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Handwerk und WDVS

WDVS
Handwerk und WDVS

Mit handwerklichem Geschick und der erforderlichen planerischen Sorgfalt lassen sich WDVS-Fassaden realisieren, die das Stadtbild bereichern.

Florian Guder

WDVS-Fassaden bieten besondere Gestaltungsmöglichkeiten in Form von Modellierung, Kellenwurf, Kammzug und Besenstrich. Bossierungen oder Kombinationen mit keramischen Belägen, Natursteinplatten, Glasmosaiken runden die Oberflächenvielfalt auf WDVS ab. Zu diesen Variationen kommen noch die klassischen Gesimse, Faschen- und Gurtprofile, die den Fassaden einen täuschend echten, historischen Charakter verleihen oder bewusst als moderne Komponenten an der Fassade geplant und umgesetzt werden.
Rote, blaue, grüne und schwarze Fassaden sind mittels infrarot reflektierender Pigmente auch auf WDVS möglich. Dass Schwarz wirklich Schwarz bleibt, ist der Auswahl hochwertiger, anorganischer und lichtechter Pigmente geschuldet.
Das Fehlerpotenzial einer besonderen Fassadengestaltung ist höher, als bei der Ausführung üblicher WDVS. Vorspringende Gesimse an der Fassade führen immer zu einer Ansammlung von Niederschlägen in Form von Regen, Hagel und Schnee sowie zu Ablagerungen von Schmutzpartikeln, organischen Stäuben, Flugsamen und Sporen. Diese Gestaltungsmittel bedürfen durch die erhöhte Feuchtebelastung und die erhöhte Verschmutzungsneigung ein besonderes Augenmerk bei der Planung und Ausführung der Details. Folgende Betrachtungen sind wesentlich:
  • die Witterungsbelastung der horizontalen Flächen an sich
  • der Übergang der horizontalen Fläche in die darüber anschließende vertikale Fläche
Einer der wichtigsten Grundsätze beim Bauen ist, Wasser bestmöglich von den Fassadenflächen fernzuhalten. Demzufolge ist eine geneigte Fläche die Basis für das Gelingen einer Gestaltung mittels vorspringender oder bewitterter Fassadenteile. Je steiler die horizontalen Flächen geneigt sind, umso geringer ist die Beeinflussung des Wassers auf die eingesetzten Bauprodukte.
Doch Vorsicht: Nachdem bei der Anhäufung von Sand bei über 40° aufgrund des Reibungswinkels keine zusätzlichen Ablagerungen möglich sind, lagert sich Schnee aufgrund der besonderen Strukturen und der Änderung des Aggregatzustands (Antauen/Gefrieren) teils hartnäckig auf steiler geneigten Flächen ab.
Feuchteschutz
Spezialprodukte, die üblicherweise im Sockelbereich als Feuchteschutz eingesetzt werden, sind eine Möglichkeit, Schäden durch Feuchteeintrag zu reduzieren. Die Schutzmaßnahme kann zweimalig als Feuchteschutzanstrich oder bei größeren Ausladungen gar als Armierungsmörtel eingesetzt werden, um die darunter liegenden Dämmschichten vor zu hoher Feuchtelast zu bewahren.
Um eine Rissbildung und damit eine Hinterläufigkeit im Bereich der anschließenden Fassadenfläche zu minimieren, sollte der Feuchteschutz zusätzlich in die Flächen hineinkragen. Bei Ausladungen kleiner 30 Millimeter genügt ein Feuchteschutz von ca. zehn Millimetern in der Fassade. Bei größeren Ausladungen erhöht sich der Anteil des Feuchteschutzes in der Fassadenfläche schrittweise. Bei Ausladungen größer 100 Millimeter ist anstelle des systemzugehörigen Armierungsmörtels mit einer organischen Spachtelmasse zu armieren.
Bei schwächer geneigten Flächen und Ausladungen ab 30 Millimeter zur Erhöhung der Ausführungsqualität, aber auch zur Minimierung der Schmutzabläufer, sollte ein spezielles Tropfkantenprofil für geneigte Flächen eingesetzt werden.
Techniken
Putztechniken wie Kammzug und Besenstrichputz, die aktuell ein Comeback erleben, sind in der Regel mit den am Markt zur Verfügung stehenden Dünnschicht-Leichtputzen einfach zu bemustern. Alle gängigen modernen Putzqualitäten und Körnungen erzeugen hierbei die unterschiedlichsten Muster und Strukturen.
Bei der Erstellung der Putzmuster lässt die Schwerkraft mitunter Putzpartikel abfallen, wodurch andere Muster erzeugt werden, als bei der Erstellung liegender Exponate. Auch kann ein Putzmuster in einem größeren Format durchaus die realen Bedingungen am Objekt widerspiegeln, mit denen man sich am Gebäude arrangieren muss. Insbesondere das Nachstellen der Strukturübergänge in schwer zugänglichen Bereichen wie z. B. Gerüstlagen, Gerüststeher usw. sollte dann im Nachgang nicht mehr diskutiert werden müssen.
Vorsicht bei der Verwendung selbst-rezeptierter Mörtelmischungen. Die auf WDVS eingesetzten Mörtel sind immer auf das WDVS abgestimmt, haben diverse Produktprüfungen durchlebt und sind als Rezepturen beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) hinterlegt. Änderungen an der Korngröße oder der Auftragsdicke/-masse könnten eine wesentliche Abweichung der Zulassung darstellen und sind durch zum Teil aufwändige Zustimmungen im Einzelfall auf WDVS nachzuweisen. Generell bieten die am Markt für WDVS zur Verfügung stehenden Putze mit den in den allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen festgelegten Nassauftragsmengen ein breites Spektrum an Oberflächenvariationen, die durch die Systemhäuser als nicht wesentliche Abweichungen freigegeben werden können.
Die zusätzliche Feuchte auf den geneigten und witterungsbelasteten Flächen, die Belastung der aufsteigenden Flächen durch Spritzwasser sowie das erhöhte Verschmutzungsrisiko geneigter oder rauer Putzoberflächen liegen eindeutig auf der Hand. So ist trotz möglicher biozider Ausstattungen oder bauphysikalischer Optimierungen eine Gewährleistung bezüglich einer Algen- und Pilzfreiheit dieser Fassaden seriös nicht haltbar.
Weiterhin birgt eine nicht gewissenhafte Verarbeitung im Detail durchaus Risiken von Ablösungen und Rissbildungen, wodurch Teile des WDVS langfristig zerstört, funktionsuntüchtig und unsicher werden können. Die fachgerechte Einbettung der Armierungsgewebe, die Einhaltung der Schichtdicken und die Beachtung der Trocknungszeiten stellen die Grundvoraussetzungen für das Funktionieren der gewünschten Gestaltung dar. Diese Sorgfalt muss dem ausführenden Fachhandwerker zeitlich und wirtschaftlich ermöglicht werden.
Regelmäßige Wartung
Regelmäßig gewartete Fassaden bieten länger ein ansprechendes Erscheinungsbild und übertreffen die erwarteten Lebenszyklen bei entsprechender Produktauswahl bei Weitem. Im Idealfall könnte die künftige Wartung und Pflege des Objektes vor Ausführung durch einen Wartungsvertrag vereinbart werden.

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