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Wie mit dem Lineal gezogen

Technik
Wie mit dem Lineal gezogen

Klare Form und gerade Linien – in seiner Kubatur könnte dieses Wohnhaus in Berlin kaum schlichter sein. Alles andere als schlicht ist dagegen die Gestaltung der wärmegedämmten Fassade mit einer linearen Bossierung in Polystyrol.

Albert Klein

Während das Oberflächenfinish von Wärmedämm-Verbundsystemen oftmals stereotyp als glatter Scheibenputz ausgebildet wird, überrascht dieses Wohnhaus mit einer ungewöhnlich-kreativen Fassadengestaltung. Der Architekt hatte die Idee, die geradlinige, schlichte Kubatur des Einfamilienhauses durch eine individuelle Bossierung in Szene zu setzen, ein Streifenmuster, das dem Haus einen einmaligen Charme verleiht. Durch die individuell angefertigten Bossenplatten sollten architekturbegleitende Strukturen entstehen, die Licht und Schatten bilden.
Mit der Ausführung der Fassadengestaltung wurde der MalermeisterbetriebHolger Ohliger beauftragt.
Technische Umsetzung
Zunächst war die Frage zu beantworten: Wie lässt sich die gewünschte vollflächige Bossierung praktisch umsetzen? Diese Frage erörterte Ohliger gemeinsam mit der Technischen Beratung von Brillux. Dabei wurde schnell klar, dass die Rillen mit einer reinen Putzapplikation zu flach sein würden, um den gewünschten optischen Effekt zu erzielen. Variante 2 sah eine Bossierung in der Polystyrol-Dämmschicht vor. „Dass das technisch möglich ist, stand außer Frage. Aber mit der Umsetzung in diesem Umfang würden wir Neuland betreten“, so Holger Ohliger. Dieses Neuland bestand darin, auf der gesamten Fassade jede einzelne Bossenlinie per Hand mit dem Heißschneider zu schneiden. „Im Vorfeld mussten wir uns genau überlegen, wie die Schnitte verlaufen sollen. Dazu mussten sämtliche Linienverläufe durchgeplant werden, damit die Optik am Ende stimmte.“
Ausführung
Die Fassade des Einfamilienhauses hatte mit dem WDV-System I ein geprüftes Wärmedämm-Verbundsystem mit Fassadendämmplatten aus expandiertem Polystyrol-Hartschaum erhalten, die im Klebeverfahren befestigt wurde. Zur Ausführung der Bossierung wurden die Linien im ersten Schritt zunächst aufgelasert, dann mit dem Heißschneidegerät von Hand geschnitten. Dabei war ein hohes Maß an Präzision gefordert. „Das ist und bleibt eine handwerkliche Ausführung. Wir waren bei diesem Projekt mit fünf Mitarbeitern auf der Baustelle. Schon beim Einmessen mussten wir sehr genau arbeiten. Natürlich hat die Art der Ausführung bei diesem Objekt sehr viel Zeit benötigt – doch genau das ist es auch, was das Ganze perfekt macht“, resümiert Ohliger. Nachdem die Bossenlinien gesetzt waren, wurde mineralisch armiert, und zwar mit doppeltem Detailgewebe unter Einsatz einer speziellen Bossenkelle, die vom Malerbetrieb passend zu den ermittelten Bossentiefen selbst angefertigt worden war. Für den weiteren Beschichtungsaufbau folgten zwei Millimeter Kratzputz mit Mineral-Leichtputz KR K2 3664, um genügend Material auf der Fläche zur Verfügung zu haben. Um die Fassade wieder etwas abglätten zu können, folgte ein Arbeitsgang mit dem Mineral-Leichtputz G 3679. Für den abschließenden Anstrich wurde die Fassadenfarbe Silikat-Finish 1811 verwendet. Die einkomponentige Fassadenfarbe auf Silikatbasis wurde in einem für diesen Wohnbau angemessenen, eher unauffälligen hellen, sandfarbenen Ton eingefärbt. Lediglich der oben aufgesetzte Gebäudeteil blieb ohne Bossierung sowie die Bereiche über den Fenstern, die aufgrund der Kästen für die Jalousien ebenfalls nicht bossiert werden konnten.
Auch im Anschlussbereich gab es Sonderlösungen: Die Laibungen bestehen aus aufgesetzten Metallrahmen. Auch hier war viel Zeit und eine äußerst präzise Ausführung notwendig, um die Fensteranschlüsse schlagregendicht herzustellen.

praxisplus
Verwendete Farbtöne:
  • Scala 93.06.09
  • Scala 06.06.06
  • Scala 72.09.30
Verwendete Produkte:
  • WDV-System I
  • Mineral-Leichtputz KR K2 3664
  • Mineral-Leichtputz G 3679
  • Silikat-Finish 1811
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