Werner Schledt,
Werner Schledt, Unverdünnt aufgetragen Mattes und Glänzendes aus dem Malerhandwerk

Brandneu

Werner Schledt

Nicht nur Fußballclubs, auch Firmen haben Fans, lese ich in einer Rezension des Buches „Love Brands“, das sich mit neuen Marketing-Methoden beschäftigt. Es ist brandneu. Ich will wissen, ob es auch brandaktuell ist und kaufe es. Auf den ersten Seiten lese ich, dass manche Marken eine so große Anziehungskraft auf Kunden haben, dass diese nie mehr darauf verzichten würden. „Kalter Kaffee“, denke ich und mache mir erst mal (m)einen Nespresso, nicht ahnend, schon auf den nächsten Seiten zu erfahren, dass auch ich mit meinem Kaffee auf der richtigen Seite bin: Fan einer Marke mit emotional beladenem Kern und hohem Grad an Kunden-Identifikation. Wie die’s geschafft haben, dass ich ihren teuren Kaffee tatsächlich allen anderen vorziehe und sogar ungefragt weiterempfehle, steht dort auch:
Zum Marktführer wurden sie nämlich dadurch, dass sie ihre Kernleistung Kaffee mit einfachen, aber geschmackvollen –übrigens recht preiswerten–Maschinen und, das ist weit mehr als ein Sahnehäubchen, einem exklusiven Kundenservice verknüpften: Die Kapseln kann kaman nur in ihren stilvollen Läden, ausnahmslos in teuerster Lage kaufen. Wer dort kauft, wird als Kunde quasi zum Clubmitglied und schließlich zum Fan.
Allen „Love Brands“, wie auch Porsche, Harley-Davidson oder Apple ist gemeinsam, dass die Kunden nicht nur ein nützliches Produkt oder eine solide Dienstleistung erwerben, sondern sich als Marken-Vertreter in einer Gemeinschaft mit gleichen Werten glauben – und für diese Exklusivität gerne Spitzenpreise zahlen. Reine Gefühlssache also.
Erfolg wie er im Buche steht
Stellt sich gleich die Frage, ob auch Malerleistungen zu Love Brands werden können. Wenn, wie’s im Buch steht, die Spitzenmarken flüstern: „Ich bin aus gutem Hause. Bei mir kannst Du keinen Fehler machen, keiner bringt das so gut wie ich“, können auch begeisterte und begeisternde Handwerker zu Love Brands werden.
Als exklusive Gemeinschaft mit gleichen Werten ist eine elitäre „Wohngemeinschaft“ denkbar, bestehend aus „Clubmitgliedern“, für die kultiviertes Wohnen in einem technisch, stilistisch und farbpsychologisch unverwechselbar gestalteten Umfeld ein Statussymbol ist.
Wer eine solche Vorstellung konsequent umsetzt, könnte es zu einer eigenen Fan-Gemeinde bringen – und zu Erfolg, wie er im Buche steht.
Leere Lehrstellen
Offensichtlich ist Geld kein Argument, um jungen Menschen einen Ausbildungsberuf schmackhaft zu machen. Was zählt ist nicht Geld, sondern Geltung. Alle wollen studieren, obwohl sich gezeigt hat, dass viele ihr Studium abbrechen. Wenn auch zum Beispiel im Rhein-Main-Gebiet ein Facharbeiter mit rund 29.000–Euro/Jahr längst genau so viel verdient wie ein Architekt oder Geisteswissenschaftler, wollen alle studieren.
In der Region gibt es derzeit noch 27.000 freie Ausbildungsstellen. Davon werden bis zum Herbst sicher noch viele besetzt. Aber die Flucht ins Studium bleibt – und die Hoffnung vieler Betriebe auf junge Flüchtlinge.
Vergesslich oder verlässlich?
Telefonumfragen sind lästig. Aber wenn ich gut gelaunt bin, lasse ich mich manchmal drauf ein. Oft beendet die Antwort auf die Frage nach meinem Alter das Interview: Ich bin nicht mehr Zielgruppe, ausgenommen Offerten für Hausnotrufe und Treppenlifte. Ganz anders diesmal: Der Journalist einer Wirtschaftszeitung schreibt einen Beitrag über den phänomenalen Gedächtnistrainer und Coach Peter Kürsteiner und will wissen, ob auch ältere Menschen noch nutzen, was sie bei Peter Kürsteiner trainiert haben. Aber ja, aus den Seminaren, die er für die hessischen Maler gemacht hat, habe ich vieles behalten und wende es an: Wie man sich eine Geschichte ausdenkt und dadurch bei Vorträgen nicht vom Skript ablesen muss, wie man sich Bilder macht und so Namen und Begriffe einprägt, wie man sichert, dass spontane Ideen – oft kommen sie ausgerechnet beim Duschen oder Joggen – nicht auf der Strecke bleiben. (Ich lege sie in Gedanken einfach auf meinen rechten Laufschuh. Wenn ich den hinterher ausziehe, ist die Idee wieder da). Noch ein Tipp: Während ich jemanden verspreche dranzudenken, etwas zu erledigen, wechsele ich einfach die Uhr auf den anderen Arm. Das erinnert mich dann am Abend. Solche Tricks darf man nicht vergessen. Sonst wird man schnell vergesslich und ist nicht mehr verlässlich.
Schwarzmalerei
In England wurde aus Carbon-Nanoröhren eine Farbe entwickelt, die fast hundert Prozent des Lichtes schluckt und so dunkel ist, dass man sie fast nicht mehr sieht. Für den Einsatz der neuen Farbe im Maler- und Lackiererhandwerk sehe ich allerdings schwarz: Ein Unternehmen hat sich die exklusive Nutzung von „Vanderback“, so heißt das neue Produkt, bereits gesichert. Nachdem sich der Künstler Yves Klein sein typisches Blau schon 1960 in Frankreich hat patentieren lassen, ein anderes Blau Nivea vorbehalten ist und auch die Sparkassen ihr spezielles Rot okkupiert haben, wird es, so behaupten einige, bald keine frei verfügbaren Farben mehr geben. Aber das ist sicher nur Schwarzmalerei.
Hier und da inserieren?
Maler inserieren hier und da. Meist in Regionalblättern, die oft nicht sehr auflagenstark sind. Dagegen habe ich in der auflagenstärksten Zeitung überhaupt noch nie eine Maleranzeige gefunden. Ich meine die „Apotheken-Umschau“. Sie erscheint zweimal im Monat in einer Auflage von fast zehn Millionen und hat mehr als 20 Millionen Leser. Weil sie also durchschnittlich jeder Fünfte liest, übertrifft sie alle Tages- und Regionalzeitungen um Längen. Und für jede Ausgabe wird in Funk und Fernsehen geworben. Wer bei seiner Werbung in Anzeigenfriedhöfen Bauchschmerzen hat, sollte sich vielleicht mal in der „Apotheken-Umschau“ umschauen und dort inserieren – garantiert ohne Risiken und Nebenwirkungen.