Dämmputz

Fachwerk aus Eiche saniert

Eine über 500 Jahre alte Scheune mit alemannischem Sichtfachwerk wird in Tübingen denkmalgerecht zum Wohn- und Bürogebäude umgebaut. Aktuell werden die Eichenkonstruktion und die Gefache mit kapillar aktivem Mörtel und Innendämmung saniert. Außerdem kamen verschiedene Kalkmaterialien zum Einsatz.

Autor: Achim Pilz | Fotos: Architekturbüro Manderscheid

Die Scheune in Tübingen ist ein historischer Nutzbau, schön durch seine Einfachheit und die gewachsenen, dunklen Hölzer, die sich mit den hellen Putzflächen abwechseln. Über niedrigen Mauern erhebt sich ein großes Dach. Dementsprechend hoch und durch die Witterung stärker belastet sind die Giebelfassaden. Zwei große Scheunentore öffnen den Innenraum nach Osten, neben diesen gab es in dem landwirtschaftlichen Gebäude ursprünglich nur wenige, kleine Öffnungen. In den über 500 Jahren Nutzung, teilweise als Stall, wurde immer wieder umgebaut und repariert, zuletzt in den 1990er-Jahren. Damals war die nördliche Giebelwand denkmalgerecht saniert worden. An wenigen Stellen war das Eichen- durch Nadelholz ersetzt worden, Holznägel ausgetauscht und Gefache repariert worden. Zuvor waren Anfang des 20. Jahrhunderts einige Gefache mit Bimssteinen ausgemauert worden. Ursprünglich waren sie mit Lehmstaken oder Feldsteinen gefüllt gewesen.

Da aus Eiche gefertigt und wenig von Schlagregen belastet, war das alte Fachwerk gut erhalten. Auf der Nordseite war sogar das bauzeitliche, alemannische Fachwerk in großen Teilen noch vorhanden, auf der Südseite fragmentarisch. Die Traufseiten waren vermutlich umgebaut worden. Aktuell wird die betagte Scheune erneut umgebaut: In ihr entstehen zwei Wohnungen, eine Einliegerwohnung und ein Architekturbüro.

Zustand überwiegend gut

Höchstwahrscheinlich war das Fachwerk außen immer sichtbar gewesen, denn es fanden sich keine Spuren von Verkleidung oder Putz. Deshalb soll es auch nach der Umnutzung sichtbar bleiben. Unklar war, ob auch die weniger geschützten Giebelfassaden unverkleidet als Sichtfachwerk stehenbleiben können, ohne dass Wasser auf die Innenseite gelangt oder gar die Substanz geschädigt wird. Deshalb begutachtete ein Sachverständiger für Holzschäden den Zustand des Fachwerks. Er fand kaum Holzschadorganismen – auch nicht nach Bohrwiderstandsmessungen an insgesamt 13 Stellen. Einzig die südliche Schwelle zeigte auf ihrer ganzen Länge Feuchteschäden. Oberflächlich gab es dort Würfelbruch durch Moderfäule. Die Ursache: Der anstehende Boden war im Laufe der Jahrhunderte angefüllt worden, sodass die Schwelle im Spritzwasserbereich lag. Durch Absenken des Geländes auf mehr als 30 Zentimeter Differenz ließ sich diese Schadstelle jedoch entschärfen.

Energetische Verbesserung

Energetisches Ziel der Sanierung war es, den KfW-Standard für Denkmäler zu erreichen. Dazu wurde der Boden mit Schaumglasschotter gedämmt, das Dach mit Zellulose und die Außenwände wurden von innen mit Dämmputz versehen. „Mir ist wichtig, dass wir angemessenen Wärmeschutz haben, so gut es sinnvoll geht“, betont Architekt und Bauherr Christoph Manderscheid. „Bezüglich der Schlagregenbelastung verbessern wir eigentlich nur: Wir bauen Regenrinnen an, vergrößern den Dachüberstand, wir fällen drei große Tannen, die verschatteten und graben ab, damit die Südschwelle wieder einen Spritzwasserschutz hat.“ Der eingeschaltete Sachverständige sah die geplanten bauphysikalischen Änderungen durch den Innendämmputz als unkritisch an. Er wird allerdings in deutlich höherer Schichtstärke aufgebracht als die im WTA-Merkblatt 6-5 für den hygrothermischen Nachweis empfohlenen sechs Zentimeter. Der Bauphysiker wies mit dem Rechenverfahren WUFI eine neun Zentimeter starke Innendämmung als unkritisch nach. Aus Interesse lässt Manderscheid dennoch im Fachwerk zwei Sensoren einbauen. In einer stark beanspruchten Fuge zwischen Gefache und Holz im Nord- und im Südgiebel kann er so die Feuchteentwicklung nachverfolgen. „Damit wir beim nächsten Projekt sagen können `Wir haben das sogar gemessen“, erklärt er schmunzelnd.

