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Trendfarbe

Trendfarbe
Glück, Erneuerung, Leichtigkeit und Zuversicht

Zuversicht, Leichtigkeit, eine neue Spontaneität und die Suche nach visueller Erneuerung – das soll kennzeichnen, was uns farblich 2022 erwartet. Diese Prognose kommt nicht aus dem Zauberhut. Sie ist das Ergebnis einer intensiven, über Monate laufenden Analyse, die das Caparol FarbDesignStudio erneut gemeinsam mit dem Institut für Trendforschung (ITT) an der Hochschule Hildesheim (HAWK) durchführte.

Autor: Armin Scharf | Fotos: Caparol Farben Lacke Bautenschutz/blitzwerk.de

Scouting heißt die Methodik, mit der auf Interior-Messen unterschiedlichste Quellen aus Mode und Produktdesign gezielt ausgewertet werden. „Die Ergebnisse sortieren wir zu Farbclustern, das läuft alles nachvollziehbar und transparent ab, unser eigener Geschmack hat keinerlei Einfluss, auch wenn das immer wieder vermutet wird“, betont Andrea Girgzdies, die wie in den Vorjahren für die aktuelle Trendstudie verantwortlich war. „Das Scouting lief dieses Mal hybrid ab, wir haben also virtuelle und reale Quellen verknüpft. Dabei fanden wir starke gesellschaftliche Verschiebungen und Sehnsüchte, die sich über das Ausdrucksmittel Farbe manifestieren. Daher haben wir so intensiv wie noch nie über unsere Beobachtungen und Analysen diskutiert.“

Rosé-Mauve ist Trendfarbe

Nur auf den ersten Blick überrascht die Farbe des Jahres. Genau betrachtet, drückt Rosé-Mauve genau das aus, was die Menschen suchen: Glück und Erneuerung, Leichtigkeit und Zuversicht. Glücksempfindungen sind ganz wichtig, das Streben nach Glück wird zu einem alles überstrahlenden Momentum. „Mauve als vielfältiger Farbton zwischen Rot und Violett verbindet uns mit den glücksspendenden Empfindungen, die wir im Frühling angesichts der aufblühenden Natur erleben. In Rosé-Mauve summiert sich alles, was uns 2022 farblich erwartet.“ Und so kreisen die drei Farbwelten von Unikat #5 rund um 3D Flamenco 110, wie Rosé-Mauve entsprechend der Caparol-Systematik heißt.

Wilde Malve und ein Glücksvogel

Die Farbbezeichnung Mauve stammt unverkennbar aus dem französischen Sprachraum und greift die farbintensive Blüte der Wilden Malve auf. Technisch gesehen leitet sich Mauve von Mauvein ab, dem ersten Anilinfarbstoff, den William Perkin – auf der Suche nach einem Malaria-Wirkstoff – 1856 eher zufällig synthetisierte. Das hellviolette Mauvein war der Startschuss für die Entwicklung weiterer synthetischer Farbstoffe – und begründete eine neue Mode, weil Stoffe nun endlich günstig und dauerhaft färbbar wurden. Heute ist Mauve so aktuell wie nie. Ein Glücksfall mit Langzeitwirkung sozusagen.

Glück symbolisiert auch der Kranich – und das schon in der Mythologie der alten Griechen. Der Zugvogel mit seinen großen Schwingen ist über viele Kulturen hinweg ein Sinnbild für Gesundheit, für Optimismus, für das Erhabene und natürlich Ausdauer. Seine legendären Balztänze und seine filigrane Anmutung sind so ausdrucksvoll wie faszinierend. All dies verbindet ihn mit dem Charakter des Mauve, daher wählten ihn das Team um Andrea Girgzdies als Symbol für die Trendfarben des Jahres 2022, Unikat #5 genannt.

Mauve-Variationen

Farbwelt 1, die „Abwechslungsreiche“ benannt, lässt diese Wandlungsfähigkeit von Rosé-Mauve sofort erkennen. Mit den neun Kombinationstönen lassen sich sowohl ausgesprochen harmonische Ton-in-Ton-Lösungen realisieren wie auch aufreizend farbige bis eher grafisch wirkende, kontrastreichere Gestaltungen. Farbwelt 1 will entdeckt werden, lädt ein zum Experimentieren mit Gegensätzen, Harmonien, ungewohnten Sehweisen. Die Klaviatur dafür steht bereit und will bespielt werden. Wie das gelingen kann, zeigt das Caparol FarbDesignStudio in realen Raumsituationen mit variierenden Farbkompositionen anschaulich – beispielswiese im Trendbuch Caparol Unikat #5, das wie im Vorjahr Präsentations- und Arbeitstool gleichermaßen ist.

Farbwelt 2 baut auf einem verhüllteren Mauve auf, Puder-Mauve genannt und als 3D Barolo 25 definiert. Das Zusammenspiel der zehn Nuancen ist sehr zart, zeigt nur geringe Kontraste und wirkt vom Grundtenor leicht und warm. Allein mit 3D Arctis 45, einem sanften Graublau, steht ein Kontrastton bereit, um gezielt visuelle Stopper und Akzente zu setzen. „Die Feinfühlige“ nennt sich diese minimalistische Farbzusammenstellung, die aber in der Lage ist, enge Räume zu öffnen und zu weiten. Kontraste wiederum finden in Form von markanten Strukturen Einzug, raue Oberflächen, die idealerweise auf mineralischen Produkten basieren, was wiederum die natürliche Anmutung betont.

Einem komplett konträren Ansatz folgt „Die Lebendige“, die dritte Farbwelt. Im Zentrum steht Lavendel-Mauve, 3D Velvet 55, ein verblasstes Violett mit einem deutlich blauen Anteil, kühl und ruhig. Letzteres ist wichtig, da die weiteren Töne dieser Welt ausgesprochen kraftvoll auftreten. Das Spektrum hier reicht von erdigen graugrünen bis hin zu leuchtend ockerfarbigen Tönen. Obwohl kontrastreich und prägnant, können daraus harmonisch wirkende Kompositionen mit einer lebhaften Grundnote wachsen. Dazu passen dann auch Oberflächen, die subtilen Glanz und Glimmer ins Spiel bringen.

Kreativtechnik 2022

Die Trend-Oberfläche fügt sich ideal in die Farbwelt 1 ein, nennt sich „Antik Aquarell“ und basiert auf der Verarbeitung matter Lasuren (DecoLasur) kombiniert mit Metallic-Effekten (Metallocryl). Das Ergebnis sind zart schimmernde, ineinander übergehende Farbschleier, die ein subtiles Lichtspiel auf den Flächen entfalten. Diese Technik lässt sich sowohl mit tiefen Tönen wie auch hellen Nuancen umsetzen.

Von Beige zu Mauve – und dann?

Die Trendpalette des vergangenen Jahres, Unikat #4.1, rankte sich noch um Variationen aus Beige-Nuancen. 2022, so könnte man meinen, hat damit nichts mehr zu tun. Das aber stimmt so nicht, denn „es gibt durchaus eine Verbindung“, sagt Andrea Girgzdies. „Die aktuelle Farbwelt 1 ist eine Fortschreibung der zurückhaltenden Farbigkeit, jedoch mit mehr Frische, Lebendigkeit und Kontrasten. Farbwelt 2 ist weiter warmtonig und homogen, erscheint jedoch noch weicher als im Vorjahr. Farbwelt 3 wiederum könnte auf die nächsten Jahre verweisen: „Wir werden allen Beobachtungen nach wieder farbiger, während Schwarz klar aus der Prioritätenliste verschwindet“.

Mehr zum Thema:
www.malerblatt.de


 



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