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Innendämmung aus Leichtlehm und Kalkputz für das Giebelhaus

Innendämmung
Behaglich mit Lehm und Kalk

Über 400 Jahre ist das sogenannte Giebelhaus in Mecklenburg-Vorpommern alt. Bei seiner Sanierung erhielt das mit Mauersteinen bzw. Lehmstaken ausgefachte Fachwerk eine sich dem unregelmäßigen Untergrund anpassende Innendämmung aus Leichtlehm. Die Mauerwerke der Giebelseiten erhielten innen einen Kalkdämmputz.

Autor / Fotos: Achim Pilz

Die Stadt Parchim zählte um 1600 neben Rostock und Wismar zu den bedeutendsten Handelsstädten im Herzogtum Mecklenburg. Das dreischiffige Giebelhaus gehört zu den ältesten erhaltenen Bürgerhäusern der Stadt. Das Geschäftshaus mit vierstöckigem Speicherboden wurde zwischen 1601 und 1604 in Geschossständerbauweise errichtet. Das hochwertige Fachwerk ist weitgehend aus der Erbauungszeit erhalten. Dem Fachwerk vorgeblendet ist ein repräsentativer ziegelsichtiger Ziergiebel im Stil der flandrischen Renaissance. Nach Jahren des Leerstands wurde das Giebelhaus ab 2018 umfassend unter denkmalpflegerischen Aspekten saniert. Vorher wurden Details seiner Bau- und Nutzungsgeschichte sowie seine Farbigkeit dokumentiert. Gefunden wurde u. a. ein bauzeitliches geschnitztes Zierholz auf der ganzen Länge der Ostseite eines Raumes und eine zeittypische Begleitstrich-Malerei.

Arbeiten an der Fassade

Zum Hof wurden wenige angegriffene Ziegelsteine der mindestens 24 Zentimeter starken Wand einzeln ausgetauscht und die Fugen partiell ausgebessert. Auf der Ostseite waren die Ausmauerungen einiger Gefache locker, das Fugenbild war schlecht. Die Ziegel in Zierformatverbänden wurden deshalb zum Großteil aus- und wieder eingebaut. Dabei wurde auch das Fachwerk partiell ausgebessert. Das Fachwerk der Westseite zum Nachbarhaus ist mit Lehmstaken gefüllt. Von außen wurde es nur farblich neu gefasst.

Die energetische Ertüchtigung sollte „materialgerecht mit traditionellen Baumaterialien im Verbund“ geschehen, wie es der erfahrene Denkmalsanierer Frank Kirsten von MKK Architekten aus Schwerin formuliert. Außerdem sollte möglichst wenig Fläche beansprucht werden. Die Planer wählten zwei mineralische Innendämmungen wegen ihres robusten bauphysikalischen Verhaltens und der Stimmigkeit zu den alten Bauteilen: einen Blähtonleichtlehm von Claytec im BigBag mit 0,21 W/(m·K) Wärmeleitfähigkeit und den Kalkdämmputz Tri-O-Therm M von Akurit aus dem Silo mit 0,055 W/(m·K) Wärmeleitfähigkeit. Diese feuchtepuffernden Produkte fördern ein ausgeglichenes Raumklima sowie Schimmelfreiheit durch Erhöhung der Oberflächentemperatur und kapillarem Verteilen von eventuellem Kondensat. Dank ihrer Schadstofffreiheit sind sie zudem wohngesund.

