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Coronakrise: Reaktionen aus der Branche

Corona-Krise
Reaktionen aus der Branche

Das Corona-Virus hat Deutschland fest im Griff, weite Teile der Wirtschaft stehen still. Das Handwerk darf noch (Stand 7. April) seiner Arbeit nachgehen. Dennoch könnten sich durch die Krise auch Folgen für Liquidität, Beschäftigung und Fortbestand des Betriebs ergeben. Wie geht die Malerbranche mit den massiven Herausforderungen um? Wir haben uns bei Innungen, Farbherstellern, Mittelständlern und kleineren Betrieben umgehört.

Autor: Andreas Ehrfeld

Natürlich ist die Auftragslage der entscheidende Faktor, der über eine eher positive oder eine eher negative Stimmung in der Branche entscheidet. Nimmt man die Aussagen unserer Interviewpartner als Grundlage, dann ist – bei aller Unsicherheit – die Stimmung derzeit noch positiv. Angela Reubert vom Malerfachbetrieb Reubert aus Offenbach etwa spricht von einer (noch) unveränderten Auftragslage. Bisher sei ihr lediglich eine Tagesbaustelle abgesagt worden.

Patrick Brecht: „Unser gutes Netzwerk mit anderen Handwerkspartnern kommt uns zu Gute.“

Patrick Brecht, Inhaber von Brecht Stuckateur. Maler in Plüderhausen und Obermeister der Stuckateur Innung Rems-Murr ergänzt: „Wir sind froh über den Vorlauf an Aufträgen, die wir schon vor der Coronakrise generieren konnten. Unser gutes Netzwerk mit anderen Handwerkspartnern kommt uns ebenfalls zu Gute.“ Auch in Dortmund, bei SJ-Beschichtungen, kann man sich über zu wenig Arbeit nicht beklagen, im Gegenteil: Man sei theoretisch ausgebucht, sagt Betriebsinhaber Sascha Jabs.

Gefahren

Soweit die Situation in Deutschland für das Handwerk, als Hersteller aber denkt man global: Timo Ascherl, Geschäftsführer der Beeck´schen Farbwerke aus Laichingen weiß von einem rückläufigen Auslandgeschäft zu berichten: Auf Frankreich, UK und Belgien träfe dies ganz besonders zu.
Trotz der insgesamt eher positiven Stimmung, gibt es aber auch im Inland Auftragsrückgänge und Gefahren:

Thomas Rodens: „Es gibt natürlich immer den Risikofaktor, dass dein Betrieb zwei Wochen oder sogar länger in Quarantäne muss.“

Thomas Rodens, Obermeister der Innung Stuttgart betont zwar auch die derzeit noch gute Auftragslage, weiß aus seiner Innung aber auch von Beispielen zu berichten, die die Krise bereits mit Wucht getroffen habe: den Kollegen, die sich auf die Arbeiten in Altenheimen oder Krankenhäusern spezialisiert haben, fallen Aufträge derzeit komplett weg. „Natürlich“, so Rodens weiter, gäbe es auch immer den Risikofaktor, „dass dein Betrieb zwei Wochen oder sogar länger in Quarantäne muss. Bricht ohne Vorwarnung der komplette Umsatz weg, ist das schnell existenzbedrohend. Besonders so kurz nach den – bei vielen Betrieben stattfindenden – Betriebsurlauben über den Jahreswechsel.“ Werfen wir einen Blick ins benachbarte Ausland, genauer gesagt nach Vorarlberg in Österreich: Dort sitzt Christian Micheluzzi mit seinem Malerbetrieb „Der Grüne“. Bei ihm sei die Auftragslage auf das Jahr bezogen eigentlich gut gewesen. Allerdings habe das Virus dafür gesorgt, dass nicht mehr auf allen Baustellen gearbeitet werden könne. Er spezialisiere sich deshalb derzeit auf die Gestaltung fugenloser Bäder. Dies sei, gemeinsam mit der Gestaltung dekorativer Oberflächen, im Moment das krisensicherste Segment für ihn und seinen Betrieb.

Staatliche Hilfen?

Beim Thema staatliche Hilfe sind die meisten, so zumindest unser Eindruck, skeptisch: „Auf die Politik möchte ich mich nicht verlassen, da ich schlussendlich der Meinung bin, dass wir zu wenig bekommen werden. Wir hoffen, dass wir im April wieder bis zu 100 Prozent arbeiten können und helfen uns dann selbst“, sagt etwa Christian Micheluzzi.

Christian Micheluzzi vor seinen LKW-Containern, die als Showroom für seine fugenlosen Bäder dienen
Christian Micheluzzi: „Wir freuen uns über eine ausgeprägte Solidarität unserer Kunden. Einige Stammkunden geben uns bewusst Aufträge.“

Differenzierter sieht Patrick Brecht mögliche staatliche Hilfen: „Wir werden die jetzige Situation beobachten und gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt noch einen Antrag stellen. Unserer Einschätzung nach wird sich die Krise für das Handwerk erst ab dem 3.Quartal bemerkbar machen. Ob es dann noch Hilfsmaßnahmen geben wird ist fragwürdig.“ Ob die Soforthilfe wie versprochen erfolgt, sei ebenfalls dahingestellt.

