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Dämmen mit Stroh - Benediktinerabtei Plankstetten

Benediktinerabtei Plankstetten
Mit Stroh gedämmt

Dämmen mit Stroh
Die Wandelemente wurden in der Zimmererwerkstatt vorgefertigt. Insgesamt 2.500 Strohballen von den nur 1,5 Kilometer entfernten Feldern sorgen für höchsten Dämmstandard. Foto: Lorenz Märtl

Dämmen mit Stroh: Erneuerbare Baumaterialien schonen Ressourcen und schützen das Klima. Die Benediktinerabtei Plankstetten nutzte für ihren Neubau neben Holz auch Stroh und Lehm.

Autor: Achim Pilz | Fotos: Lorenz Märtl

Die Benediktinerabtei Plankstetten wurde 1129 als bischöfliches Eigenkloster gegründet und ist heute ein herausragendes Zeugnis abendländischer Klosterbaukunst. Die romanische Klosterkirche und die barocke Klosteranlage sind Bauwerke von nationaler Bedeutung. Das Motto des Klosters ist „Leben im Einklang mit der Schöpfung Gottes und aus dem Ursprung“.

Deshalb entschieden sich die Mönche beim jüngsten Erweiterungsbau St. Wunibald mit 30 Einzelzimmern mit Dusche/WC für Gäste, einem Kindergarten und Räumen für die Pfarrverwaltung für besonders nachhaltige Baumaterialien. Die Konstruktion des 2022 fertig- gestellten Neubaus ist aus Holz, die Dämmung der Zwischenwände aus Hanf und die Wärmedämmung aus Stroh, das mit Lehm verputzt wurde. Außenwände und Dach bestehen aus Holzrahmen, in welche die Mitarbeiter der nahen Zimmerei Holzbau Bogner Strohballen pressten. Für die Strohdämmung im Passivhausstandard kamen insgesamt 2.500 Strohballen von den nur 1,5 Kilometer entfernten Feldern des Klostergutes zum Einsatz. Mit drei strohgedämmten Geschossen ist das Gebäude das größte seiner Art in Süddeutschland.

Dämmen mit Stroh

Die Ökobilanz von Stroh ist hervorragend. Mit der Energie, die für die Herstellung eines konventionellen Massivbaus benötigt wird, kann man einen Strohbau errichten und 69 Jahre beheizen (Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V., www.fnr.de, „Strohgedämmte Gebäude“). Mit dem regional verfügbaren Nebenprodukt des Getreideanbaus wird deshalb zunehmend gebaut, mittlerweile bauaufsichtlich geregelt. In Deutschland ist es seit 2006 als Baustoff zugelassen, in Frankreich schon etwas länger. Inzwischen gibt es dort ca. 3.000 öffentliche und private Gebäude wie ein achtgeschossiges Wohnhaus, Kindergärten und Schulen. Im übrigen Europa sind es mittlerweile über 1.200 Gebäude (auf einer Karte dargestellt: www.strawbuilding.eu/strawbale-houses-europe).

Auch das Holz für die Konstruktion, die Böden und die Fassadenschalung kam aus dem klostereigenen Forst. Die Schalung ist mit einer ökologischen Leinölfarbe von „Steinmeyer Naturfarben“ gestrichen. Die Böden wurden für ein naturnahes Bild des Holzes und einen guten Geruch mit einer Lauge behandelt.

Lehm auf Stroh

Beim Haus St. Wunibald verputzte die Firma Berschneider aus Velburg 540 Quadratmeter Wandfläche mit Lehm. Für ein gesundes und angenehmes Raumklima erhielten die Innenwände der Gästezimmer einen dicken Lehmputz. Als nicht brennbare Schicht genügt der direkt auf das Stroh geputzte Lehm zudem dem geforderten Brandschutz. Von außen schützt das Stroh eine Gipsfaserplatte vor Brand. Die Mitarbeiter der Firma Berschneider verputzen die Wände mit vier Zentimeter Unterputz mit Stroh der Firma Claytec, der als Trockenlehm in Big Packs mit je 1.000 Kilogramm geliefert wurde. Sie füllten den grobkörnigen Putz von Hand in eine PFT P4 Putzmaschine und spritzten ihn in drei Lagen an. Zunächst sei die riss- und hohlstellenfreie Verarbeitung für die mit Lehm unerfahrenen Handwerker eine Herausforderung gewesen, berichtet Günter Berschneider, Geschäftsführer der Firma (mehr dazu im Kurzinterview unten links). Doch schnell ging ihnen die Arbeit gut von der Hand. Sie zogen den Lehm mit der Kartätsche lot- und fluchtgerecht auf, schnitten mit einer Trapezlatte nach und schabten ihn schließlich mit dem Gitterrabot ab. Anschließend brachten sie mit dem gleichen Material eine vollflächige Gewebespachtelung auf. Die samtige Lehmoberfläche und ihre hell-erdige Farbe passen sehr gut zum schöpfungsspirituellen Ansatz des Klosters. Über das Kloster hinaus wirkt der erdige Neubau inspirierend. Ludwig Eisenreich, Bürgermeister der benachbarten kleinen Stadt Berching, zeigte sich bei einem Pressegespräch vor Ort sehr stolz: „Er ist ein Vorzeigeobjekt“, betonte er und stellte in Aussicht, eines der nächsten öffentlichen Gebäude mit den Baustoffen Lehm, Stroh und Holz zu planen.

  • Objekt: Haus St. Wunibald Benediktinerabtei Plankstetten, Klosterplatz 1, Berching
  • Bauweise: Holz-Stroh-Lehm Hybridbauweise mit Passivhausstandard
  • Aufbau der Außenwand (innen nach außen): Lehmputz zweilagig mit Armierung, direkt auf Strohballen geputzt, Holzständerkonstruktion aus vorgefertigten Elementen, Gipsfaserplatte, Holzfaserdämmung, Fassadenbahn, Hinterlüftung, Holzverschalung, Leinölfarbe

Einen Kurzfilm über den Strohbau St. Wunibald des Klosters Plankstetten finden Sie hier:

bit.ly/3rpwqr4

3 Fragen an…Günter Berschneider
Günter Berschneider ist Geschäftsführer der Firma Berschneider GmbH aus Velburg, die die Lehmputzarbeiten im Kloster Plankstetten ausgeführt hat. Im Kurzinterview schildert er seine Erfahrungen.
Hat Ihre Firma schon einmal auf Stroh geputzt?
Nein, strohgedämmte Wände haben wir noch nie verputzt.
Was sind Ihre Erfahrungen beim Verputzen der strohgedämmten Wände?
Bei einem Lehmputz auf Stroh ist einiges zu beachten, wie die Putzstärken jeder einzelnen Lage sowie die Trocknungszeiten. Die Luftfeuchtigkeit und das richtige Lüften spielen dabei eine große Rolle. Wenn man dies alles beachtet, lässt sich der Putz schön verarbeiten und bleibt gut auf dem Stroh haften.
Gibt es Herausforderungen bei den Putzarbeiten mit Lehm?
Es war zunächst eine Herausforderung für uns, den mehrlagigen Unterputz mit einer Putzstärke von vier Zentimeter rissfrei und ohne Hohlstellen auftragen zu können. Nach ein paar Versuchen hat das aber perfekt geklappt.

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