Innendämmung mit Leichtlehm

Die Längsseiten aus starkem Fachwerk und 11,5er Ausmauerung erhielten eine fachwerkverträgliche Leichtlehm-Innendämmung. Der Lehm hält das Holz trocken und verteilt durch Fugen zwischen Fachwerk und Ausfachung eindringende Feuchtigkeit, sodass sie nach innen und außen einfach wieder abtrocknen kann. Martin Appel von der Firma Putze und Sanierungsarbeiten in Matzlow führte mit drei Mitarbeitern alle Putzarbeiten aus. Für die Innendämmung mit Blähtonleichtlehm fertigten sie zuerst eine Unterkonstruktion aus Holzlatten mit 15 bis 25 Zentimetern Abstand vom Mauerwerk, um die Wand wieder lotrecht zu stellen. Darauf tackerten sie Schilfmatten relativ eng. „Das muss das Stampfen und das Gewicht des Putzes aushalten“, erklärt Appel. Die Schilfmatten zogen die Handwerker lagenweise hoch und verdichteten dann die grobe Lehmmischung nach unten. „Wir haben mit einem Handstampfer aus Eisen gestampft“, erinnert sich der Fachmann Martin Appel. Je nach Raumnutzung schraubten sie stabile Holzbretter als Untergrund für Befestigungen auf den Sockel oder eine Zone für Hängeschränke. Die letzten 15 Zentimeter am Deckenanschluss stampften sie zur Wand hin und befestigten das Schilf danach.

Im Sommer stand die Lehmdämmung drei bis vier Wochen. „Das reichte nicht aus, um ganz zu trocknen. Aber da wir mit Lehm darüber gearbeitet haben, konnte es danach weiter trocknen“, erklärt Appel. Es folgte ein grober Lehm-
unterputz von Baumit, der zwei bis drei Tage trocknete, ehe ein Feinputz aufgebracht wurde, in den die Handwerker ein 4 x 4 Glasfasergewebe einarbeiteten und abschließend eine weitere Schicht Feinputz. Diesen rieben sie mit dem Filzbrett ab. Inzwischen war es Herbst und ein Luftentfeuchter wurde eingesetzt. Die Maler strichen zuletzt mit einer diffusionsoffenen Mineralfarbe.

Innendämmung mit Kalk

Die massiven Klinkerwände der Giebelseiten verputzten die Stuckateure mit einem etwa sechs Zentimeter starken Kalk-Dämmputz mit Kalkzement als Bindemittel und Zuschlägen aus mineralischem Blähton. Sie trugen ihn in zwei bis drei Lagen auf. Bereits nach zwei bis drei Stunden überarbeiteten sie die vorherige Lage. Nach dem Aufrauen mit dem Gitterrabot ließen sie ihn ca. 12 Tage aushärten und behandelten ihn dann mit einem mineralischen Tiefengrund. Sie brachten den Armierungsputz auf, in den sie das Armierungsgewebe einbetteten. Mit einem dünnschichtigen Kalkspachtel und einer diffusionsoffenen Mineralfarbe schlossen sie den Aufbau ab. „Wir sind mit dem Ergebnis optisch sehr zufrieden“, freut sich Architekt Kirsten.

Schaufenster in die Rekonstruktion

In der alten Diele, an der Stelle des neuen Büros, hatte der Restaurator Reste der bauzeitlichen Begleitstrich-Malerei gefunden. Die Architekten ließen sie dort rekonstruieren und erzählen somit die Geschichte des Gebäudes. So ist das Giebelhaus heute dem Rathaus wieder ein stimmiges Gegenüber und belebt den historischen alten Markt.


PraxisPlus

Bautafel Giebelhaus Parchim:

  • Baujahr: 1604
  • Sanierung: 1902 (neue Straßenfassade), 2018-2020
  • Planung: Frank Kirsten, Ines Junker für MKK Architekten, Schwerin / Anja Lemke, Lemke-Uphaus GmbH, Parchim
  • Ausführung Putze: Martin Appel Putze und Sanierungsarbeiten, Matzlow
  • Bauhistoriker: denkmalANKER Büro für Bauforschung und Kulturvermittlung, Jakob Kayser M.A., Schönfeld
  • Restaurator: Dipl. Restaurator (FH) Matthias Bresin

Ein Video über das Giebelhaus Parchim finden Sie hier:

www.bit.ly/39goDCV

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