Wie reagieren die Kunden?

Björn Foetsch
Björn Foetsch: „Die Kunden verlegen Ihre Kommunikation stark auf das Smartphone und andere digitale Kommunikation. Ansonsten wird sehr rational mit der Situation umgegangen.“

Lob hingegen verteilt die Branche weitgehend an die Kunden. Björn Foetsch, Prokurist der Arta in Ludwigsburg: „Die Kunden verlegen Ihre Kommunikation stark auf das Smartphone und andere digitale Kommunikation. Ansonsten wird sehr rational mit der Situation umgegangen. Social distancing etwa wird durchgängig praktiziert.“ Jessica Jörges von piekfein + schnieke by Maler Schmidt GmbH aus dem hessischen Dreieich: „Es gibt Kunden denen die Lage zu heikel ist, um Fremde ins Haus zu lassen. Wir haben auch Kunden die finanzielle Engpässe fürchten, Angst haben, sich die Renovierung nicht mehr leisten zu können. Andere freuen sich, dass die Arbeiten ausgeführt werden. Zum Teil führen wir Kundengespräche über Videocalls, um die Arbeiten abzustimmen und keinen Vorort-Termin vereinbaren zu müssen.“
Christian Micheluzzi freut sich über die Solidarität seiner Stammkunden, die ihn weiterhin beauftragten. Verständnisvolle Kunden hat auch Thomas Rodens, allerdings weiß er auch von wenigen Kunden zu berichten, die egoistisch seien, denen nur die eigene Baustelle wichtig sei.

Schutz auf der Baustelle

Wie schützt sich die Branche auf der Baustelle – abgesehen von den gesetzlichen Vorgaben – selbst? Hier ist ein äußerst verantwortungsvoller Umgang unsere Betriebe zu beobachten:

Angela_Reubert.jpg
Angela Reubert: „Ich habe noch unverändert Aufträge, bisher wurde nur eine Tagesbaustelle abgesagt.“

Angela Reubert vom Malerfachbetrieb Reubert in Offenbach: „Ich schüttle keine Hände mehr und desinfiziere, wenn ich komme und gehe sämtliche Armaturen, Toilettendeckel, Wasserhähne, Handläufe usw. Mein Lenkrad im Auto und Gangschaltung desinfiziere ich auch, aber ansonsten ist die Situation noch relativ entspannt- vermutlich auch, weil ich allein arbeite.“ Die Beeckschen Farbwerke wiederum stellen selbst Desinfektionsmittel für Mitarbeiter und vereinzelt Kunden her. Björn Foetsch erklärt die Maßnahmen der Arta: „Wir haben eine getrennte und direkte Anfahrt der Mitarbeiter zu Baustellen. Die Pausenregelung und Arbeitszonenaufteilung ist so, dass die Mitarbeiter weitgehend getrennt voneinander sind. Christian Micheluzzi, Thomas Rodens und Sascha Jabs setzen auf Zweierteams auf den Baustellen, vermeiden zudem den Kontakt mit anderen Gewerken.

Situation bei den Auszubildenden

Da derzeit auch die Schulen geschlossen bleiben, entsteht eine besondere Situation für die Maler- und Stuckateurazubis. Die Betriebe versuchen, den entfallenen Lernstoff möglichst aufzufangen, dennoch herrscht auch Ungewissheit, wie etwa Patrick Brecht erklärt: „Unsere Ausbau- Managerin arbeitet voll im Betrieb mit. Wie es mit den Prüfungen aussieht, ist ungewiss. Wir versuchen bestmöglich das theoretische Wissen der Berufsschule zu vermitteln, um späteren Bildungslücken vorzubeugen.“ Thomas Rodens sieht seine Innungsbetriebe ähnlich agieren, schränkt aber ein: „Selbstverständlich können die Betriebe den theoretischen Stoff nicht so vermitteln kann, wie das ein Lehrer kann. Es bleibt – wie in allen schulischen Bildungswegen- aber abzuwarten, wie das Prüfungswesen dieses Jahr angepasst wird.“ Björn Foetsch sieht sein Unternehmen gut gerüstet: „Dank unserer Digitalstrategie wird das Lernen schon seit Vor-Corona-Zeiten durch eine Lern-App und ein digitales Berichtsheft unterstützt. Die Betreuer halten telefonischen Kontakt mit ihren Azubis. Zusätzlich haben die Azubis von Ihren Klassenlehrern Aufgaben erhalten, die bei Fragen mit der Ausbildungsleiterin besprochen werden können.“

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