Bildung mit Mehrwert

Hochkarätige Weiterbildung – das ist seit 40 Jahren der Anspruch der Akademie für Betriebsmanagement an der Schule für Farbe und Gestaltung in Stuttgart. Über diese einmalige Weiterbildungsmöglichkeit zum „staatlich geprüften Betriebsmanager Fachrichtung Farbtechnik und Raumgestaltung“ sprachen wir mit dem ersten Leiter Hans-Jörg Reichert, dem derzeit verantwortlichen Leiter Eberhard Schilling und seiner Stellvertreterin Verena Schmid.

Autorin: Susanne Wierse | Fotos: Akademie für Betriebsmanagement/Wierse

Dieses Jahr feiert die Akademie
für Betriebsmanagement ihren 40. Geburtstag. Hätten Sie das zu Beginn gedacht?

Hans-Jörg Reichert: Eindeutig ja. Die Zeit war reif für eine Weiterbildung mit dem Schwerpunkt Betriebswirtschaft. Die einjährige Meisterausbildung wurde in die Akademie integriert. Die zweijährige Weiterbildung bot jedoch die Chance, darüber hinaus das zu vermitteln, was der Markt von zukünftigen Mitarbeitern mit Führungsverantwortung verlangte.

Wie lange sind sie schon Leiter der Akademie?

Eberhard Schilling: Nachdem Herr Reichert 1994 stellvertretender Schulleiter wurde, habe ich zusammen mit Herrn Gauss die Leitung der Akademie übernommen. Heute mache ich das zusammen mit Verena Schmid.

Wie ist die Akademie für Betriebsmanagement genau entstanden?

Hans-Jörg Reichert: In den frühen 70er Jahren wollte das Kultusministerium die Zugangsvoraussetzungen für die Fachschulen einheitlich regeln. Eine Fachschulreifeausbildung wurde notwendig, diese war aber in der früheren 5-semestrigen „Höheren“ Fachschule nicht enthalten. Deshalb wurde diese Schulart zunächst ausgeschlossen.

Glücklicherweise konnte die Akademie dieses Vakuum ausfüllen. Mit dem erfolgreichen Abschluss „Technischer Fachwirt – Fachrichtung Farbe“ erhielten die Absolventen die Meisterprüfung im Maler- und Lackierhandwerk und
die Fachschulreife.

Wie sah zu Beginn die Organisation aus?

Hans Jörg Reichert: Mit Beginn der Ausbildung in der Akademie wurde ich vom Schulleiter Johannes Gräter mit der inhaltlichen und organisatorischen Führung betreut. Zusätzliche BWL-Lehrer wurden eingestellt. Sie verließen aber die Schule schon bald, da häufig der Praxisbezug zum Malerhandwerk fehlte. Erst mit den Herren Harbaum, Gauss und Schilling änderte sich dies grundlegend. In dieser Zeit öffneten wir auch die Schule für externe Referenten. Hier hat uns vor allem Herr Carl-Heiner Schmid von der Firma Schmid in Reutlingen sehr geholfen. Sein Unterricht über Verkaufstraining und Mitarbeiterführung war nicht nur für die Schüler lehrreich und praxisorientiert, sondern auch für uns die beste Lehrerfortbildung.

Was hat sich im Laufe der Zeit bei den Fächern verändert?

Eberhard Schilling: Neben den Fächerbezeichnungen haben sich inhaltliche Veränderungen ergeben. So wurde aus dem Fach „Kostenrechnung“ das moderne Fach „Controlling“, das es in dieser Form nur an der Akademie in Stuttgart gibt. Vor 40 Jahren gab es keinen EDV-Unterricht und von einem Fach „Marketing“ war da noch keine Rede. Heute sind das feste Bestandteile in der Akademie. Außerdem haben wir seit einigen Jahren das Fach „Energieberatung“, das auf die Prüfung als Energieberater (HWK) vorbereitet.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten bietet die Akademie für die Schüler?

