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Damit nichts durchschlägt!

Technik
Damit nichts durchschlägt!

Untergründe, deren Oberflächen Flecken und Verfärbungen aufweisen, zählen zu den besonderen Herausforderungen im Maleralltag. Damit durch Nikotin, Fett, Ruß oder andere Stoffe verursachte Flecken nicht durchschlagen, ist eine Beschichtung mit isolierender Wirkung erforderlich. Doch Standardlösungen gibt es hier nicht. Der dritte Teil der Malerblatt-Serie zur Untergrundprüfung widmet sich dem Thema Isolierbeschichtungen und zeigt auf, dass es nicht nur auf das passende Absperrmittel ankommt, sondern auch auf das „Gewusst-wie“.

Johannes Gerdes

Nikotin, Fett, Ruß, Wasser, Holzinhaltsstoffe und der Schmutz von Insekten – all diese Stoffe können zu Flecken und Verunreinigungen führen, die auch nach einer Beschichtung auf der Oberfläche noch sichtbar sind oder nach gewisser Zeit wieder sichtbar werden. Selbst mit weiteren Beschichtungsgängen ist das gewünschte, unverfärbte Oberflächenbild meist nicht zu erreichen. Ob es sich hierbei um durch Schäden an Gebäudeteilen verursachte Wasserflecken, Fettrückstände in Gastronomie- und Küchenbereichen, Nikotinverseuchungen in Raucherräumen, Ablagerungen in Industriehallen, Brandschäden, Schmierereien mit Wachsstiften oder durch natürliche Holzinhaltsstoffe wie Gerbstoffe verursachte Flecken handelt – „normale“ wasserbasierte Wandfarben und Lacke bieten in aller Regel keine ausreichende Sicherheit, um derartige Flecken und Verunreinigungen zu isolieren. Vielmehr dringt das in der Beschichtung enthaltene Wasser in den Untergrund ein, löst dort Stoffe und transportiert diese durch den Beschichtungsfilm, wo sie als Flecken und Verfärbungen an der Oberfläche durchschlagen. Um diesem „Durchschlagen“ sicher entgegenzuwirken, müssen Absperrmittel eingesetzt werden.
Absperrmittel
Absperrmittel, auch als Isoliergrund, Isolierfarbe oder Sperrgrund bezeichnet, sind Voranstriche, die die Einwirkung von Stoffen aus dem Untergrund auf eine Beschichtung oder zwischen einzelnen Schichten eines Systems verhindern sollen. Früher galt die Annahme: Nur lösemittelhaltige Absperrmittel isolieren. Doch es ist weniger die Absperrwirkung der Beschichtung, die für ein unverfärbtes Oberflächenbild sorgt, sondern vielmehr die geringe Löslichkeit der fleckenverursachenden Substanzen gegenüber organischen Lösemitteln. Bereits vor der VOC-Verordnung war der Gesetzgeber bestrebt, die Verwendung von flüchtigen, organischen Verbindungen zu minimieren. Zugleich sind es auch die Bauherren, Planer (DGNB-Zertifizierung) und Nutzer, die mehr und mehr lösemittelarme bzw. lösemittelfreie Beschichtungen fordern. Speziell wenn es um die großflächige Anwendung auf Wänden und Decken geht, findet die Geruchsbelastung lösemittelbasierter Grundierungen heute keine Akzeptanz mehr. Dank der Entwicklung neuer Bindemitteltechnologien und spezieller Additive stehen heute auch wasserbasierte Isolierspezialisten zur Verfügung, die nicht nur in puncto Geruchsbelastung, sondern auch durch ihre zügige Trocknung überzeugen, was im Hinblick auf kurze Ausfallzeiten insbesondere in Betrieben, Kantinen oder Schulen ein wichtiges Argument ist. Gleich nach der Renovierung können die Räume wieder genutzt werden. Das macht wasserbasierte Absperrmittel auch wirtschaftlich für den Auftraggeber interessant.
Kationische Isolierwirkung
Nikotin, Fett, Ruß, Holzinhaltsstoffe: Nahezu alle bereits genannten Flecken und Verschmutzungen sind – vorrangig im alkalischen Milieu – wasserlöslich. Die üblichen Wandfarben und wasserbasierten Lacke bieten mit einem pH-Wert von 8 bis 9 beste Bedingungen zur Löslichkeit. Dabei gilt: Je geringer der pH-Wert, desto geringer die Lösewirkung. Kationische Beschichtungen haben einen pH-Wert von etwa 5 bis 5,5, liegen somit im leicht sauren pH-Bereich. Daher kann mit diesen Produkten das Durchschlagen an die Oberfläche verhindert werden. Die Basis dieser Produkte sind Bindemittel, die mithilfe der Zugabe spezieller Additive in den Rezepturen die fleckenverursachenden Stoffe binden. Das Rezept für den Erfolg liegt also in der kationischen Isolierwirkung: Durch die spezielle Formulierung mit einem leicht sauren pH-Wert wird eine hervorragende Barrierewirkung erzielt und Nikotin, Fett, Ruß sowie Holzinhaltsstoffe haben keine Chance, in den darüberliegenden Beschichtungsfilm einzudringen.
