Anwendungstechnik Malerblatt Wissen

Rationell beschichten #3

Teil 3 der Reihe: Worauf kommt es beim Aircoat Verfahren an um das beste Ergebnis zu erzielen.

Das Auftragen von Lacken, sowohl bei Holz- als auch bei Metalloberflächen wird überwiegend mit professioneller Spritztechnik ausgeführt. Als geeignetes Verfahren hat sich die Aircoat- beziehungsweise Airmix-Technik etabliert.

Aircoat-Verfahren

Beim Aircoat-Verfahren, welches das klassisches Airless-Spritzen mit einer zusätzlichen Luftummantelung verbindet, wird das Material unter Einsatz einer Kolben- oder Membranpumpe mit einem relativ niedrigen Druck von 30 bis 120 bar durch die Düse gepresst und durch Druckluft (0,5 bis 2,5 bar) im Zerstäubungsprozess unterstützt. Möglich macht dies eine zentrale, unmittelbar an der Düsenbohrung angeordnete Luftzuführung, die das Spritzmedium wie ein Mantel umgibt. Die im Vergleich zum Airless-Spritzen (100 bis 250 bar) extrem geringe Einstellung des Betriebsdruckes bringt beim Aircoat-Verfahren den Vorteil, dass die Farbpartikel sich mit geringerer Vorwärtsenergie bewegen, also einen weicheren Spritzstrahl mit vermindertem Sprühnebel bilden. Dieser Effekt wird verstärkt durch die gedrosselte Zudosierung von Druckluft, die den Zerstäubungsvorgang unterstützt.

Für das Aircoat-Spritzverfahren stehen verschiedene Maschinentechniken zur Verfügung: für professionelle Lackierarbeiten vor Ort auf der Baustelle eignen sich Membranpumpen, wie beispielsweise die SuperFinish 23 Plus AirCoat von Wagner. Vorteil bei diesen Geräten ist der mobile Einsatz sowie die Möglichkeit, mittels Oberbehälter auch kleine Materialmengen zu verarbeiten. Pneumatische Doppelmembran- und Kolbenpumpen kommen eher in Lackierkabinen in der Werkstatt zum Einsatz und bieten passend zum Umfeld besonderen Explosionsschutz.


Querschnitt einer Aircoat-Spritzpistole.

Temperiertes Spritzen

Eine zusätzliche Möglichkeit, um das Oberflächenergebnis zu optimieren, besteht in der gezielten Temperierung des zu verarbeitenden Materials. Die optimale Viskosität ist, neben der richtigen Arbeitstechnik und der Ausrüstung, ausschlaggebend für ein gutes Ergebnis beim Spritzen. Ist das Material zu dickflüssig, sind ein unregelmäßiges Spritzbild und ein schlechter Farbverlauf die Folgen. Das Erwärmen dient zur Verbesserung der Spritzeigenschaften vieler Materialien, reduziert somit die benötigte Menge an Lösemitteln zur Verdünnung und ermöglicht eine Erhöhung der aufgetragenen Schichtstärke. Materialheizungen wie die TempSpray-Serie ermöglichen eine optimale Steuerung der Viskosität und somit perfekte Lackoberflächen.


Viskosität verschiedener Materialien im Temperaturverlauf.

Worauf es ankommt

Um mit dem Aircoat-Verfahren beste Ergebnisse zu erzielen, sollten einige Dinge beachtet werden:

Die richtige Vorbereitung

Vor dem Lackauftrag muss die Umgebung möglichst staubfrei sein, die Außentemperatur mehr als 20 Grad Celsius betragen (ausgenommen temperiertes Spritzen). Die zu beschichtende Oberfläche sollte trocken und sauber sein. Sobald das Gerät richtig eingestellt ist, ist eine Spritzprobe durchzuführen, um die Einstellungen prüfen und gegebenenfalls vor dem Materialauftrag anzupassen.

Die richtige Beschichtung

Für eine perfekte Oberfläche ist die richtige Haltung beim Spritzen entscheidend: Es ist immer ein gleichmäßiger Abstand von etwa 25 bis 30 Zentimetern zwischen der Düse und der Oberfläche einzuhalten. Dabei ist möglichst vom Körper weg zu spritzen, damit der nachfolgende Lack den Lackstaub lösen und in die Lackschicht einbinden kann. Der Lackkegel sollte überlappend – erst quer, dann längs – im sogenannten Kreuzgang geführt werden. Grundierung und Lack sind gleichmäßig dünn aufzutragen, um Blasenbildung durch eingeschlossene Lösemittelreste zu vermeiden.

Filter und Pistole

Vor dem Spritzen sollte der Anwender den Pistolenfilter überprüfen. Ist dieser bereits verbraucht, ist es wichtig, einen neuen Filter einzusetzen. Es ist darauf zu achten, den passenden Filter zur Düse in die Pistole einzusetzen. Professionelle Aircoat-Pistolen, wie die AC 4600 Professional, bieten die Möglichkeit, die Luftkappe an das verwendete Material anzupassen, um den verschiedenen Eigenschaften von wasserbasierenden und lösemittelhaltigen Materialien gerecht zu werden. Entscheidend ist, dass die richtige Düse für die gewünschte Materialart gewählt wird. Eine Auswahlhilfe bietet hierfür Hersteller Wagner durch die stetig, gemeinsam mit Materialherstellern umfassende Materialtests. Deren Ergebnisse sind unter http://sprayguide.wagner-group.com/1 zugänglich.

Für Renovierobjekte

Sollte eine Düse während des Lackierens kurz verstopfen, kann sie umgekehrt eingesetzt und freigeblasen werden. Nach der Anwendung werden Düsen in eine spezielle Reinigungslösung gelegt, um sie von Materialresten zu befreien.

Die Anschaffung einer Aircoat-Ausrüstung lohnt sich für den Renovierungsbereich: Zahlreiche Objekte wie Türen, Heizkörper und Fensterrahmen lassen sich damit vor Ort hochwertig und professionell beschichten. Vorteil für Malerbetriebe ist, dass sich einige Airless-Geräte für den Aircoat-Einsatz umrüsten lassen, was die Kosten für eine Neuanschaffung in einem überschaubaren Rahmen hält.


Die richtige Haltung beim Aircoat-Spritzen.

Zu den vorherigen Teilen:

Teil 1: Mit der XVLP-Technologie steht eine nebelarme und wirtschaftliche Alternative zu Pinsel und Rolle zur Verfügung.

Teil 2: Die bewährte Airless-Technologie steht für perfekte und schnelle Oberflächenbeschichtung.

Dunja Bestfleisch
Malerblatt 12/2016
Fotos: J. Wagner GmbH

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