Um das facettenreiche Wesen der Innendämmung ging es beim Caparol-Werkstofftag, der am 6. November 2014 in Ober-Ramstadt stattfand.

Wenn nicht außen, dann von innen

Sie prägten den Caparol-Werkstofftag 2014 (v.l.n.r.): Oliver Berg, Caparol; Heiko Riggert, Caparol; Uli Ruisinger, TU Dresden; Dr. Thomas Lohmann, Caparol; Torsten Meiser, Meiser Micelski Rechtsanwälte, Berlin; Franz Xaver Neuer, Caparol; Dr.-Ing. Gregor A. Scheffler, Ingenieurbüro Scheffler, Dresden; Stefan Ehle, BV Farbe Gestaltung Bautenschutz; Dr. Christian Brandes, Caparol; Manfred Haisch, BV Ausbau und Fassade sowie Karl-August Siepelmeyer, Präsident des BV Farbe Gestaltung Bautenschutz. Foto: Caparol Farbe Lacke Bautenschutz
Um das facettenreiche Wesen der Innendämmung ging es beim Caparol-Werkstofftag am 6. November, zu dessen Auftakt Caparol-Firmenchef Dr. Ralf Murjahn rund 120 Teilnehmer in Ober-Ramstadt willkommen hieß. In seiner Ansprache ging Dr. Murjahn auf die Negativberichterstattung in Sachen Wärmedämm-Verbundsysteme ein, der Unternehmen der Branche mit Ulrich Wickert als Gesicht und Stimme der aktuell größten Kampagne für Wärmedämmung Fakten entgegensetzen, um die Debatte zu versachlichen. Generell lassen sich auch durch das Dämmen der Kellerdecke, der obersten Geschossdecke oder der Umfassungswände eines Gebäudes von der Raumseite her erfreuliche Energiesparresultate erzielen – vor allem im Winter. Das sah auch Stefan Ehle so. Der Vorsitzende des Ausschusses Technik, Werkstoff und Umwelt (TWU) im Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz betonte, dass eine Innendämmung bei fachgerechter Ausführung keine risikobehaftete Angelegenheit ist.

In medias res ging sogleich Franz Xaver Neuer, der auch bei diesem Werkstofftag die Moderatorenrolle innehatte und souverän von einem zum anderen Fachvortrag überleitete. Vor allem drei Vorzüge von Innendämmsystemen sind für den Leiter Technik bei Caparol an Innendämmungen besonders interessant: die schnelle Raumaufheizung, die höhere Oberflächentemperatur auf gedämmten Innenwänden sowie die Möglichkeit, die gestaltete Fassade zu belassen, wie sie ist. Allerdings gilt es für Praktiker auch ins Kalkül zu ziehen, dass bei vorhandener Innendämmung die Oberfläche der Außenwand kälter wird. Die Folge ist, dass sich darauf leichter Feuchtigkeit niederschlägt. „Der Putz und der Anstrich sollten daher unbedingt intakt sein, nachgebessert oder nötigenfalls erneuert werden, damit es über die Außenhülle nicht zu einem ungewollten Feuchteeintrag in den Wandbildner kommt“, empfahl er.
Wie groß das Marktvolumen für Dämmsysteme ist, erläuterte Oliver Berg. Er wies darauf hin, dass jedes Objekt vor Beginn der Dämmmaßnahme spezifisch untersucht werden muss.
Dass die Innendämmung bauphysikalisch „händelbar“ ist, davon ging auch Dr.-Ing. Gregor A. Scheffler aus. Dr. Scheffler vom Ingenieurbüro Scheffler & Partner aus Dresden richtete sein Augenmerk auf Wärmebrücken, Feuchtesensitivität und das Brandverhalten von Innendämmstoffen. Zur Vermeidung von Auffeuchtung und Schimmelbildung an Bauteilübergängen wie Decken-Wandanschlüssen stellte er neben den bekannten Lösungen der optisch auffälligen Flankendämmung den innovativen IDS Thermowinkel vor.
Uli Ruisinger befasst sich am Institut für Bauklimatik der TU Dresden seit drei Jahren mit dem Zustand von Holzbalkenköpfen, die in Außenwände eingebunden sind. Sein Vortrag thematisierte denn auch den Schutz des Bauteils bei vorhandener Innendämmung.
Mit „alternativen“ Werkstoffen und ihren Einsatzmöglichkeiten zur Innendämmung befasste sich äußerst hörenswert Dr. Christian Brandes. Der Produktmanager Histolith Baudenkmalpflege grenzte zunächst diffusionsoffene natürliche Dämmstoffe wie Schilf, Lehm, Hanf und Holzfaser vom industriell hergestellten EPS ab, das als Leichtzuschlag auch in Wärmedämmputzen Verwendung findet.
Wie der Feuchtetransport in einer kapillaraktiven Innendämmplatte funktioniert, erklärte Dr. Thomas Lohmann. Der Leiter des Entwicklungszentrums WDVS/Trockenmörtel machte deutlich, dass Kapillaraktivität bestimmten Gesetzmäßigkeiten folgt.
Die sprichwörtliche Katze aus dem Sack ließ Heiko Riggert, Produktmanager Innendämmsysteme bei Caparol. Er stellte die beiden kapillaraktiven Innendämmsysteme IDS Aktiv und IDS Mineral vor. Heiko Riggert empfahl den verarbeitenden Handwerkern, sich an die Ausführungsempfehlungen des Herstellers zu halten.
Zum Abschluss des Caparol-Werkstofftags machte der Berliner Rechtsanwalt Torsten Meiser deutlich, dass das Verursacherprinzip auch für Wohnungseigentümer gilt, die ihre vier Wände von innen dämmen lassen. Damit am Ende einer erfolgreichen Innendämmmaßnahme kein Ungemach droht, sollten Handwerker vor Beginn der Arbeiten das Wohnumfeld sondieren und den Auftraggeber über mögliche Auswirkungen auf ungedämmte Nachbarwohnungen informieren.
Dämmen im Zeitalter der Energiewende gehört nach den Worten von Manfred Haisch, stv. Vorsitzender des Bundesverbandes Ausbau und Fassade, in die Hände professioneller Bauhandwerker, die gut geschult sind und etwas von Bauphysik verstehen. Denn die fachgerechte Applikation von Dämmsystemen ist nach Überzeugung von Karl-August Siepelmeyer, Präsident des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz, als Aufforderung an die Maler- und Stuckateurbranche zu begreifen, einen wesentlichen Beitrag zum Schutz und Erhalt wertvoller Bausubstanz sowie zur Verbesserung des Wohn- und Raumklimas zu leisten.

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