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Risssanierung

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Risssanierung

Risse sind ein Dauerthema. Immer wieder kommt es zu Missverständnissen und Streitigkeiten zwischen den Vertragspartnern.

Folgende kleine Übersicht soll anregen, bei Rissproblematiken schneller und zielgerichteter eine Lösung zu finden.

Schon in der Planungsphase einer Risssanierung sollte das Augenmerk auf die Schadensursachen gerichtet werden, um spätere Missverständnisse in der Ausführung zu vermeiden. Der Wunsch des Bauherren, eine optisch ansprechende und rissfreie Putzfläche zu erhalten, und die immer kürzer werdenden Ausführungszeiten lassen aber leider allzuoft keine Zeit zur Ergründung der eigentlichen Ursachen. Auch die Tatsache, dass eine gänzlich rissfreie Ausführung bei Handarbeit generell nicht möglich ist, wird aufseiten der Bauherren und Auftraggeber oft nicht akzeptiert.

Einzelne kleine Risse (Haarrisse) sind im begrenzten Umfang jedoch zulässig, wenn diese weder den optischen noch den technischen Wert einer Putzfläche beeinträchtigen. Der optische Wert einer Fassade oder Innenfläche wird nur dann beeinträchtigt, wenn sich die Risse bei Betrachtung mit einem gebrauchsüblichen Abstand und Blickposition störend abzeichnen und die Putzfläche dabei eine besondere gestalterische oder repräsentative Bedeutung hat. Wird durch das Rissbild der Schlagregenschutz des Mauerwerks, des Putzes und des Anstriches beeinträchtigt, liegt dagegen ein technischer Mangel vor.

Beurteilung und Einschätzung

Für die Beurteilung und Einschätzung von Fassaden oder Putzflächen im Innenbereich sollten Hohlstellen und Risse mit ihren Rissbreiten dokumentiert werden. Oft reicht dazu ein Foto, in das der Schaden eingezeichnet werden kann. Mit einem Rissvergleichsmaßstab ist die Ermittlung der Rissbreite vor Ort kein Problem. Hohlstellen sind durch Abklopfen der Flächen zu lokalisieren. Vergleicht man die Rissbilder, einschließlich der ergänzenden Informationen – mit entsprechend in Normung und Merkblättern dokumentierten Rissbildern – lässt sich die Rissursache oftmals eingrenzen und bestimmen. Die nachfolgenden Skizzen zeigen einige typische Rissmöglichkeiten.

Im WTA-Merkblatt (2–4 Ausgabe: 8.2008/D, Beurteilung und Instandsetzung gerissenr Putze an Fassaden) findet man hilfreiche Informationen, wie die Ursachen zu ermitteln und zu beurteilen sind, ob aufgetretene Risse einen technischen oder optischen Mangel darstellen, wie der Untergrund vor einer Instandsetzung zu prüfen und welches Instandsetzungssystem auszuwählen ist (Tabellen dazu finden Sie als Download auf der Malerblatt-Homepage unter www.malerblatt.de). Das WTA-Merkblatt gibt dazu Hinweise auf die typischen Rissmerkmale. Auch werden dort Verfahren zur Instandsetzung von Einzelrissen (Verfahren E) erläutert sowie Verfahren zur flächigen Instandsetzung (Verfahren F) dargestellt. Anhand von Tabellen kann bei den oben aufgeführten wesentlichen Merkmalen der geschädigten Flächen ein entsprechend geeignetes Verfahren ausgewählt werden.

Der Einsatz von rissüberbrückenden oder rissfüllenden Beschichtungssystemen hat unter anderem zur Hinterfeuchtung und Schädigung der Putze im Rissbereich und darüber hinaus geführt, daher wurde die Anwendbarkeit der verschiedenen Systeme von den Materialeigenschaften der Beschichtungen abhängig gemacht.

Flächige Sanierungsverfahren werden bei hohen technischen und optischen Anforderungen sowie bei hoher Witterungsbeanspruchung angewendet. Auf diese Weise können eine große Anzahl von Rissen und weiter zu erwartende Rissbildungen abgedeckt werden.

Mit einem Rissvergleichsstab ist die Ermittlung der Rissbreite vor Ort kein Problem.


