das noch übrige Beschichtungsmaterial wird mit einem Haushaltslappen verrieben. Der Verbrauch kann nach Bedarf erhöht werden.


Zur Autorin

Margarita Vulfert, 1993 in Russland geboren, wanderte mit zehn Jahren nach Deutschland aus und schloss ihre Schullaufbahn mit der mittleren Reife ab. Sie absolvierte die Ausbildung zur Malerin/ Lackiererin bei der Firma Knäpple GmbH in Sigmaringen und schloss diese mit einer Auszeichnung ab. Nach zweijähriger Tätigkeit als Maler/Lackierergesellin besuchte sie ab 2017 die Schule für Farbe und Gestaltung in Stuttgart. Der Abschuss zur staatlich geprüften Gestalterin und Malermeisterin erfolgte ebenfalls mit einer Auszeichung. Für ihre Abschlussarbeit erhielt sie außerdem den Dr. Murjahn-Förderpreis 2018.

Zurzeit ist sie bei der Petruv Farb- und Raumgestaltung in Hettingen als staatlich geprüfte Gestalterin und Malermeisterin beschäftigt.

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