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Corona-Maßnahmen der Politik geben dem Handwerk keine Sicherheit

Umfrage zur Corona-Pandemie
Maßnahmen der Politik geben dem Handwerk keine Sicherheit

Um die Corona-Pandemie in Deutschland einzudämmen, beschlossen Bund und Länder erstmals Mitte März 2020 weitgehende Einschränkungen für das öffentliche Leben. Seither ist fast ein Jahr vergangen, das vor allem KleinunternehmerInnen und Selbstständige vor große Herausforderungen gestellt hat.

Eine aktuelle Umfrage des Freiburger Softwareherstellers Lexware unter rund 5.650 Selbstständigen zeigt, welche finanziellen Auswirkungen die Pandemie auf UnternehmerInnen hat und wie die bisherigen Hilfen ankommen. Unter den Befragten waren auch 929 Handwerker:innen.

Wenn der Umsatz sinkt: Fast jede:r Dritte greift auf Altersvorsorge zurück

Das wirtschaftliche Resultat nach einem Jahr mit Corona? Auf den ersten Blick überraschend positiv: Rund 85 Prozent (84,9 %) der befragten UnternehmerInnen sind trotz Umsatzeinbußen aktuell noch zahlungsfähig. Das ergab eine aktuelle Lexware-Umfrage¹ unter 5.651 Selbstständigen, davon 929 HandwerkerInnen, im März 2021. Nicht allerdings ohne dabei auf private finanzielle Rücklagen zurückzugreifen. 30,5 Prozent der aktuell noch zahlungsfähigen Selbstständigen (Handwerk: 21,9%) gehen davon aus, in den nächsten 12 Monaten auf die für ihre Altersvorsorge vorgesehenen Ersparnisse zurückgreifen zu müssen. Rund jeder Neunte (10,9 %; Handwerk: 7,5%) rechnet sogar damit, binnen eines Jahres die Selbstständigkeit komplett aufgeben zu müssen.
Ein Grund dafür sind die Umsatzeinbußen: Jeder fünfte Selbstständige (19,8 %) verzeichnet einen monatlichen Umsatzrückgang von über 75 Prozent. Bei HandwerkerInnen liegt der Anteil mit 7,8 Prozent darunter, während er in den vom Lockdown besonders betroffenen Branchen sogar deutlich darüberliegt (Gastronomie: 58,1 %). Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 waren die Einbußen im Handwerk deutlich höher als jetzt: 34,4 Prozent verzeichneten damals einen Umsatzrückgang von über 75 Prozent. Das zeigen Daten einer Umfrage² aus dem letzten Jahr. Jessica Dörr, Schneiderin aus Kandern im Markgräflerland, die einen Laden mit eigener Nähwerkstatt betreibt, sagt nach einem Jahr Pandemie: „Ich habe Glück, dass ich in meinem Geschäft Produkte verkaufe, in die jetzt investiert wird: Schöne Stoffe und Accessoires, um sich das Zuhause zu verschönern. Da die Menschen gerade viel zuhause sind, wollen sie es sich schön machen. Doch inzwischen merke auch ich, dass die Pandemie sich zieht und muss trotz Hilfen inzwischen auf meine privaten Ersparnisse zurückgreifen.“ Damit gehört Dörr zu den 37,7 Prozent der HandwerkerInnen, die durch die Krise auch private finanzielle Einbußen hinnehmen müssen.

Weiterhin zu spät und wenig hilfreich: Note 3,9 für Corona-Hilfen

Mit Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 bietet die Regierung Selbstständigen unterschiedliche staatliche Hilfen zur Unterstützung an. Als hilfreichstes Instrument zur Schadensbegrenzung gilt dabei das Kurzarbeitergeld, das am häufigsten mit der Note sehr gut (11 %) oder gut (8 %) bewertet wurde. In Summe scheint die staatliche Unterstützung für Selbstständige aber eher ernüchternd zu sein: So bewerten alle Befragten, die mindestens eine staatliche Hilfsmaßnahme beantragt haben, die angebotenen Hilfen durchschnittlich mit Note 3,9. Ein wenig überraschendes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass über die Hälfte der Befragten die staatliche Corona-Hilfen bis dato noch gar nicht oder nur teilweise erhalten hat (57,3 %). Allein die Novemberhilfe hat 47,2 Prozent der Befragten noch nicht oder nur teilweise erreicht³. So auch bei Jessica Dörr. „Im Frühling 2020 hat die Abwicklung sehr gut funktioniert. Aktuell läuft es eher zäh. Die zu beantragenden Hilfen für die Monate Januar und Februar werden noch vom Steuerberater geprüft. Mein Mitarbeiter, der zu 50% in Kurzarbeit ist, hat noch keinerlei zusätzliche Zahlungen erhalten“, so Dörr.