Sanierung des Fachwerks

Durch die Nutzung als Stall waren an der südlichen Schwelle Salze etwa einen Zentimeter tief in das Fachwerkholz eingedrungen und hatten das Eichenholz durch Hygroskopie befeuchtet. Die schmale Mauer, auf der die Schwelle auflag, wurde ausgetauscht; zum Schutz vor aufsteigender Feuchte legte man außerdem eine Bitumenbahn in eine Fuge ein. Dort, wo die krumme Schwelle auf dem Feldsteinmauerwerk aufliegt, wurden Bleche eingerammt.

Um bei der Säuberung des Fachwerks möglichst wenig Wasser einzutragen, wurde es relativ flach abgedampft. Die wasserempfindlichen Lehmgefache wurden lediglich von Hand abgebürstet.

Das gesamte Eichenholz soll auf Wunsch des Architekten auf der Außenseite ungestrichen stehen bleiben. Dadurch bleibe die Fähigkeit zum Abtrocknen maximal erhalten.

Sanierung der Ausfachungen

Mit der Sanierung der Ausfachungen war der Stuckateurbetrieb Andreas Eith aus Geislingen beauftragt worden: Er füllte die Fugen, grundierte mit einem Vorspritzmörtel, verputzte mit Grund- und Deckputz und wird die Gefach-Sanierung mit einem leicht pigmentierten Kalkputz abschließen.

Die Bimssteine aus dem 20. Jahrhundert waren teilweise mit reinem Zement gemauert gewesen, ein Material, das kaum Feuchtigkeit puffern kann. Deshalb wurden diese ausgebaut und durch spezielle Bims-Fachwerksteine mit Kalkmörtel ersetzt. Diese sind mit natürlich hydraulischem Kalk gebunden und besitzen – genauso wie der Mörtel – eine gute Wasseraufnahmefähigkeit und halten so das Holz trocken.

Denkmalpflegerisch sind die Lehm-
staken im Norden die wichtigsten Füllungen. „Davon haben wir versucht, so viele wie möglich zu erhalten“, bekräftigt der Architekt. Stuckateur Eith schloss größere Fehlstellen mit Schilfrohrmatten und arbeitete sie in den Grundputz ein. Dann spritzte er mithilfe einer Förderpumpe bis zu drei Lagen Kalkputz auf. „Durch die im Putz enthaltenen Hanffasern konnten wir an einem Tag sechs bis sieben Zentimeter in zwei bis drei Arbeitsgängen aufbauen. Der Kalkputz hat dann zwar ein paar Schwundrisse bekommen, aber sonst ist nichts passiert. Die Risse schließen wir mit dem Oberputz wieder“, so Andreas Eith.

Dämmputz innen

Innen überdeckten die Stuckateure die Wände mit einem Putzträger, den sie möglichst in den Gefachen befestigten, um die Balken zu entkoppeln. Andreas Eith erinnert sich an die Widrigkeiten, mit denen die Stuckateure während der Ausführung der Dämmputzarbeiten zu kämpfen hatten: „ Alles war krumm und buckelig. Den Putzträger so zu biegen, dass er die richtige Form bekommt, war deshalb etwas diffizil und aufwendig. Der Architekt wünschte sich die Ecken leicht abgerundet. Der Putz sollte in einer Welle über die Balken hinweggehen. Die neuen Balken standen zum Teil aber 15 bis 20 Zentimeter vor der Fachwerkwand. Das Putzträgernetz muss locker sitzen und darf nicht press aufgenagelt sein, damit sich der Untergrund noch bewegen kann.“ Der Dämmputz mit geschäumtem Glas wurde im Mittel in einer Stärke von neuen Zentimetern appliziert. „Für sieben bis acht Quadratmeter haben wir 30 Sack Dämmputz gebraucht. Das ist eine Menge Material. Logistisch war das eine Herausforderung und es bedurfte einer genauen Planung.“ Abschließend wird der Dämmputz noch mit einem feinen Kalkputz in einem leicht gebrochenen Weiß überarbeitet, der nicht mehr gestrichen wird, um den rohen Putz als Sichtoberfläche zu erhalten. Damit ist die Scheune nicht nur energetisch, sondern auch optisch gut gerüstet für ihre neue Nutzung im 21. Jahrhundert.

Weitere Fotos:
www.malerblatt.de


PraxisPlus

Bautafel

Baujahr: ca. 1500

Sanierungsbeginn: 2018

Planung: Christoph Manderscheid Freier Architekt BDA, Stuttgart

Ausführung der Putzarbeiten: Stuckateurbetrieb Andreas Eith, Geislingen

Für die Putzarbeiten kamen folgende Kalkprodukte von Hessler zum Einsatz:

  • Wandaufbau innen: Dämmputz HP 9SL I, ca. 9 cm in 3 Lagen, Deckputz HP90
  • Fachwerk (Gefache): Vorspritz HP9 VM, Grundputz HP9 KH bis zu 3 Lagen, Deckputz HP9 KH, abgetönt mit Französisch Ocker-Pigmenten von Kremer
  • Sockel: Dämmputz HP 9SL I, Hessler ca. 9 cm in 3 Lagen, Deckputz HP90

Weitere Informationen zu den Produkten:

www.hessler-kalkwerk.de


Andreas Eith, Stuckateurmeister

Für sieben bis acht Quadratmeter
haben wir 30 Säcke Dämmputz gebraucht. Das ist eine Menge Material

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