Ein WDVS entspricht einem Fassadenaufbau mit Putzträgerplatte, wobei der Dämmstoff die Rolle der Trägerplatte übernimmt. WDVS sind fugenlos und schlagregendicht, aber durchlässig für Wasserdampf und Kohlendioxid. Sie schützen vor Wärmeverlusten, beseitigen Wärmebrücken und sorgen für mehr Behaglichkeit im Gebäudeinneren. Zudem schützen sie die tragende Gebäudekonstruktion vor der Witterung.

WDVS können nahezu auf allen massiven Untergründen, Mauerwerk oder Beton, verputzt oder unverputzt, eingesetzt werden. Grundbedingung ist, dass der Untergrund fest, trocken, fett- und staubfrei ist. WDVS sind zugelassen auf Plattenwerkstoffen im Holzbau und für die direkte Montage auf das Ständerwerk von Fertighäusern mit Holzunterkonstruktion. Eine Überbrückung von sich bewegenden, statischen Rissen im Untergrund ist nicht möglich, Gebäudedehnfugen sind in das Dämmsystem zu übernehmen! Um baurechtlich korrekt zu sein, dürfen in einem System nur dessen allgemein bauaufsichtlich zugelassene Komponenten verwendet werden: Bis zur in der jeweiligen Landesbauordnung definierten Hochhausgrenze können in der Regel Dämmplatten aus Polystyrol-Hartschaum angewendet werden, bei höheren Gebäuden kommen nichtbrennbare Systeme zum Einsatz – beispielsweise mit Dämmstoffen aus Mineralwolle oder Mineralschaum.
Gemäß der eingesetzten Armierungs- und Oberputze unterscheidet man organische und mineralische Systeme. Rein organische Systeme bieten den größten Widerstand gegen einen harten Stoß. Sie erreichen Stoßfestigkeiten von mehr als zehn Joule. Mineralische Systeme erreichen aufgrund ihrer geringeren Elastizität bei vergleichbaren Schichtstärken nur Stoßfestigkeiten zwischen zwei und drei Joule. Soll die Unempfindlichkeit gegenüber Stößen weiter gesteigert werden, sorgt bei organischen Systemen bereits eine Erhöhung der Unterputzdicke für Stoßfestigkeiten von 15 Joule – auch ohne teure Fasern.
WDVS unterscheiden sich zudem gemäß ihrer Befestigung: Auf einem geeigneten Untergrund können sie ausschließlich geklebt werden, hierfür kommen Polystyrol-Hartschaumplatten und Mineralwolle-Lamellen infrage. Weniger geeignete Untergründe erfordern WDVS, die sowohl geklebt als auch gedübelt werden. Diese kommen auch zur Anwendung, wenn die Statik der Systemaufbauten Dübel (und gegebenenfalls Schienen) verlangt.

Der deutsche Markt bietet über 100 verschiedene Dämmstoffe, die sich durch ihre Eigenschaften grundlegend unterscheiden. Dadurch kann sichergestellt werden, dass es für jede Situation und für jeden Kundenwunsch den passenden Dämmstoff gibt. Die wichtigste Eigenschaft eines Dämmstoffes ist seine Wärmeleitfähigkeit (oder λ-Wert, Wärmeleitzahl, Wärmeleitstufe). Daneben spielen eine Reihe anderer Charakteristiken eine Rolle: Wärmespeicherkapazität (sommerlicher Wärmeschutz), Wasserdampfdiffusionswiderstand und wasserabweisende Wirkung, Dichte, Baustoffklasse, ökologische Aspekte (Primärenergieinhalt und Entsorgung), Preis und Lieferform.

Hier finden Sie die wichtigsten Beiträge zum Thema Wärmedämmung:

Die Eigenschaften von Dämmstoffen und ihre Bedeutung für bestimmte Einbausituationen
Die Innendämmung als Alternative zum WDVS und zur Kerndämmung
Die fünf Grundsätze der nachträglichen Wärmedämmung
Die Dämmung von Kleinbauteilen in der Außenwand
Die Kerndämmung von zweischaligem Mauerwerk
Dämmung der obersten Geschossdecke und der Kellerdecke an
Dämmstoffe richtig entsorgen
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Akku-Dämmstoffsäge: Schnitte ohne Kabel
Dunkle farben auf WDVS
Interview: energetische Sanierung mit Wärmedämmverbundsystemen

