Anfang November fand in Ober-Ramstadt der 13. Caparol-Werkstofftag statt.

Das Fachwerk unter der Lupe

Susanne Sachsenmaier-Wahl

Auch in diesem Jahr ließ es sich Caparol-Chef Dr. Ralf Murjahn nicht nehmen, die rund 120 Teilnehmer des Werkstofftags, allesamt Fachleute aus dem Maler- und Stuckateurhandwerk, persönlich zu begrüßen. Holger Haring, Ausschussvorsitzender Technik Werkstoff Umwelt im Hauptverband des Malerhandwerks, sorgte gleich zu Beginn für Entrüstung im Publikum, als er an eine im Jahr 1993 geführte Generaldebatte zum Thema Fachwerk erinnerte. Diese wurde damals ausgelöst, weil die Boulevardpresse den Maler als den Vernichter des Fachwerks darstellte. Die häufig zu dichten Anstriche seien die Ursache für die Zerstörung des Fachwerks. Haring hoffte, dass der diesjährige Werkstofftag neue Erkenntnisse im Umgang mit Fachwerkgebäuden bringen werde.
Franz Xaver Neuer, Technischer Leiter bei Caparol und Moderator des Werkstofftags, betonte, dass es in diesem Forum nicht ausschließlich um die denkmalgeschützte Sanierung gehe, sondern auch zeitgemäße Themen, wie etwa Dämmmöglichkeiten bei Fachwerkgebäuden, diskutiert werden sollen.
Michael Eichler, Landesinnungsmeister des Landesverbands Sachsen, der mit einer Einführung in das Thema Fachwerk aus der Sicht des Handwerkers beauftragt worden war, lud das Fachpublikum gleich zu Beginn seines Vortrags zum Nachdenken ein: „Muten wir Maler dem Fachwerk mit unseren Beschichtungen manchmal zu viel zu?“ Er verwies in diesem Zusammenhang auf unbeschichtete Holzbauten, die teilweise noch sehr gut dastünden. Sein Resümee für den Holzschutz: „So viel wie unbedingt nötig, so wenig wie irgendwie möglich.“ Entscheidend für ein intaktes Fachwerk sei aber der konstruktive Schutz. Er plädierte deshalb dafür, die traditionelle Bauweise wieder stärker in den Fokus zu rücken.
Auch Uli Thümmler, der ein Ingenieurbüro für Holzbau und Bauwerkserhaltung führt und mit Fachwerksanierungen vertraut ist, betonte, dass man beim Fachwerk nicht nur die Oberfläche beachten solle, sondern das gesamte Bausystem. Wichtig sei vor allem die richtige Auswahl des Holzes für ein Fachwerk. Sehr anschaulich war sein Vergleich von Holz mit einem Bündel Strohhalme. So verhalte sich das Bündel in Längsrichtung völlig anders hinsichtlich der Wasseraufnahme sowie der Druck- und Zugbelastung als in Querrichtung. Dasselbe gelte für Holz und müsse bei der Auswahl beachtet werden. Holzzerstörende Insekten finde man vorrangig im weicheren Splintholz, nur selten dagegen im harten Kernholz. Auch die erforderliche Holzfeuchte könne nicht generell mit 18 Prozent angegeben werden. So müsse bei einer Sanierung an einer Südseite im Sommer sicherlich eine geringere Holzfeuchte gewählt werden, um einen späteren Schaden zu verhindern. Franz Xaver Neuer fasste Thümmlers Ausführungen so zusammen: „Optisch kann ich sehr schnell ein gutes Bild zimmern, aber wenn drunter der Wurm drin ist, funktioniert’s halt nicht!“
Konkrete Tipps zur Fachwerk-sanierung gab Dr. Christian Brandes, bei Caparol zuständig für die Baudenkmalpflege. Als Hauptschadensursache bei Fachwerkbauten nannte Dr. Brandes die Feuchtigkeit. Durch nicht vorhandene oder zu niedrige Sockel sowie ein fehlendes Gefälle an denselben, komme es häufig zu Staunässe an der Schwelle, also dem untersten Balken des Fachwerks. Offene Holzverbindungen und klaffende Anschlussfugen durch zu feucht eingebautes Holz seien ebenso schädlich für das Fachwerk wie nicht nach außen angeschrägte Gefachputze. Breite wasserführende Risse seien mit Holzleisten auszuspänen und mit geeigneter Holzreparaturmasse zu schließen. Von Acryldichtstoffen und Acrylspachteln riet er hierfür ab. Caparol habe eigens hierfür die „Histolith Sanopas Holzrisspaste“ im Programm. Diese leinölgebundene, faserverstärkte Masse sei hochelastisch und besitze eine dauerhafte Flankenhaftung. Zur anschließenden Beschichtung des Holzes haben sich laut Dr. Brandes sogenannte Wetterschutzfarben (Holz-Dispersionsfarben) und Leinölfarben bewährt. Für die Putzausfachungen empfehlen sich Kalk- und hydraulische Kalkputze. Kalk-Zementputze seien dagegen zu spröde.
Jürgen Gänßmantel vom gleichnamigen Ingenieur- und Sachverständigenbüro betonte noch einmal die Wichtigkeit des Feuchteschutzes bei Fachwerkgebäuden. Bei hoher Schlagregenbelastung sei ein Sichtfachwerk schlichtweg nicht sinnvoll. Stattdessen sei hier das Bekleiden oder Verputzen der Fassade angeraten. Eine Außendämmung etwa biete neben dem Wärmeschutz auch einen geeigneten Schlagregenschutz. Wo ein Sichtfachwerk möglich ist, der Wärmeschutz aber dennoch verbessert werden soll, bleibe die Möglichkeit der Innendämmung. Allerdings müssten die Dämmstoffe zum einen diffusionsoffen sein, zum anderen hohlraumfrei verklebt werden, was beim Fachwerk nicht ganz einfach sei. Der klassische Wärmedämmputz sei daher für ein Fachwerkgebäude geradezu prädestiniert.
Einen Ausblick auf innovative Dämmstoffe gewährte Dr. Engin Bagda, Leiter des Dr.-Robert-Murjahn-Instituts. Er erläuterte die Wirkungsweisen verschiedener Dämmstoffe, wie etwa grauer EPS-Platten, Polyure-thandämmstoffe (PUR) oder Vakuumisolationspaneele (VIP). Oliver Berg, Leiter Fassaden- und Dämmtechnik bei Caparol, sprach schließlich über die Praxistauglichkeit von PUR und VIP. Beide Dämmstoffe seien seiner Meinung nach, was die Verarbeitung angehe, noch nicht ausgereift. Caparol arbeite derzeit daran, diese Dämmstoffe baustellentauglich zu machen. Er präsentierte erste Studien, bei denen PUR und VIP sandwichartig mit EPS kombiniert sind.
An die Vortragsreihe schlossen sich am Nachmittag drei Workshops mit praktischen Vorführungen an, in denen das Publikum nicht nur Gelegenheit hatte, Fragen zu stellen, sondern die Werkstoffe auch selbst ausprobieren konnte.
Auch wenn am Ende des Werkstofftags nicht alle Fragen zur Fachwerksanierung beantwortet waren, konnte man doch wieder einige Tipps und Neuigkeiten mit nach Hause nehmen.

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