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Blähglas zaubert neue optische Effekte an die Wand

Granulat aus Blähglas für optische Effekte
Ein Füllstoff spielt die Hauptrolle

Bei einer neuen Produktlinie für die kreative Wandgestaltung spielt Granulat aus Blähglas eine bedeutende Rolle. Während es den meisten Malern und Stuckateuren als funktioneller Leichtzuschlag bekannt ist, der über sehr gute Wärme- und Schalldämmeigenschaften verfügt, sorgt das Granulat aus Recyclingglas nun für optische Effekte.

Susanne Sachsenmaier-Wahl

Es war ein glücklicher Zufall, dass Jörg Matthes auf das Granulat aus kleinen Glaskügelchen aufmerksam wurde. 2009 hatte er eine Einladung zur European Coatings Show in Nürnberg angenommen. An einem Messestand entdeckte er das Ganulat aus Blähglas und ahnte, dass in diesen Kügelchen mehr Potenzial steckte, als Putze leichter zu machen. Kurz darauf begann er mit dem Material zu experimentieren.
Am 17. November 2016 wurde Jörg Matthes nach sechs Jahren das Patent für sechs Oberflächenbeschichtungen erteilt. Zur Patentanmeldung hatte ihm der Rohstofflieferant während seiner ersten Experimente 2010 geraten. Zu Recht, weiß Matthes heute, denn er hat schon einige Angebote von größeren Farbenproduzenten erhalten, die seine Erfindung haben möchten. Doch die will er nicht hergeben. Stattdessen hat der Unternehmer aus dem bayerischen Engelthal unter der Marke „MagicPearls“ eine ganze Effekt-Produktlinie zur Marktreife gebracht. Diese bietet er Malerbetrieben auf dem direkten Vertriebsweg an. Neben seiner Frau Lydia unterstützt ihn sein Mitarbeiter Dominik Zuber.
Die Kugel bringt die Farbe
Das erste Produkt, das beim Experimentieren mit Blähglasgranulat entstand, heißt „Buntgranulat“ oder in der Firmenbezeichnung „MagicPearls BG“. Wie der Name Buntgranulat schon erahnen lässt, bringt hier nicht – wie bei den meisten Effektmaterialien üblich – das Bindemittel den Farbeffekt, sondern die eingefärbten Kügelchen. Matthes bietet diese in 20 verschiedenen Farben an, außerdem in zwei Korngrößen (1 mm und 0,5 mm). Der Untergrund kann in jeder gewünschten Farbe vorgestrichen werden. Darauf wird das Buntgranulat appliziert, entweder in einer Farbe oder aber in mehreren Farben übereinander. Das Ergebnis lässt sich immer wieder abwandeln, bis es der Vorstellung entspricht. Den richtigen Farbton nicht zu treffen, dürfte deshalb schwer sein…
Weniger schwer, aber eben ein bisschen anders, ist die Applikation des Produkts aus Blähglas. „Die Maler arbeiten häufig mit zu viel Druck“, weiß Matthes. „Die Körner werden dadurch weggeschossen.“ Damit dies nicht passiert, schult Matthes den Verarbeiter. Neben Workshops in Meisterschulen (z. B. in Regensburg, Reutlingen, Ulm) bietet er auch exklusive Schulungen in der Werkstatt des Malers an. So kann die gesamte Belegschaft den Umgang mit dem neuen Produkt testen. Bei den Verarbeitern stößt die neue Produktlinie auf positive Resonanz. Matthes kennt den Grund dafür: „Wir wollen wieder Einfachheit erreichen. Der Maler soll Sonderflächen erstellen können, ohne fünfmal auf eine Baustelle fahren zu müssen.“ Und das ist bei seinen Produkten durch wenige Arbeitsgänge und schnelle Überarbeitbarkeit gewährleistet.
Verschiedene Varianten
Neben dem Erstlingsprodukt BG werden sechs weitere Varianten angeboten. Beim Auftrag des Produkts „MagicPearls SL“ (SL steht für Strukturlasur) entstehen, anders als bei der zuvor beschriebenen Variante BG keine Multicolor-Inselchen. Hier ist die gesamte Beschichtung (nicht nur die Kügelchen) in jedem beliebigen Farbton abtönbar. Dort, wo sich das Rundgranulat zufällig auf dem Untergrund ansammelt, bilden sich einfarbige, dunklere Inseln. Gold- oder andere Effektüberzüge verleihen zusätzliche Lebendigkeit. „Bei dieser Variante darf die Wand nur gestreichelt werden“, ermahnt Matthes. Denn nur, wenn mit sehr wenig Druck gearbeitet wird, ergibt sich der gewünschte Effekt.