Verena Schmid: Es ist eine Weiterbildung auf höchstem Niveau, die speziell auf die Bedürfnisse von Malern und Lackierern abgestimmt ist. Auch wenn es nur zwei Jahre sind, sieht man die Entwicklung vom Gesellen zum Meister. Die Sichtweise vom angestellten Gesellen des Meisters und eventuellen zukünftigen Arbeitgebers zu erweitern,
ist unsere Hauptaufgabe. Das Ziel ist es, sowohl die handwerklichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler auszubauen, als auch ihren betriebswirtschaftlichen Blick auf die Dinge zu schärfen.

Wie gelingt es Ihnen seit Jahrzehnten, junge Malergesellen für die Akademie für Betriebsmanagement zu interessieren?

Eberhard Schilling: In den letzten 40 Jahren ist die Akademie zu einer bundesweiten Marke geworden. Durch die konsequente Ausrichtung der Lehrinhalte an die Bedürfnisse der Praxis entsteht ein Mehrwert gegenüber einjährigen Meisterschulen, die vor allem auf die Meisterprüfung vorbereiten müssen. Wir haben sogar Schüler aus Österreich, Luxemburg oder der Schweiz.

Wie wurde die Akademie zu Anfang bekannt gemacht?

Hans-Jörg Reichert: Selbstverständlich hatten wir 1978 sehr kleine Klassen. Die neue Schulart mit dem für die Maler ungewöhnlichen Namen musste bekannt gemacht werden. Die erste Aktion war ein Rundschreiben an alle Malerbetriebe in der Bundesrepublik. Es war schon ein organisatorischer und finanzieller Kraftakt, ca. 20.000 Informationsschreiben zu verschicken. Die Reaktion war sehr positiv. Ab diesem Zeitpunkt waren die Klassen immer voll. Außerdem haben wir Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Viele Fachlehrer haben im Malerblatt im monatlichen Wechsel Berichte aus ihrem Unterricht in der Akademie veröffentlicht. Damit waren wir ständig im Gespräch.

Was unterscheidet die Akademie
von anderen Weiterbildungsmöglichkeiten?

Eberhard Schilling: Die Schwerpunkte liegen bei uns in der Vermittlung von Führungskompetenzen. Führungskompetenz ist gefragt in allen Erfolgsbereichen eines Handwerksunternehmens. Ob als Vorarbeiter, Meister, Unternehmer oder Berater. Führungskompetenz ist der Schlüssel zum Erfolg, egal auf welcher Ebene eines Unternehmens.

Die Praxisorientierung ist wichtiger Bestandteil des Weiterbildungsangebots. Was bieten Sie an?

Eberhard Schilling: Bestes Beispiel sind unsere Schwerpunkttage ab dem zweiten Schuljahr -– nachdem die Meisterprüfungen absolviert sind – an jedem Donnerstag. Wir organisieren sie seit etwa 30 Jahren. An diesen Donnerstagen wird in Vorträgen und Seminaren mit Referenten aus der Praxis die schulische Weiterbildung vertieft und ergänzt. Die enge Vernetzung zwischen Schule und Praxis bietet allen Schülern und Schülerinnen optimale Voraussetzungen für ihre persönliche und berufliche Karriere und außerdem die Möglichkeit, selbst Kontakte zu knüpfen. Toll ist, dass heute viele Referenten ehemalige Schüler sind, die sich mit ihrem Engagement für eine gute Weiterbildung bedanken. Viele Firmeninhaber schicken ihre Söhne oder Töchter
auch deswegen nach Stuttgart.

Für welche Berufsziele ist die Akademie die richtige Wahl?

