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Sanierung Freibad Adelboden

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Sanierung Freibad Adelboden

Im Hintergrund ragen die schneebedeckten Gipfel des Berner Oberlandes auf, im Vordergrund leuchten die Farben des Adelbodener Freibades – so wie vor 90 Jahren. Im Rahmen einer umfassenden Restaurierung wurde auch die Farbigkeit wiederbelebt.

Autor: Armin Scharf I Fotos: David Bühler, Zürich

Das Baden im Freien hat in der Schweiz eine ganz besondere Tradition. Nach wie vor gehört das freie Treibenlassen im Rhein bei Basel oder entlang der Berner Aareschleife zu den besonderen sommerlichen Vergnügungen. Flussbäder wie an der Zürcher Limmat werden liebevoll „Badi“ genannt und erfreuen sich bester Beliebtheit. Und dann sind da noch Freibäder mit betörender alpiner Kulisse – beispielsweise das „Gruebi“ in Adelboden auf über 1300 Metern Höhe im Kanton Bern.

Das „Gruebi“ wurde 1931 eröffnet, gilt als herausragendes Beispiel für das Neue Bauen in den Alpen und signalisiert die Abkehr von der geschlossenen Holzbauweise, wie sie etwa bei den Limmatbädern des 19. Jahrhunderts zu finden ist. Im weitläufigen „Gruebi“ konnten die Besucher sich sogar an einem Sandstrand erfreuen, zumindest bis in die 1950er-Jahre – dann wurde der offenbar völlig veralgte Sand weggeschafft. Überhaupt hat das Bad so manche Veränderung durchgemacht, was angesichts des Alters nicht wirklich überrascht.

Neues Bauen in den Alpen

Entworfen wurde es vom Architekten Beda Hefti, der auch schon in Murten, Gstaad und Engelberg Freiluftbäder baute. Aber in Adelboden schuf er ein besonders stimmiges Ensemble aus Bauten, die sich geradezu in den Hang hineinschneiden. Die Integration des 50-Meter-Beckens in die Topografie gilt heute noch als Meisterleistung. Hefti bedient sich beim „Gruebi“ vor allem der Kreisform, bei den Grundrissen, den Vordächern und ganz besonders beim erhöhten Musikpavillon. Er modellierte Flachdächer, Relinggeländer, schnörkellose Formen mithilfe von Ortbeton und griff dann ganz tief in die Farbpalette. Die ausgesprochen farbenfrohe Komposition beruht auf der Farbkarte, die Keimfarben 1928 herausgab und besonders langlebige Bunttöne versprach. Die Palette lässt sich auch heute noch abrufen – ein Glücksfall für die jüngste Restaurierung.

Die begann etwas holprig mit unterschiedlichen Konzepten, über die jedes Mal die Adelbodener Gemeinde offiziell abstimmen musste. Durchgefallen sind zum Beispiel zwei Vorhaben aus dem Jahre 2010, die zu teuer erschienen. 2016 schließlich bejahten die Gemeindebürger eine mit 2,8 Millionen Franken veranschlagte Sanierung – bald zeichnete sich ab, dass eher 4,7 Millionen Franken notwendig sein würden, eine neue Abstimmung war erforderlich. Im Frühjahr 2018 konnten dann endlich die Bauarbeiten beginnen, im Juni 2019 wurde wieder eröffnet.

Mineralfarben einst und jetzt

Die Restaurierung war nicht frei von Kompromissen, schließlich galt es, statische Erfordernisse sowie neue Vorschriften für Sicherheit und Barrierefreiheit zu berücksichtigen. Beispielsweise ragt der neue Sprungturm – der originale wurde wohl bereits Anfang der 1960er-Jahre abgerissen – nicht mehr fünf, sondern nur noch drei Meter in die Höhe. Auch der illustre Musikpavillon ist ein Ersatz für das 1974 eingeknickte bauzeitliche Exemplar. Während der neue Pavillon die ursprüngliche Farbigkeit trägt, zeigen sich die neuen Bauten in zurückhaltender Farbigkeit. Vermutlich bei der letzten Sanierungsrunde 2004 wurde nicht nur das große Becken halbiert, auch die Farben von 1931 verschwanden unter einem allumfassenden Anstrich mit Dispersionsfarbe, die von den Restauratoren zur Befundung jetzt wieder abgenommen wurde.

Seit 2009 wird das „Gruebi“ als schützenswerter Bau im Inventar des Kantons Bern geführt, was dem deutschen Denkmalschutz entspricht. Das hat sich gelohnt: Heute ist das Freibad wieder ein Ort der Erbauung für alle Sinne, das einen Abstecher in die Bergwelt des Berner Oberlandes allemal lohnt.

Weitere Fotos:
www.malerblatt.de


PraxisPlus

Bautafel

Objekt: Freibad Gruebi, Adelboden

Sanierungsarchitekten: Akkurat Bauatelier GmbH, Thun

Restauratoren: Roger Tinguely, Steffisburg und Maja Fluri, Bellach

Ausführung Farbigkeit: FarbX, Adelboden

Bauherr: Gemeinde Adelboden

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