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Mit Lehmbaustoffen Fachwerkbauten restaurieren und modernisieren

Bautenschutz & Denkmalpflege
Fast wie früher

Zahlreiche Bauschäden, die an historischen Fachwerkhäusern durch den Einsatz „moderner“ Materialien verursacht wurden, haben in den letzten Jahren zur Rückbesinnung auf ursprüngliche Bauweisen geführt. Dabei kommt dem Baustoff Lehm zur Ausfachung eine bedeutende Rolle zu. Doch mit Lehmbaustoffen lassen sich Fachwerkbauten nicht nur authentisch restaurieren, sondern auch modernisieren.

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl | Fotos: Claytec

Bis in die 80er-Jahre hinein war die Wertschätzung alter Baustoffe nur wenig ausgeprägt. „Moderne“ Materialien wurden als Problemlöser gefeiert und bedenkenlos auch an historischen Bauten, wie etwa Fachwerkhäusern, eingesetzt. Die Folgen waren fatal: Es kam zu Bauschäden, die innerhalb kurzer Zeit das bauliche Erbe von Jahrhunderten zunichte machten.

Mit Lehm-Baustoffen Fachwerkbauten restaurieren und modernisieren

Seit einigen Jahren findet deshalb eine Rückbesinnung auf authentische Bauweisen statt. Schaut man sich alte Gefachausmauerungen an, so stellt man fest, dass neben Flechtwerken immer kleinformatige Steine (z. B. weichgebrannte Ziegelsteine oder Lehmsteine) und weiche Mörtel (meist Lehm) verwendet wurden. Die Erklärung für diese Wahl liegt auf der Hand: Während das Fachwerkholz ständig in Bewegung ist, verhält sich die Gefachausmauerung relativ starr. Das Zusammenspiel von kleinen Steinen und weichem Mörtel vermag den Bewegungen am ehesten „nachzugeben“. Auch wenn sich Risse zwischen Mörtel und Holz aufgrund des unterschiedlichen Dehn- und Schwindverhaltens niemals ganz vermeiden lassen, so können zumindest Risse innerhalb des Gefachs durch diese Baustoffauswahl deutlich reduziert werden, wodurch eindringendem Wasser nicht unnötig „Tür und Tor“ geöffnet wird. Darüber hinaus besitzt Lehm ein ausgewogenes Wasseraufnahme- und -abgabevermögen, wodurch die Holzbalken zusätzlich trocken gehalten werden.

Wie saniert man Gefache richtig?

Grundsätzlich sollte sich das Material für die Gefachsanierung möglichst genau am Bestand orientieren. In der Regel sind vier verschiedene Arten der Ausfachung unter verputztem Fachwerk anzutreffen: Vermauerungen aus Feld- oder Lesesteinen mit Lehm, die Ausfachung mit Back- oder Lehmsteinen, ein Geflecht aus Weichholzruten und so genannten Staken oder ein Spalier aus Staken. Bei allen vier Arten spielt Lehm eine Rolle – sei es als Putz oder (Mauer-)Mörtel oder beides zugleich. Die für die Reparatur notwendigen Materialien werden von Lehmbaustoffherstellern angeboten. Diese stehen dem Handwerker während der Sanierungsarbeiten auch beratend zur Seite. Dennoch ist es von Vorteil, sich mit der Fachwerksanierung allgemein sowie mit der Verarbeitung der Lehmbaustoffe grundlegend vertraut zu machen. Am besten geschieht dies in Seminaren.

Gefachreparatur und -erneuerung

Meist wurden die Gefache aus einem Stroh-Lehmgemisch auf einem hölzernen Flechtwerk errichtet. Das Flechtwerk, so ist auf Wikipedia zu lesen, habe der Wand gar ihren Namen gegeben: Der Ausdruck Wand komme von „winden“, also flechten. Getrocknete Lehmsteine wurden dagegen eher selten verwendet und mit gebrannten Ziegeln wurde nur dann gearbeitet, wenn man sich diese leisten konnte bzw. falls diese überhaupt verfügbar waren.

Ein Flechtwerk besteht aus den sogenannten Staken – meist stabilen Latten oder Ästen aus Eichenholz – und flexiblen Weichholzruten (z. B. Weidenruten, Haselnussruten), die um die Staken gewunden werden. In einigen Regionen wurden auch Strohlehmzöpfe um die Staken gewunden. Das fertige Flechtwerk wird anschließend außen und innen mit Strohlehm überzogen. Auf der Außenfläche muss der Strohlehm aufgeraut und die Anschlussfugen zu den Fachwerkbalken müssen ausgekratzt werden. Dies ist wichtig, damit der Kalkputz später sicheren Halt findet und kein Wasser in den Randbereichen des Gefachs vom Lehm aufgesogen wird. Gut geeignet sind hier Putze nach historischen Vorbildern, also rein kalkgebundene Putze mit groben Sandanteilen. Die Zugabe von Tierhaaren zum Putz dient außerdem als Armierung. Hydraulische Zusätze dagegen machen den Mörtel hart, zementgebundene Putze sind ausgeschlossen. Im Innenbereich kann der Strohlehm mit einem Lehmputz überzogen werden. Zur Farbgebung eignen sich im Außenbereich Kalkfarben, im Innenbereich können alternativ auch Lehmfarben oder farbige Lehmputze zum Einsatz kommen.

Wickelstaken werden schon vor dem Einbau mit Strohlehm umwickelt. Nach dem Einbau wird der Strohlehm nur noch “aufgefüttert“ und kann dann wie oben beschrieben verputzt werden.

