Anwendungstechnik Malerblatt Wissen

Lehmputz

Lehmputze und -farben erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Diese wirken sich positiv auf das Raumklima aus.

Aus ökologischen und gesundheitlichen Gründen verlangen immer mehr Verbraucher nach Naturprodukten beim (Aus-)Bau ihrer Innenräume. Sie enthalten keine fogging-fördernden Substanzen (die das Phänomen der „schwarzen“ Wohnungen verursachen können), sind diffusionsoffen, sorptionsoffen sowie reversibel und wirken antistatisch.

Doch „nur“ ökologisch und gesundheitlich unbedenklich zu sein, reicht für einen modernen Baustoff nicht aus. Ein großes Augenmerk liegt heute außerdem auf den gestalterischen Aspekten eines Baustoffs. Und hier galten Lehmprodukte lange Zeit nicht als erste Wahl. Doch das hat sich längst geändert. Die heutigen Lehmprodukte bestechen nicht nur durch ihre leichtere Verarbeitbarkeit, sondern vor allem durch ihre Optik.

Welche Verarbeitungstechniken es für Lehmprodukte gibt und welche Vielfalt an Oberflächeneffekten sich damit erzielen lässt, hat Robert Schuh, ein Kenner der Lehmputz-Szene, in seinem Fachbuch „Lehmfarben Lehmputze – Kreative Gestaltungsideen Schritt für Schritt“ zusammengetragen. Einige Gestaltungsideen aus seinem Buch werden im Folgenden vorgestellt.


Lehmstreichputze

Spätestens seitdem sich der mediterrane Stil auch hierzulande großer Beliebtheit erfreut, sind Streichputze zu einem wichtigen Bestandteil der Innenraumgestaltung geworden. Durch die richtungslose Applikation mit der Streichbürste entsteht ein lebendiges, natürliches Bild, das durch die Verwendung mehrerer Farbtöne noch unterstrichen werden kann.

Dass Lehmstreichputze für ein natürliches Ambiente geradezu prädestiniert sind, erklärt sich von selbst. Das Material hält, was das Erscheinungsbild verspricht. Insbesondere wenn mehrfarbig gearbeitet werden soll, sind Lehmstreichputze eine gute Wahl. Um die beliebten „wolkigen“ Wände mit sanften Farbübergängen zu erzielen, sind mit herkömmlichen Silikat- oder Dispersionsprodukten in der Regel mindestens zwei Arbeitsgänge notwendig. Zunächst wird der Streichputz aufgetragen, der nach der Trocknung ein- oder mehrfarbig lasiert wird. Anders beim Lehmstreichputz: hier können zwei oder mehr verschiedenfarbige Streichputze nass in nass aufgetragen und ineinander verwischt werden. So lassen sich mediterran anmutende Flächen in nur einem Arbeitsgang herstellen.


Gestaltungsvarianten

Eine enorme Gestaltungsvielfalt bieten Lehmspachtelputze. Diese Putze enthalten eine sehr feine Körnung (bis zu etwa einem Millimeter). Die wohl am häufigsten angewendete Gestaltungsvariante ist die geglättete Fläche: der Lehmspachtelputz wird auf die Wand aufgetragen und sofort geglättet. Arbeitet man bei dieser Gestaltungsvariante zweilagig, lassen sich sehr ebene Oberflächen erzielen. Geglättete Lehmputze können sowohl ein- als auch mehrfarbig ausgeführt werden.

Wo eine absolut homogen gekörnte Oberfläche gewünscht ist, empfiehlt sich die Bürstentechnik. Hierfür wird der Spachtelputz in ein bis zwei Millimeter Schichtstärke aufgetragen und auf Kornstärke abgezogen. Mit einer leicht angefeuchteten Lasurbürste wird der noch nasse Putz dann sofort in kreisenden Bewegungen überarbeitet. Wichtig ist dabei, dass nicht zu viel Wasser verwendet wird und die Bürste nur mit leichtem Druck geführt wird, um ein Durchreiben zu vermeiden. Die im Putz befindlichen Körner werden durch das Bürsten herausgewaschen, was den typischen Effekt dieser Variante ergibt. Auch der Bürstenputz kann mehrfarbig ausgeführt werden. Durch die beim Verbürsten ausgelöste Lehmschlämme entstehen besonders weiche Farbübergänge.

Ebenfalls homogen gekörnt, jedoch wesentlich feiner, ist das Erscheinungsbild eines Lehmspachtelputzes, der nach dem Auftrag in Kornstärke mit einem Schwamm überarbeitet wird. Hierfür muss der Putz unbedingt angesteift sein und der Schwamm darf nur mit sehr leichtem Druck über die Fläche geführt werden, um ein Durchreiben des Putzes zu vermeiden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, führt den Putzauftrag zweilagig aus.

Deutlich rustikaler als bei den bisher genannten Varianten wirkt der Lehmspachtelputz, wenn er nach dem Auftrag mit der Kelle nach Belieben strukturiert wird. Bei dieser Gestaltungsvariante sollte immer zweilagig gearbeitet werden. Auf die erste getrocknete Putzlage wird eine zweite appliziert, die sofort strukturiert wird.