Eberhard Schilling: Aufgrund der umfassenden Weiterbildung haben unsere Absolventinnen und Absolventen hervorragende Berufsaussichten. Auch allen, die keinen „eigenen“ Betrieb haben oder nicht sofort zuhause einsteigen wollen, bietet sich ein vielfältiges Berufsspektrum: als Führungskraft
im Angestelltenverhältnis eines Malerbetriebs, als Fachberater in der Farben- und Lackindustrie oder bei Einkaufsgenossenschaften, als technischer Berater bei Innungen und Verbänden oder als technischer Lehrer in einer Berufsschule. Außerdem bietet der Abschluss die Möglichkeit zum Studium an einer Hochschule.

Wie sieht Ihre Prognose für die
Zukunft der Akademie aus?

Verena Schmid: Wir werden natürlich wie seither auch auf dem neuesten Wissensstand bleiben und die Herausforderungen der Zukunft erkennen
und im Unterricht umsetzen, damit
die Schüler für die zukünftigen Herausforderungen gerüstet sind. Dazu dient die enge Verknüpfung der Weiterbildung mit der Praxis, aber auch
die Integrierung neuer Themen- und Fachgebiete wie Energieberatung, Schimmel-Geruchsprüfung, Nachhaltigkeit, Computeranwendungen in allen Bereichen (z. B. Buchführungs-, Gestaltungssoftware).

Informationen zu den Weiterbildungen:
www.farbegestaltung.de


Sven Koch, Regionalleiter, Heinrich Schmid

„Das Besondere der Akademie für Betriebsmanagement ist die wertvolle Vernetzung mit der Praxis. Hier wird nicht nur theoretisches Wissen vermittelt. Die Seminare und Vorträge aus der
Praxis bereiten gut auf die berufliche Zukunft vor. Besonders wertvoll ist die Bandbreite dieser Referenten aus den unterschiedlichen Bereichen der Branche: Kleinbetrieb, Hersteller, Händler sowie Großbetrieb. Die Schule bereitet ihre Schüler
gut auf den zukünftigen Karriereweg vor.“


Timo Meindl, Meindl Mahnke GbR, Die Malerei

„Der Besuch der Akademie hat mich in vielen Bereichen
weitergebracht. Ich konnte die Hemmung, in einer Führungsposition zu arbeiten, abbauen. Auch die Selbstfindungsphase
war sehr intensiv, was ich mir in der einjährigen Meisterschule aufgrund des hohen Pensums und der geringen Zeit nicht vorstellen kann. Das Wegweisendste waren die Vorträge durch Gastdozenten aus Industrie und Handwerk, die sehr offen und ehrlich
all unsere Fragen beantwortet haben und einen realistischen Einblick in ihr Arbeitsleben boten. Zu guter Letzt konnte
ich gemeinsam mit Ralf Mahnke in der abschließenden
Facharbeit mit der Ausarbeitung eines Businessplans –
in Zusammenarbeit mit den Dozenten – den Grundstock für
unsere heutige Firma legen.“


„Mit der Ausbildung an der Akademie werden zusätzlich
zur handwerklichen Weiterbildung zum Meister
fundierte betriebswirtschaftliche Grundlagen erworben,
die optimal auf das kommende Geschäftsleben vorbereiten.

Die Akademie hat mir geholfen, das Fundament für mein
Unternehmen und auch für mich persönlich als Unternehmer zu gießen. Bis heute profitiere ich von den Verbindungen, die ich
damals geschlossen habe und der Verbundenheit zwischen den ehemaligen AK‘lern -„Reicherts und Schillings Sprösslingen“.

Thomas Rodens, Gründer und GF handwerk mit stil

Obermeister Maler- und Lackiererinnung Stuttgart


Marion Tichy, Autorin und angestellte Malermeisterin

„Meine Ausbildung an der AK ist schon eine Weile her (1993–1995). Sie war sehr vielseitig und hatte einen hohen
Praxisbezug. Zwei Jahre Schule bieten viel Zeit zur Vertiefung des Wissens, aber auch zur inneren Reifung. Die Klasse
bildete eine tolle Gemeinschaft, mit einigen Mitschülern halte ich immer noch Kontakt und tausche mich beruflich aus.“