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Horizontale Beschichtung mit einem Lackierscharnier

Lackierscharnier
Bequem im Stehen

Türblätter und Fensterläden im Liegen lackieren war gestern. Ein Lackierscharnier ermöglicht die horizontale Beschichtung der Bauteile – und bringt viele Vorteile mit sich. Welche das sind, erfahren Sie hier.

Autorin: Susanne Sachsenmaier-Wahl | Fotos: KBTech

Türen, Fenster oder Fensterläden vor Ort zu lackieren, kann ganz schön umständlich sein. Belässt man das Türblatt oder den Fensterladen/-flügel an seinem angestammten Platz, nämlich dem Scharnier, sind vor allem die Falzbereiche schwer zu erreichen, aber auch die Unterkante und bisweilen die Oberkante des Bauteils bereiten Probleme bei der Beschichtung. Häufig werden Türblätter oder Fenster(laden)flügel deshalb ausgebaut und auf Böcken im Liegen beschichtet.

Nachteile horizontaler Beschichtung

Diese Beschichtungsmethode erscheint auf den ersten Blick bequemer und einfacher – bietet aber auch eine Reihe von Nachteilen. Zunächst beansprucht die horizontale Verarbeitung deutlich mehr Platz und dieser ist nicht auf jeder Baustelle vorhanden. Insbesondere dann, wenn mehrere Türen und/oder Fenster saniert werden sollen, kann es schnell mal eng werden, denn die frisch gestrichenen Bauteile müssen ja bis zur vollständigen Durchtrocknung liegen bleiben. Erst dann kann auch die zweite Seite bearbeitet werden. Sollten sich bei der Beschichtung der ersten Seite Fettkanten in den Übergangsbereichen gebildet haben, können diese nach der Trocknung nicht mehr mit Pinsel oder Rolle verschlichtet, sondern müssen mühsam abgeschliffen werden. Und selbstverständlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Staubkörner im frischen Lack absetzen, beim horizontalen Beschichten um ein Vielfaches höher als beim vertikalen.

Türen streichen leicht gemacht mit Lackierschranier

Auch der Maschinenbauer Klaus Braun aus Forbach im nördlichen Schwarzwald ging mit wenig Freude an das Lackieren der Zimmertüren, als er 2017 sein Haus renovierte. „Die ganze Zeit habe ich das Streichen und Lackieren der Zimmertüren vor mir hergeschoben, da ich wusste, wie viel Arbeit es machen würde“, erinnert sich Braun. Mit der herkömmlichen Vorgehensweise wollte sich der 65-Jährige nicht abfinden. „Ich dachte mir, das muss auch einfacher und schneller gehen.“ Also begann er zu tüfteln – mit der Entwicklung, Konstruktion und Fertigung von Maschinen sowie Geräten war er ja vertraut. Schließlich erkannte er, dass die Lösung ein zweites Scharnier sein könnte, das zwischen Tür bzw. Fenster(laden) und Rahmen eingehängt wird. Mit einfachen Mitteln baute er den ersten Prototyp, den er immer weiter optimierte. Heute wird die stabile Konstruktion in Leichtbauweise gefertigt. Trotz des geringen Eigengewichts von nur 1,6 Kilogramm ist das Lackierscharnier, so nennt Braun sein Produkt, mit bis zu 40 Kilogramm belastbar.

Das Lackierscharnier wird mittels Ösen in die bestehenden Scharniere des Tür- oder Fensterrahmens eingehängt. Auf der anderen Seite des Lackierscharniers, das auf den ersten Blick wie eine einfache Metallstange aussieht, befinden sich höhenverstellbare Aufnahmezapfen, in die wiederum das Türblatt bzw. der Fensterladen/-flügel eingehängt werden kann. Durch den so gewonnenen Abstand zur Zarge und zum Boden lässt sich das Bauteil mühelos von allen Seiten streichen. Zwischentrocknungen sind überflüssig, angetrocknete Lacküberlagerungen in den Kantenbereichen gehören der Vergangenheit an. Die senkrechte (und platzsparende) Position verhindert zudem Staubablagerungen.

Nicht nur für die Baustelle

Auch wenn Klaus Braun selbst kein Maler ist und seine Erfindung zunächst aus dem Blickwinkel des Heimwerkers entstanden ist, so bietet sie auch – oder gerade – dem Malerprofi eine Erleichterung bei der täglichen Arbeit. Damit die Vorteile des Lackierscharniers nicht nur auf der Baustelle genutzt werden können, hat Braun seine Erfindung um eine Wandhalterung ergänzt. Diese wird an der Werkstatt- oder Lackierkabinenwand befestigt und schon kann die „vertikale Werkbank“ genutzt werden – dank der Höhenverstellung in ergonomischer Haltung. Und damit auch Bauteile mit Scharnierpunkten eines geringeren Durchmessers (etwa Gartentore, Türen von Einbauschränken) mithilfe des Lackierscharniers bearbeitet werden können, bietet Braun auch Winkelkonsolen mit fünf Millimeter-Aufnahmezapfen an.

Aktuell werden das Werkzeug sowie die Erweiterungen in regionalen Fachmärkten vertrieben sowie im eigenen Online-Shop.

Weitere Informationen:
www.lackier-scharnier.de

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