Aufwendigere Techniken

Effekte, die einer Kalkpresstechnik ähneln, erzielt man, wenn man Lehmspachtelputze verdichtet. Bereits die erste Putzlage sollte möglichst homogen ausgeführt werden. Mit der zweiten Putzlage wird die erste Lehmputzschicht wieder angelöst, wodurch die gröbsten Körner der zweiten Lage in die erste verpresst werden. Durch druckvolles Abglätten ergibt sich bereits eine relativ glatte Oberfläche. Wenn die zweite Lage gut angesteift ist, wird die Lehmschlämme mit einer weichen Bürste angelöst. Mithilfe eines Kunststoffglätters wird die Lehmschlämme so lange über die Fläche getrieben, bis alle sichtbaren Poren im Putz geschlossen sind.

Selbstverständlich können auch Glättetechniken mit Lehmprodukten ausgeführt werden. Hierfür sind spezielle Lehmglätten auf dem Markt. Als Untergrund dient ein Lehmfein- oder ein Lehmspachtelputz. Die Lehmglätte wird mit der Venezianischen Glättkelle oder der Japankelle richtungslos in kleinen „Flecken“ aufgetragen, deren Grate sofort abgeglättet werden. Wie andere Glättetechniken auch, ist auch die Lehmglättetechnik relativ aufwendig. Mindestens drei Schichten sollten ausgeführt werden. Unmittelbar nach dem letzten Auftrag wird so lange verdichtet, bis ein leichter Glanzgrad entsteht. Um den Glanzgrad weiter zu erhöhen, kann nach einer kurzen Trockenzeit mit einem Folienballen nachpoliert werden. Lehmglättetechniken können selbstverständlich auch mehrfarbig ausgeführt werden. Wie alle anderen Lehmputze sind auch Lehmglättetechniken reversibel und eignen sich daher nicht für den Spritzwasserbereich.


 

Lehmputze mit Zuschlägen

Sehr schöne Effekte lassen sich mit Lehmspachtelputzen erzielen, denen Zuschläge beigemischt wurden. Als Zuschläge kommen neben Stroh, Steinchen und Glimmer auch Holzspäne oder Vermiculit infrage. Die Zuschläge werden vor dem Anrühren des Putzes mit Wasser unter den trockenen Lehmputz gemischt. Da Lehmputz und Zuschlag aufeinander abgestimmt sind, sollten die Empfehlungen des Herstellers in Bezug auf die Zuschlagsmenge und die Verarbeitung genau beachtet werden.

Zunächst wird eine Lage des Lehmspachtelputzes im gleichen Farbton aber ohne Zuschlag aufgetragen. Nach der vollständigen Trocknung der ersten Putzlage wird der Lehmputz mit Zuschlag aufgetragen. Die Auftragsart richtet sich nach dem Zuschlag: Bei Stroh und Steinchen erfolgt er möglichst glatt und eben, bei Glimmer wird der Putz in kleinen Mengen gleichmäßig aufgeglättet. Sind dem Putz gröbere Zuschläge beigemischt, kann die zweite Lage nach Belieben strukturiert werden, etwa mit einem leichten Kellenschlag. Nach der vom Hersteller empfohlenen Trockenzeit wird die zweite Putzlage entweder mit einer Sprühflasche oder einer angefeuchteten Lasurbürste genässt und mit dem Kunststoff- bzw. Edelstahlglätter geglättet bzw. verdichtet. Die getrocknete Fläche wird abschließend maschinell geschliffen und gründlich entstaubt. Bei einigen Zuschlägen empfiehlt sich außerdem ein Wachsauftrag.


Schablonentechniken

Lehmputze eigenen sich, ähnlich wie andere Feinputze, auch für dreidimensionale Bordüren, Muster oder Ornamente. Dazu werden zwei verschiedenfarbige Lehmfeinputze benötigt. Die erste Schicht wird möglichst glatt und eben aufgetragen. Nach der Trocknung kann entweder eine Kunststoffschablone, die mehrmals benutzt werden kann (in der Regel bei Bordüren), oder eine Klebeschablone für großflächige Wandgestaltungen aufgebracht werden. Im Falle der Bordüre werden die ausgestanzten Teile mit einem andersfarbigen Lehmputz gefüllt. Bei der Klebeschablone wird die gesamte Wandfläche noch einmal überspachtelt, erst dann wird die Folie abgezogen. Während bei der Bordüre der zweite Farbton lediglich das Muster bildet, ist er im Falle der Folientechnik die spätere Hauptfarbe. Hier zeigt sich die erste Putzlage nur noch in den Ornamenten.

Natürliche Ästhetik

Der Einsatz von Lehmputzen ist längst nicht mehr auf die Denkmalpflege oder den Ausbau ausgesprochener „Ökohäuser“ begrenzt. Die Nachfrage nach Baustoffen, die einerseits ökologisch und gesundheitlich unbedenklich sind und zu einem angenehmen Raumklima verhelfen, andererseits aber ein hohes Maß an Ästhetik erfüllen, steigt stetig. Sowohl derjenige, der erste Erfahrungen im Umgang mit dekorativen Lehmputzen sammeln will, als auch der in Lehmtechniken erfahrene Handwerker, der auf der Suche nach neuen Gestaltungsideen ist, wird in Robert Schuhs Buch fündig werden.

claytec e.k., Viersen; Fotograf: Thomas Koculak, Mörfelden-Walldorf
G. Lemm GmbH, Voerde-Friedrichsfeld; Fotograf: Thomas Janik, Voerde
claytec e.k., ViersenFotos: Thomas Koculak, Mörfelden-Walldorf
G. Lemm GmbH, Voerde-Friedrichsfeld; Fotograf: Thomas Janik, Voerde
Lesando GmbH, Dettelsbach; Fotografin: Katja Krause, Würzburg
Susanne Sachsenmaier-Wahl
Quelle: Malerblatt 09/2012

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