Sowohl Flechtwerk als auch Wickel-staken sind meist auch nach vielen Jahrhunderten noch gut erhalten. Bewegliche Staken können einfach wieder fixiert werden. Auch neue Strohlehmaufträge wirken stabilisierend. Der Austausch von Staken oder Ruten ist dagegen oft nur unter großem Substanzverlust durchführbar und sollte deshalb nur vorgenommen werden, wenn es unbedingt nötig ist. Die Lehmhersteller bieten hierfür Staken, Ruten und einige (z. B. Claytec) sogar vorgefertigte Wickelstaken an.

Neuausfachung

Wenn die alte Ausfachung tatsächlich nicht mehr haltbar ist, bleibt oft nur eine Neuausfachung. Heute wird aus Kostengründen häufig die Ausfachung mit vorgefertigten Lehmbausteinen den historischen Ausfachungstechniken vorgezogen. Doch auch bei gemauerten historischen Gefachen, kann die Stabilität einer Ausfachung durch den Austausch einzelner Steine stark beeinträchtigt werden, weshalb eine Neuausfachung oftmals vorzuziehen ist. Die Vorgehensweise einer kompletten Neuausfachung ist bei Lehm- oder Backsteinen gleich. Das Holz sollte vor der Ausmauerung nicht mehr als 16 Prozent Feuchtigkeit aufweisen. Zunächst werden in den Gefachen an allen Seiten Dreiecksleisten an den Holzbalken montiert. Diese Leisten dienen der Verbindung zwischen Fachwerkbalken und Mauerwerk, da ältere Ausmauerungen dazu neigen, aus dem Holzfach herauszukippen.

Lehmsteine gib es in verschiedenen Ausführungen. Claytec etwa bietet leichte Lehmsteine mit Holzhäckselanteilen in verschiedenen Formaten (je nach Größe der Ausfachung) zum Ausmauern von Fachwerk mit Lehmmörtel an. Diese Steine sollten im Außenbereich mit einem Kalk-Außenputz versehen werden. Im Innenbereich kann ein Lehmputz eingesetzt werden. Wichtig ist, dass die Fugen des Lehmsteinmauerwerks auf der Außenseite vor dem Verputzen scharfkantig ausgekratzt werden. Nur so ist ein sicherer Verbund von Kalkputz und Lehmstein gewährleistet.

Soll das Gefach nach dem Ausmauern von außen verputzt werden, ist zu beachten, dass die Steine um die Putzstärke im Fachwerk zurückversetzt werden. Denn der Außenputz sollte bündig mit dem Fachwerk abschließen statt dieses kissenförmig zu überragen. Sonst kann sich Feuchtigkeit auf der Oberkante stauen. Ein Kellenschnitt entlang des Holzes verhindert außerdem, dass der Putz bei Bewegungen des Holzes un-
kontrolliert reißt.

Komfort im alten Fachwerkhaus

Eine Außendämmung kommt bei einem sichtbaren Fachwerk auf der Außenseite nicht infrage. Dennoch möchte man heute auch in historischen Gebäuden nicht auf Wohnkomfort verzichten. Bei historischem Fachwerk ist in der Regel nur die glatt gezimmerte Außenseite sichtbar, die sogenannte „Bundseite“. Die Balkenrückseiten auf der Innenseite haben dagegen unscharfe „Waldkanten“. Zusätzlich können Versprünge durch unterschiedliche Holzstärken von Pfosten und Riegeln verursacht sein. Die Wände wurden darum schon vor Jahrhunderten – nicht nur wegen der Optik – von innen flächig verputzt: gleichzeitig wurden sie dadurch winddicht und hielten die Wärme. Um den Wärmeverlust weiter zu verringern, kann heute zusätzlich eine Innendämmung angebracht werden. Mineralwolle oder Polystyrol sind für die Innendämmung von Fachwerkhäusern jedoch ungeeignet. Die Tauwasserzone befände sich auf der Innenseite der Fachwerkwand, was Feuchteschäden an der Tragkonstruktion begünstigen würde. Bewährt haben sich stattdessen Holzfaserdämmplatten, die mit Lehmmörtel an die Innenseite der Außenwände geklebt werden. Die Platten nehmen in gewissem Umfang Verformungen der Holzkonstruktion auf. Das Rissrisiko für den nachfolgenden Innenputz wird dadurch minimiert.

Weisen die Außenwände innen große Vor- und Rücksprünge auf oder sind Installationen notwendig, kann mit einer Innendämmschale gearbeitet werden. Diese kann z. B. mit Lehmsteinen vor die Außenwand gemauert werden. Der Hohlraum zwischen neuem Mauerwerk und alter Wand wird mit leichtem Lehmmörtel verfüllt. Oder man setzt ein Lattengerüst mit Abstand vor die Innenfläche der Außenwand, bekleidet dieses mit Schilfrohr und verfüllt den entstandenen Zwischenraum mit Leichtlehm (Lehm mit Blähtongranulat oder Holzhackschnitzeln).

Alle genannten Innendämmmaßnahmen können zusätzlich mit einer Flächenheizung kombiniert werden. Bei Flächenheizungen werden entweder Rohre (wasserbasierte Flächenheizung) oder Kabel (elektrizitätsbasierte Flächenheizung) in den Mörtel eingeputzt. Die Wärme wird per Strahlung in den Raum abgegeben. Dies spart nicht nur Energie sondern ist auch eine angenehme und gesunde Art zu heizen. Zugerscheinungen, Staubverwirbelungen und dadurch verursachte Verunreinigungen und Gerüche in der Luft („Staubgeruch“) werden minimiert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Heizkörpern ist die Flächenheizung quasi unsichtbar und nimmt keine Stellfläche weg – vor allem in eher engen historischen Gebäuden ein entscheidender Vorteil.

Mehr zur Gefachsanierung unter bit.ly/3iZkQgM



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