Ähnlich wie die der Strukturlasur ist die Wirkung der Quarzlasur (MagicPearls QL). Allerdings kommen hier weiße Kügelchen in einem transparenten Bindemittel zum Einsatz. Dadurch ergibt sich ein an Schneeverwehungen erinnernder Effekt. Der Untergrundfarbton bleibt sichtbar.
An Wellen erinnert eine Oberfläche, auf der „MagicPearls CL“ (CL für Cremelasur) angewendet wurde. Für dieses Produkt wurden die ganzen Kügelchen gegen pulverförmiges Granulat ausgetauscht. Die Oberfläche wirkt sanfter, ruhig und fühlt sich fast samtig an. Matthes empfiehlt für dieses Produkt einen Überzug in Gold oder Silber, da die strukturgebende Beschichtung dann plastischer wirkt.
Buntsteinputz mit XXS-Korn
Während bei den zuvor beschriebenen Produkten das Granulat jeweils nur in einem Farbton pro Auftrag zum Einsatz kommt und verschiedene Farbtöne in aufeinanderfolgenden Arbeitsschritten miteinander kombiniert werden, muss sich der Verarbeiter bei „MagicPearls GO“, einer Effektbeschichtung in Granitoptik, vorab entscheiden, welche Farbtöne er kombinieren möchte. Nahezu alle Farbzusammenstellungen sind erhältlich. Das Material wird erst gemischt, wenn der Kunde bestellt – und das in jeder beliebigen Abnahmemenge. Magic Pearls GO ist der „kleinste, leichteste Buntsteinputz“, wie Jörg Matthes sagt. Durch die besonders kleine Korngröße kommt auf einen Quadratmeter lediglich ein Gewicht von 1,3 Kilogramm. MagicPearls GO bildet im Gegensatz zu MagicPearls BG eine geschlossene Oberfläche. Da Matthes den ersten Versuch in Schwarz-Weiß ausführte, erinnerte das Ergebnis an Granit. Der Name ist geblieben, auch wenn das Produkt inzwischen in unzähligen anderen Farbkombinationen über den Ladentisch geht. Für besonders strapazierte Bereiche wird für GO ein transparenter Schutzüberzug der Nassabriebklasse 1 angeboten.
Die jüngsten Neuzugänge im Sortiment versprechen Luxus und Extravaganz. Für „MagicPearls Terras“ wählte Matthes statt Blähglasgranulat Kügelchen aus Echtglas in einer Größe von etwa einem Millimeter. Diese kommen in einer transparenten Basis zum Verarbeiter. Die Beschichtung lässt sich auf jede beliebige Untergrundfarbe auftragen. Nach dem Trocknen scheinen die Kügelchen auf der Farbe zu schweben. Der „Glasreflexions-Effekt“ ist für Streiflicht prädestiniert. Aus jedem Blickwinkel ergibt sich durch die Reflexion des Lichts ein neuer Effekt. Dabei wirkt die Fläche unaufdringlich und elegant.
Glanz und Glamour
Flippiger kommt MagicPearls Strukturlasur Effect daher. Je nach Blickwinkel wechselt der Überzug seine Farbe, z. B. von Rot nach Grün. Autolack-Kennern dürfte der Effekt bekannt sein, für Karosserien werden seit einigen Jahren sogenannte „Flip-Flop-Lacke“ angeboten. In einer Wandbeschichtung war dieser Effekt bisher nicht erhältlich. Insgesamt wird das Produkt in neun Farbwechselvarianten offeriert und kann mit 20 verschiedenen Strukturkorn-Farbtönen geliefert werden.
Um auf seine Produkte aufmerksam zu machen, geht der Patentinhaber unterschiedliche Wege. Jeden Monat versendet er Informationsmaterial gemeinsam mit einem Originalmuster in DIN A4 an etwa 100 Malerbetriebe. Diese „Kalt-Akquise“ bringt nach eigener Aussage etwa 15 bis 20 Prozent Rücklauf.
Präsentationskoffer
Um einen zusätzlichen Pull-Effekt zu erzielen, hat der Unternehmer Verarbeitungsvideos in YouTube eingestellt. Bevor nun der Aufschrei kommt, fügt Jörg Matthes hinzu: „Diese Videos dienen nicht dazu, den Endverbraucher zu schulen, sondern Appetit auf die Oberflächen zu machen.“ Verkauft werden die MagicPearls-Produkte nämlich ausschließlich an Malerbetriebe. Für Malerbetriebe, die die Produkte in ihr Angebotsspektrum aufnehmen möchten, bietet Matthes Musterkoffer mit Originalmustern gegen eine Schutzgebühr an. Diese sollen dem Maler die Beratung und den Verkauf der Oberflächen erleichtern.

praxisplus
Interessierte Maler können Informationsmaterial anfordern bei:
Farben Matthes OHG
Gewerbepark 1
91238 Engelthal
Tel.: (09158) 9282135/Fax: 9289392
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