Um dennoch weiterhin zahlungsfähig zu bleiben, haben UnternehmerInnen im vergangenen Jahr einige praktische Maßnahmen ergriffen – 15 Prozent der Handwerker:innen haben ausstehende Rechnungen geschrieben, jeweils 11 Prozent Kurzarbeit eingeführt und Eingangsrechnungen später bezahlt. Das Fazit lautet: Rund 2 von 3 Befragten (63 %; Handwerk: 64%) sind der Ansicht, dass es der Politik weitestgehend nicht gelungen sei, mit ihren Maßnahmen wirtschaftliche Sicherheit zu vermitteln. In einer vergleichbaren Befragung⁴ während des ersten Lockdowns im April 2020 sagte das jede:r zweite (51,3 %) Selbstständige. Somit ist der Anteil binnen eines Jahres um rund 24 Prozent gestiegen. Nur eine:r von 13 Selbstständigen (13,2%; Handwerk: 10,6%) ist hingegen der Meinung, die Vermittlung wirtschaftlicher Sicherheit sei der Politik eher schon oder vollkommen gelungen – 2020 waren dieser Überzeugung noch 25,8 Prozent und somit knapp doppelt so viele.

Neben der schleppenden Auszahlung zugesagter Hilfen ist ein weiterer möglicher Grund für die geringe Zufriedenheit mit den staatlichen Maßnahmen die Tatsache, dass Selbstständige sich gegenüber Angestellten benachteiligt fühlen: 67,3 Prozent sehen sich insgesamt eher oder viel schlechter  gestellt. Vor einem Jahr sagten das mit 41 Prozent deutlich weniger, während sich ebenso viele (39,9 %) sogar eher oder deutlich besser gestellt sahen. Dieser Anteil liegt 2021 nur noch bei 5,3 Prozent.

Wandel durch die Krise: Neue, digitale Geschäftsmodelle

Bei allen Herausforderungen und existentiellen Unsicherheiten gibt es einen positiven Aspekt der Krise: Die dringend notwendige digitale Transformation und Flexibilisierung von KMU hat an Fahrt aufgenommen. 16,6 Prozent der befragten Selbstständigen haben die Krise zum Anlass genommen, ihr Angebot, ihr Geschäftsmodell oder ihre Zielgruppe anzupassen. Gegenüber 2020 hat sich unter diesen der Anteil der Unternehmen verdoppelt, die angeben, dass sie Änderungen an ihrem Business dauerhaft vornehmen: von 10,2 Prozent 2020 auf 22,9 Prozent 2021.
Auch im Bereich der Digitalisierung hat die Krise eine Katalysatorfunktion eingenommen: 46,2 Prozent geben an, dass sich der Digitalisierungsgrad in mindestens einem der Bereiche Produkte/Dienstleistungen, interne Geschäftsprozesse und Kundenberatung/Vertrieb erhöht habe. Im April 2020 sagten das 31 Prozent der Befragten. Am häufigsten wurden im Handwerk interne Geschäftsprozesse digitalisiert, das gaben 27,5 Prozent der Handwerker:innen an (Selbstständige insgesamt: 30,5%). Der Grad der Digitalisierung bei der Kundenberatung/dem Vertrieb hat sich bei 23,2 Prozent erhöht (Selbstständige insgesamt: 24,4%), bei Produkten


¹ Die Umfrage wurde vom 22.02.2021 bis 03.03.2021 online durch das Softwareunternehmen Lexware unter 5.651 kleinen und mittleren Unternehmen und Selbstständigen, die Lösungen von Lexware oder lexoffice nutzen, durchgeführt.
² Corona-Umfrage 2020 vom Verband der Gründer und Selbstständigen (VGSD), dem ZEW Mannheim und dem Forschungszentrum Mittelstand an der Universität Trier in Zusammenarbeit mit Lexware unter 27.261 Selbstständigen; Befragungszeitraum: 07.04.2020 bis 04.05.2020
³ Stand 3. März 2021
⁴ Corona-Umfrage 2020 vom Verband der Gründer und Selbstständigen (VGSD), dem ZEW Mannheim und dem Forschungszentrum Mittelstand an der Universität Trier in Zusammenarbeit mit Lexware unter 27.261 Selbstständigen; Befragungszeitraum: 07.04.2020 bis 04.05.2020

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