Prüfung und Verarbeitung
Der Untergrund muss in jedem Fall fest, trocken, sauber, griffig, tragfähig und frei von Trennmitteln sein. Oberflächliche Verschmutzungen, Nikotin-, Ruß-, Öl- und Fettbeläge sind mit einem fettlösenden Uni-Reiniger zu entfernen.
Auch wenn es mit den modernen, wasserbasierten sowie emissions-, lösemittel- und weichmacherfreien Absperrmitteln Produkte gibt, die höchste Anforderungen an den Gesundheits- und Umweltschutz erfüllen – die Isolierung ist auch weiterhin ein anspruchsvolles Thema. Denn Isolierfarben sind echte Spezialisten, und die eine Standard¬lösung für alle Fälle gibt es nicht. Die Farben- und Lackindustrie bietet sowohl für Holzbauteile und Holzwerkstoffe wie auch zur Isolierung auf Wand- und Deckenflächen Absperrmittel an, die eine hohe Sicherheit mitbringen – vorausgesetzt, es werden die Hinweise zur Anwendung und Verarbeitung beachtet. Für alle Beschichtungen auf kationischer Basis gilt, dass diese unverträglich mit anderen Materialien sind und daher nicht gemischt sowie nicht oder nur geringfügig und ausschließlich nach Herstellerangabe verdünnt werden dürfen. Aus diesem Grund sollte bei der Verarbeitung auf sauberes Werkzeug und Spritzgerät geachtet werden. Außerdem sind die empfohlenen Auftragsmengen zu beachten.
Auch wenn die Oberfläche bereits trocken erscheint, kann es sein, dass der Filmbildungsprozess noch nicht abgeschlossen ist. Daher sind bei der Verarbeitung unbedingt die im Praxismerkblatt angegebenen Trocknungszeiten einzuhalten. Die Filmbildung, und damit die Isolierwirkung, kann von zu niedrigen Temperaturen und zu hoher Luftfeuchtigkeit negativ beeinflusst werden. Wenn besonders grobporige Hölzer isoliert werden sollen, kann ein zusätzlicher Anstrich erforderlich sein – das gilt vor allem bei der Spritzapplikation. Für die Renovierung von Akustikdecken braucht es entsprechend geprüfte Produkte, um die schallabsorbierenden Eigenschaften zu erhalten.
Der Beschichtungsaufbau
Für die Isolierung von Holzuntergründen empfehlen sich sogenannte Isoprimer, die wie Brillux Isoprimer 243 wasserbasiert und geruchsarm sind. Auch für die rationelle Spritzverarbeitung mit XVLP-Technologie gibt es speziell eingestellte Produkte (Hydro-PU-XSpray Isoprimer 2243). Bei sehr inhaltsstoffreichem Holz sowie an Aststellen ist eine zweifache Grundierung mit dem Absperrmittel erforderlich. Der Zwischen- bzw. Schlussanstrich kann dann im gewünschten Glanzgrad und in der gewünschten Oberflächenqualität mit unterschiedlichen Produkten erfolgen. Um optimale Ergebnisse zu erzielen, sollte die Schlussbeschichtung jedoch im Systemaufbau nach Herstellerangabe erfolgen.
Bei zu isolierenden Wand- und Deckenflächen erfolgt, falls der Untergrund es erforderlich macht, zunächst eine Grundierung mit einem auf den Untergrund optimal abgestimmten Grundiermittel. Für den Zwischenanstrich kommt dann die Isolierfarbe zum Einsatz. Je nachdem, welches Absperrmittel gewählt wurde, können die Flächen nach der Trocknung mit der Isolierfarbe fertig beschichtet oder mit Dispersionsfarben oder Tapeten überarbeitet werden. Für Schnellrenovierungsanstriche bietet der Markt spezielle Isolierfarben wie zum Beispiel Brillux Aqualoma ELF 202, die sowohl als isolierender Zwischen- und Schlussanstrich eingesetzt oder auch mit ELF-Innendispersionen, Wandbelägen usw. überarbeitet werden können.
Fazit: Erfolgreiches Isolieren von Nikotin, Fett, Ruß, Holzinhaltsstoffen und Wasserflecken setzt sowohl das entsprechende Know-how als auch die geeigneten Spezialprodukte voraus.
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