20. Caparol Werkstofftag

Ziel: trockene Fassade

Wie das Feuchtemanagement der gedämmten Fassade zu bewerkstelligen ist, war Thema des 20. Caparol Werkstofftags.

Text und Fotos: Susanne Sachsenmaier-Wahl

Bereits seit 20 Jahren führt der Caparol Werkstofftag Sachverständige und technisch Interessierte in Ober-Ramstadt zusammen, um ein Thema, das die Branche beschäftigt, zu erörtern. Den hohen Stellenwert der Veranstaltung betonte Stefan Ehle, Vorsitzender des Ausschusses Technik, Werkstoff, Umwelt (TWU) im Hauptverband: „Hier treffen wir Kollegen – hier tauschen wir uns aus.“ Dr. Ralf Murjahn, geschäftsführender Direktor der DAW, konnte gut 120 Gäste zu der, wie er hervorhob, einzigartigen Veranstaltung für das Maler- und Stuckateurhandwerk erstmals in der neu erstellten Firmenzentrale begrüßen.

Spannendes Thema

Franz Xaver Neuer, Leiter Technik bei Caparol, stellte das Thema der diesjährigen Veranstaltung vor. Es gehe um die Mechanismen für eine trockene Fassade. „Ein Thema, mit dem wir Tage füllen könnten,“ war sich Neuer sicher. Das bestätigte auch der scheidende Präsident des Malerhauptverbandes, Karl-August Siepelmeyer. Die zahlreichen Schadensfälle, die er anschaulich in einer Bildershow präsentierte, seien zu einem Großteil nicht auf fehlerhafte Verarbeitung zurückzuführen. Statt dessen hätten es Maler und Stuckateure häufig mit Planungen zu tun, „die uns Handwerkern das Leben schwer machen.“ Er verwies hier z.B. auf fehlende Dachüberstände.

Unter den Wolken

Der erste Referent, Dipl-Ing. Harry Luik, berichtete von einem Phänomen, das an verputzten Fassaden immer wieder anzutreffen ist: dunkle Wolken, die scheinbar zufällig auftreten. Worauf dieses Phänomen zurückzuführen ist, erklärte der Stuckateurmeister, Architekt und Sachverständige so: „Die Ursache sind Risse, die eigentlich kein Mangel sind, aber einen Mangel verursachen.“ Erst unter der Lupe erkenne man diese sehr feinen Fassadenrisse. Durch diese trete Wasser in die meist sehr hydrophob eingestellte Farbschicht ein und werde vom darunter liegenden wesentlich saugfähigeren Putz aufgenommen. Beim Verteilen der eingedrungenen Feuchtigkeit in der Putzschicht lösten sich organische Stoffe, die beim Verdunsten mit an die Oberfläche transportiert würden. An diesen Stellen setzten sich Schimmelpilze an und es entstünden die dunklen Ränder, die das „Wolkenbild“ ergäben. Um dieses Problem zu lösen, müssten Putze hydrophober, die Fassadenfarbe dagegen weniger hydrophob eingestellt werden, denn „die beste Farbe nützt nichts, wenn der Putz darunter nichts taugt“, wie Luik abschließend bemerkte.

Von einem aktuellen Forschungsprojekt berichtete Dr. Ayman Bishara vom Dr. Robert-Murjahn-Institut (RMI). Im Berliner Stadtteil Lichterfelde stehen fünf Gebäude, die mit verschiedenen WDVS aus dem Hause DAW ummantelt sind. Verbaut wurden die Dämmstoffe Hanf, Holzweichfaser, zweimal Mineralwolle (in unterschiedlicher Dicke und mit anderem Putzsystem) sowie EPS. Durch Messungen der Temperatur und relativen Luftfeuchte innerhalb des WDVS sowie im Innen- und Außenbereich, versucht man Erkenntnisse über die Feuchteaufnahme des Putzes und die Veränderung der Dämmwirkung zu erlangen.

Siliconharz liegt vorne

Dr. Johannes Westmeier, Forschung und Entwicklung bei DAW, gewährte dem Publikum neue Einblicke in den Feuchtehaushalt von Fassaden durch spektrale Bildgebung. In der Übergangszeit komme es zu einer extrem hohen Tauwasserbelastung bei gleichzeitig erschwerter Rücktrocknung an der Fassade. Bei der Untersuchung verschiedener Farbsysteme habe man festgestellt, dass in der Anfangsphase alle Systeme nahezu gleich schnell abtrockneten. Durch die Bindemittelanquellung komme es dann aber zu deutlichen Unterschieden. Bindemittelreiche Acrylatfarben etwa trockneten sehr langsam, bei den Silikonharzfarben variierte die Trocknung stark, da die Rezepturen sehr unterschiedlich sein können. Am besten schnitten in der Testreihe Farben mit der NQG (Nano-Quarz-Gitter)-Technologie ab. Bei diesen Farben komme es, so Westmeier, an der Oberfläche zur Spreitung der Wassertropfen, wodurch das Wasser ablaufe und nicht stehen bleibe wie bei hydrophob eingestellten Farben. Bei den Putzen lagen Siliconharzputze hinsichtlich der Unterwanderung mit Wasser an Haarrissen vorne. Während Mineralputze stark und Dispersionsputze leicht unterwandert wurden, war bei Siliconharzputzen so gut wie keine Unterwanderung feststellbar. Westmeiers Resümee: „Siliconharzputze und -farben stellen die Spitze dessen dar, was momentan verfügbar ist.“

