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Fassadeninstandsetzung

Technik
Fassadeninstandsetzung

Fassaden von Bestandsgebäuden werden bei der Betrachtung unsere Geschichte „lebendig“. Hier spiegeln sich das Können der Baumeister und Handwerker der Zeit, in der das Bauwerk entstanden ist. Zusätzlich erzählen sie einiges über die Art und Möglichkeiten der damals zur Verfügung stehenden Baustoffe.

Constance Brade

Als Folge von Witterungs- und Umwelteinflüssen verändert sich die ursprüngliche Zusammensetzung des Altputzbestandes im Laufe von Jahrzehnten. Bauschädliche Salze, Feuchtigkeit und mechanische Einwirkung, Alterung und auch Veränderungen der Bausubstanz – infolge Nutzungsänderungen – zeigen Auswirkungen auf den Zustand der Bausubstanz und den Zustand der Putzmörtel.
Deshalb ist es notwendig bei der Restaurierung, Renovierung und Rekonstruktion von Baudenkmälern sowie der Sanierung besonders erhaltenswerter historischer Objekte, Materialien zur Verfügung zu stellen, die den Anforderungen und Zielstellungen der Denkmalpflege entsprechen. Auf der Basis dieser Anforderungen sind spezielle Produkte mit jeweils angepassten Korn- und Bindemittel-Zusammensetzungen zu konzipieren.
Herausforderungen
Die Umsetzung individueller Lösungen stellt für alle Beteiligten eine Herausforderung dar. Im Vorfeld der Fassadeninstandsetzung sind die verschiedenen Aspekte der späteren Nutzung, der ggf. vorliegenden denkmalpflegerischen Anforderungen und der Zustand der Bausubstanz zu klären. Grundlage der Neukonzeption des zukünftigen Putzsystems bilden entsprechende Untersuchungen des Bestandputzes.
Mörteleigenschaften, die heute feststellbar sind, sind nicht mehr identisch mit den Eigenschaften des Mörtels aus der Zeit seiner Herstellung. Historische Mörtelzusätze der alten Handwerksmeister sind heute nur schwer nachweisbar. Bei gut erhaltenen alten Mörteln ist aber vom Einsatz solcher Zusätze auszugehen.
Selbst mit heutigen fortschrittlichen Methoden ist die Ermittlung der ursprünglichen Eigenschaften historischer Putze und deren Zusammensetzung nur bedingt möglich und wirtschaftlich sinnvoll. Die eingesetzten Bindemittel und Zuschläge wurden im Regelfall vor Ort gewonnen, hergestellt und eingesetzt. Bei der Erhärtung kann das Bindemittel allein oder auch in Verbindung mit dem örtlichen Zuschlag reagieren. Gerade diese Reaktionen sind heute im Detail nicht mehr oder nur eingeschränkt nachvollziehbar. Grundsätzlich lassen aber die Mörtelanalyse, das Alter der Mörtelproben und der Zustand des Altmörtels – unter Berücksichtigung seiner Lage am Objekt – Rückschlüsse auf seine ursprüngliche Zusammensetzung zu.
Neben der Entnahme von Probematerial stellt die Dokumentation des Erscheinungsbildes der Oberfläche eine entscheidende Grundlage auf dem Weg zur Nachstellung eines entsprechenden Materials dar. Das aktuelle Erscheinungsbild gibt Hinweise auf die verwendete Handwerkstechnik und die Veränderung der Struktur und Oberfläche, die im Laufe der Zeit durch Abwitterung entstand. Man kann an den verschiedenen Erscheinungsbildern der gleichen Struktur an einem Gebäude erkennen, dass jeder Handwerker seine eigene Handschrift hat, dass auch mal der Sand eine etwas andere Sieblinie hatte, dass die Mischung mal etwas bindemittelreicher oder -ärmer war. Die Nachstellung dieses vorgefundenen Erscheinungsbildes ist das wichtigste Ziel der neu zu gestaltenden Fassadenfläche.
Weiterhin sind die technischen Parameter des nachgestellten Putzmörtels an die Instandsetzungsarbeiten anzupassen. Das heißt, es können unterschiedliche Eigenschaften gefordert sein, die davon abhängen, welche Maßnahmen bei der Instandsetzung bzw. Rekonstruktion erforderlich sind. Wird als Unterputz im Außenbereich ein Sanierputzsystem WTA eingesetzt, dann muss der nachgestellte Putzmörtel wasserabweisend eingestellt sein. Wird lediglich an den Bestand angearbeitet, dann sind die Eigenschaften weitestgehend an den Bestand anzupassen. Nur so können zukünftige Schäden vermieden werden.
Handwerkskunst gefragt
Das Erscheinungsbild einer Struktur hängt stark von der Handwerkstechnik ab. Die Verarbeitung des nachgestellten Ersatzmörtels sollte also unter Anwendung traditioneller Handwerkstechniken erfolgen. Diese müssen unter Umständen auch neu erlernt werden.
Allen Beteiligten muss bewusst sein, dass sowohl die Nachstellung von Putzmörteln als auch die Anwendung traditioneller Handwerkstechniken sowohl zeitlich als wirtschaftlich aufwendiger ist. Um den vorgegebenen Kostenrahmen nicht zu überschreiten, sind geeignete Kompromisse zu finden.
So kann im Dialog mit allen Beteiligten die für das entsprechende Objekt geeignete Lösung gefunden werden. Gleichzeitig wird sichtbar, dass es für alle Seiten Grenzen in der Umsetzbarkeit gibt. Nicht alle Anforderungen können erfüllt und gleichermaßen berücksichtigt werden. Es muss vertraglich vereinbart werden, wenn man von den normativen Vorgaben bzw. den allgemeinen Regeln der Technik abweichen wird, um die Anforderungen an die Nachstellung zu erfüllen. Alle Risiken und Folgen müssen dem Bauherren bekannt sein und akzeptiert werden. Auch eventuell notwendige Abweichungen vom Befund erfordern eine entsprechende Regelung.
Stete Weiterentwicklung
Auch die Industrie ist auf der Suche nach vertretbaren Lösungen, um im wirtschaftlichen Kostenrahmen zu bleiben. Es wird geprüft, ob es durch die Auswahl passender Bindemittel, moderner Zusatzstoffe sowie werksseitiger Produktion alternative Lösungen gibt, die trotzdem die Einhaltung der meisten Anforderungen sicherstellen und zusätzlich eine Maschinengängigkeit ermöglichen. Oftmals ist der Handwerker bereit spezielle Zugaben – wie z.B. Tierhaare oder sehr grobe Körnungen – auf der Baustelle hinzuzufügen, deren Beimischung über Produktionsanlagen nicht möglich ist. Die dazu verwendeten Materialrezepturen können speziell auf diese Zugaben abgestimmt werden.
Berücksichtigt man die hier aufgezeigten Aspekte, dann ist eine denkmalgerechte Instandsetzung möglich. Dies ist aber nur gemeinsam mit Architekten, Planern, dem Ausführenden und den Denkmalämtern zu bewältigen. Viele Beispiele zeigen, wie die Sanierung gelingen kann.
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