Bei der Sanierung der Fassade in Hannovers Sonnenweg 9 wurde ein anspruchsvoller Materialmix umgesetzt. Bild: Sto SE & Co. KGaA
Fassade saniert mit Klinker und Putz

Materialmix bei der Fassadensanierung

Energetische Sanierung führt zur Einheitsarchitektur? Wie falsch dieses Vorurteil ist, will die Temps GmbH aus Neustadt a. Rbge. bei der Sanierung einer Wohnhausfassade in der Südstadt Hannovers belegen. Ziel des Bauherren war es, einerseits den Heizenergieverbrauch zu senken und andererseits das Gebäude optisch aufzuwerten. Das Architekturbüro…
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Beim Anbringen der Dämmstoffe machen Handwerker im wahrsten Sinn des Wortes Meter. Mit dem richtigen Zuschnitt-Werkzeug können Profis dabei doppelt effizient arbeiten.
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Teil 2

Ökologie der Wärmedämmung

Bei der Materialauswahl für eine Wärmedämmung spielen neben klimarelevanten Parametern auch gesundheitliche Aspekte eine Rolle. Von Kerstin Paschko Springen zu: Schimmelbefall » Schadstoffemissionen » Recycling » Zellulose » >> PraxisPlus << Vorbehalte bezüglich des Klimas können – wie im ersten Teil des Artikels –…
Teil 1

Ökologie der Wärmedämmung

Bei der Materialauswahl für eine Wärmedämmung spielen neben technischen und finanzielle Aspekte die klimarelevanten Parameter eine große Rolle.   Von Kerstin Paschko Springen zu: Primärenergiegehalt » Amortisation » Recycling » Zellulose » >> PraxisPlus << Wenn über klimarelevante Aspekte einer Wärmedämmung…

„Gesunde“ Baustoffe

Mehrere Novellierungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) mit ihren verschärften Vorschriften nötigen die am Bau Beteiligten, Häuser und Wohnungen mit immer geringerem Energiebedarf herzustellen.
Frage des Monats:

Untergrund für WDVS geeignet?

Die Frage einer Untergrundprüfung zur Erstellung eines WDVS ist verhältnismäßig einfach zu beantworten. Neubaugleiche Untergründe aus Mauerwerk ohne Putz nach DIN 1053 sowie Beton ohne Putz nach DIN 1045 sind geeignete Untergründe. Die Oberfläche der Wand muss selbstverständlich eben, trocken, fett- und staubfrei sein.
Frage des Monats: Glatte Wände und Deckenflächen
Frage des Monats

Worauf ist bei der Überarbeitung von WDVS zu achten?

Jahrzehntelange Erfahrungen zeigen, dass zugelassene und fremdüberwachte WDVS, die fachgerecht verlegt wurden, ihre Funktion über lange Zeiträume ordnungsgemäß bewahren. Der Witterung ausgesetzte Produkte auf Fassaden müssen teilweise extremen Belastungen standhalten. Worauf ist bei einem anstehenden Wiederholungsanstrich auf einem WDVS zu ach…

Dämmaspekte

Grundsätzlich gilt bei der Wärmedämmung, dass je schlechter die Wärme geleitet wird, desto effizienter ist die Dämmung. Je kleiner also der λ-Wert ist, desto besser ist der Dämmstoff.
Frage des Monats

Kann man Bestands-WDVS mit dunklen Farbtönen beschichten?

Fassaden sind erheblichen Witterungseinflüssen – wie Sonnenbestrahlung, Niederschlag, Luftfeuchte, Temperaturschwankungen, Frost usw. – ausgesetzt. Wird ein altes WDVS wegen Verschmutzung oder Neugestaltungswunsch überarbeitet, stellt sich unmittelbar die Frage der Farbgebung.
Frage des Monats

Planung und Ausführung der Sockelausbildung im WDVS-Bereich

Mangelhafte Sockelausbildung im WDVS-Bereich führt häufig zu Schäden, die hohe Sanierungskosten nach sich ziehen. Feuchtigkeit etwa, lässt Putz und Anstrich abplatzen. Der Aufbau der Sockelflächen sollte daher im Vorfeld exakt definiert werden. Wie wird die Sockelausbildung im WDVS-Bereich richtig geplant und ausgeführt?