Planungshilfe gegen Bewuchs

Die Bauphysikerin Heide Ackerbauer von der Leibniz Universität in Hannover arbeitet an der Erstellung einer Planungshilfe, mit der das Bewuchsrisiko an Fassaden eingeschätzt und minimiert werden kann. Während der Standort eines Gebäudes und die Feuchtigkeit, die auf es einwirkt, nicht bzw. kaum beeinflussbar ist, kann die Konstruktion der Fassade verändert werden. Mit der Planungshilfe soll sich die Dimensionierung des Putzes in Abhängigkeit vom Standort und von Dämmstoffdicke errechnen lassen. Wer nun neugierig geworden ist muss sich allerdings noch etwas gedulden: Die Ergebnisse aus der hierfür durchgeführten Studie werden erst im Sommer 2018 erwartet.

Licht im Normendschungel

„Wir müssen den Kampf mit dem Wasser aufnehmen“, forderte Hans-Joachim Rolof, Sachverständiger und Geschäftsführer des iba-Instituts, die anwesenden Fachleute im Hinblick auf die Sockelausbildung auf. Und weil die Kenntnis der neuen Norm DIN 18533 dafür unerlässlich sei, begleitete er das Publikum im Schnelldurchgang auf eine Reise durch den Normendschungel.

Auch Oliver Berg, Technischer Leiter Großkundenbetreuung bei Caparol, widmete sich dem Sockel,dem, wie er es nannte, „spritzwasserbelasteten Fassadenbereich über der Geländeoberkante“. Sämtliche Sockelprodukte müssten deshalb auf die hohe Feuchtebelastung ausgelegt sein, denn „jede Abdichtung ist nur so gut wie ihre schwächste Stelle“, erinnerte Berg. So darf im Sockelbereich beispielsweise ausschließlich XPS eingesetzt werden, das vollflächig verklebt werden muss (Punktverklebung ist unzulässig). Die Sockelhöhe muss mindestens 20 Zentimeter unterhalb der Geländeoberkante beginnen und darf frühestens 30 Zentimeter darüber enden. Eine frühzeitige Koordination mit anderen Gewerken sei bei der Festlegung der Geländeoberkante unumgänglich.

Kritische Bereiche hinsichtlich der Feuchtebelastung stellen auch Fensterbänke dar. Manfred Haisch, Sachverständiger und stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands Ausbau und Fassade, zeigte eine Reihe von Schadensbildern, die durch den fehlerhaften Einbau von Metallfensterbänken entstanden sind. Er machte jedoch deutlich, dass häufig nicht den Handwerker die Schuld an der Misere treffe, sondern vielmehr den Planer, der quasi Unmögliches von ihm verlange.

Dass bei Fenstern und Fensterbänken, die vorschriftsgemäß eingebaut wurden, dennoch Feuchteprobleme im Wandbildner auftreten können, zeigte Dr. Helge Kramberger-Kaplan anhand eines Versuchs. Bei diesem wurde eine geprüfte Fensterkonstruktion gleichzeitig durch Regen und Wind belastet. Das Wasser wurde dabei stark durch die Fensterkonstruktion ins Innere der Wand eingetrieben. Einzeln geprüfte Bauteile seien also nicht die alleinige Lösung, stattdessen erfordere es gewerkeübergreifende Lösungen, um das berühmte „Gewerkeloch“ zu schließen.

Kritik an Kunststofffenstern

Schon einige Zeit länger als in Deutschland ist man dem Gewerkeloch in Österreich auf der Spur. Eindeutige Ursachen des unkontrollierten Wassereintritts in gedämmte Konstruktionen sollen gefunden werden. Darüber informierte Gerhard Enzenberger, Sachverständiger und Geschäftsleiter Technik/Marketing der Caparol-Schwestergesellschaft Synthesa: „An Kunststofffenstern gibt es neben dem Gewerkeloch zahlreiche Fehlstellen, an denen ein Wassereintritt möglich ist.“ Dies sei nicht tragbar, statt dessen forderte Enzenberger: „Jedes Kunststofffenster muss in eingebautem Zustand dicht sein.“

www.caparol.de



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