Typische Rissmöglichkeiten

Mögliche Ursachen für putzgrundbedingte Risse:

  1. unsachgemäße Vermörtelung, mangelhafter Mauermörtel
  2. geringes Überbindemaß, Fuge auf Fuge
  3. ungeeigneter Rollladen- kasten, zu unterschiedliche Putzuntergründe

 

Mögliche Ursachen für bauwerksbedingte Risse:

  1. Formänderung der Decke
  2. Schwindung des Mauerwerks
  3. Formänderung des Mauerwerks
  4. unterschiedliche Lastabtragung/Kerbspannung
  5. Einwirkung vom Dachstuhl, Mauerwerksschwächung

 

Putzbedingte Risse:

  1. Schwindrisse
  2. Sackrisse
  3. Spannungsrisse

Unterschiedliche Systeme

Bei den Instandsetzungsverfahren werden mineralische und organisch gebundene Systeme unterschieden, welche in Abhängigkeit vom Unterputz (Bindemittelart und Festigkeit) auszuwählen sind.

Aus diesem Grund sollten die Verfahren F1 bis F3 der Tabelle betrachtet werden. Rissüberbrückende organische Beschichtungssysteme (F1) sind oft sehr dampfdicht, d.h., sie weisen einen hohen Diffusionswiderstand gegenüber Wasserdampf oder Kohlendioxid auf. Somit sind diese Beschichtungen für kalkreiche Putze der Festigkeitsklasse CS I und CS II gegebenenfalls ungeeignet. Weiterhin darf dann – auch auf einem ausreichend festen Untergrund (ab CS III) – keine Hinterfeuchtung eintreten, da es sonst zu Schäden kommen kann. Neueren Systemen, die trotz einer guten Dehnfähigkeit auch noch gute Dampfdurchlässigkeiten aufweisen, sollte dabei der Vorzug gegeben werden.

Das Verfahren F5 „Mineralischer Armierungsputz und mineralischer Oberputz“ hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut bewährt und wird im Vergleich zu den früheren Angaben mit einer doppelt so hohen Leistungsfähigkeit gesehen. Daher kann man es heute als sichere Rissüberbrückung von Rissen mit Rissbreitenänderungen von ca. ± 0,2 mm einsetzen. Gleichzeitig eignet es sich für die Überarbeitung tragfähiger, auch kalkreicher (CS II) Altputze. Organische Oberputze sind bei ausreichend festem Untergrund (mind. CS III) möglich, jedoch muss man die Aussagen des Herstellers beachten, da es vereinzelt Ausnahmen geben kann. Zur Überarbeitung von Fassaden mit Stein-Putz-Rissen hat sich dieses Verfahren ebenfalls besonders bewährt.

Ursachenforschung

Um eine geeignete Maßnahme zur Sanierung einer gerissenn Fassade festlegen zu können, ist die Kenntnis der Rissmerkmale und der daraus ableitbaren Ursachen von wesentlicher Bedeutung. Die genannten Merkmale der verschiedenen Rissformen sind in der Praxis relativ einfach wiederzuerkennen. Lassen sich vor Ort die Rissbilder nicht so einfach einordnen bzw. treten sehr große Rissbreiten auf, dann sollten die Rissursachen mit einem höheren Aufwand, ggf. auch durch einen Sachverständigen, ermittelt und bewertet werden. Nicht zuletzt können natürlich auch die Technikabteilungen der betreffenden Hersteller hinzugezogen werden.

Weitere Hilfestellungen zur Mauerwerkssanierung sind unter anderem:

  • BFS – Merkblatt Nr. 19 „Risse in Außenputzen – Beschichtung und Armierung“ und Nr. 19.1 „Risse in unverputztem und verputztem Mauerwerk, in Gipskartonplatten und ähnlichen Stoffen auf Unterkonstruktionen – Ursachen und Bearbeitungsmöglichkeiten“ Herausgeber: Bundesausschuss Farbe und Sachwertschutz e.V.
  • Information Edelputz Nr. 20 „Instandsetzung und Modernisierung von Fassaden mit mineralischen Edelputzen“ Herausgeber: Bundesverband der deutschen Mörtelindustrie e.V.
  • WTA Merkblatt 4–5–99/D, Beurteilung von Mauerwerk – Mauerwerkdiagnostik
Stefan Walla, Baumit
Abbildungen: Baumit
Quelle: Malerblatt 09/2013
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