Da ist Musike drin

Haste Töne: Unser Institut für Unternehmensberatung feiert mit einer attraktiven „Zukunftswerkstatt“ vom 17. bis 19. November in Berlin sein 60-jähriges Bestehen. In den hochkarätigen Beiträgen ist „Musike“ drin. Besonders gespannt bin ich auf das Referat „Vom Solo zur Sinfonie“, mit dem ein Dirigent internationaler Orchester vermittelt, was Unternehmen von Orchestern lernen können. Klingt interessant. Bestimmt kommen darin auch Tugenden wie Einsatz, Abstimmung, Präzision und Harmonie vor. Wir werden´s sehen – und hören.

Händeringend gesucht
„Akademisierungswahn“ nannte der ehemalige Staatsminister und Bildungsexperte Julian Nida-Rümelin den fatalen Trend, unbedingt ein Gymnasium zu besuchen und zu studieren. Wolfgang Haas, Ausbildungsverantwortlicher der Fraport AG formuliert das angesichts der Tatsache, dass den zahllosen Studierten wenige Arbeitsplätze und den wenigen praktisch Ausgebildeten viele attraktive Stellen offenstehen, noch drastischer: „Ein guter Realschulabschluss ist besser als ein beschissenes Abitur.“ Zum Studium und unsinnigen Studiengängen werden die jungen Menschen oft von ihren Eltern animiert oder gedrängt. Deren Kenntnisse über das Bildungswesen und berufliche Chancen sind häufig sehr beschränkt. Deshalb hat ein Verein „Eltern für Schule“ unter Mitwirkung des Kultusministeriums jetzt eine Kampagne gestartet, die Eltern über alle Schulformen informiert. Und weil die Eltern sich immer öfter über die Empfehlungen der Lehrer hinwegsetzen, setzt man bei diesem Projekt auch erfolgreiche Praktiker ein, deren Erfahrungen vielleicht überzeugender sind. Auch die Unternehmerverbände empfehlen, die Schule nach Fähigkeiten und Talenten der Kinder auszuwählen.
Zwölf Prozent Lohnerhöhung
Auf der Suche nach Azubis wurden auch die Ausbildungsvergütungen deutlich erhöht. Im Baugewerbe bekommt ein Lehrling jetzt schon im ersten Jahr 785 Euro/Monat. Wenn das auch für Mindestlöhner unter den jungen Flüchtlingen, die kurzsichtig das schnelle Geld einer qualifizierten Ausbildung vorziehen, alleine kein Argument ist, sind doch fast 60 Prozent des Mindestlohns schon im ersten Lehrjahr ein richtiger Schritt – und für die Jugendlichen ein guter Schnitt.
Handwerksbetriebe voll dabei
Die Wirtschaft, insbesondere das Handwerk, ist auf der Suche nach Lehrlingen aktiv und kreativ. „Die Handwerksbetriebe sind voll dabei und motiviert“, sagte der hessische Wirtschaftsminister im Technologiezentrum der Handwerkskammer Rhein-Main, wo er sich über das Projekt „Wirtschaft integriert“ informierte, das vom Land mit elf Millionen Euro unterstützt wird und jugendliche Flüchtlinge mit geringen Deutschkenntnissen zu einem Berufsabschluss befähigt.
Mit dem Handy in der Hand
Auf ganz andere Weise wirbt McDonald’s um die auch pekuniär hungrigen Flüchtlinge. Die Kette beschäftigt bei uns bereits Migranten aus 120 Ländern und setzt auf Teamarbeit mit unterstützenden Piktogrammen als schnellstes Sprachtraining. Interessanter für uns sind vielleicht die dort entwickelten Sprachkurse für Mobiltelefone, die auch den Arbeitsagenturen zur Verfügung gestellt wurden. Schließlich haben auch die jungen Flüchtlinge das Handy ständig in der Hand.
Mutiges Marketing
In der September-Ausgabe habe ich beschrieben, wie wir in einem Radio-Spot für das Malerhandwerk Helmut Kohl einmal straflos verkohlt haben und dazu vermerkt, dass zu munterem Marketing stets auch etwas Mut gehört. Die besten Beispiele humorvoller Werbung mit Promis liefert immer wieder der Autovermieter Sixt. (Wie viele von uns auch, macht er übrigens seine Werbung selbst). Derzeit offeriert er Umzugs-Lkw mit dem Konterfei des wegen seiner Äußerung über den Fußballstar Boateng ins Gerede gekommenen AfD-Politikers und der Headline. „Für alle, die einen Gauland in der Nachbarschaft haben“. Sixt hat bei kleinem Risiko regelmäßig großen Erfolg.
Rabatt – ohne nachzulassen
„Rabat kenne ich nur als Stadt in Marokko“. Frühere Seminarteilnehmer von mir behaupten, ich hätte dies stets als Standardantwort auf Kundenfragen nach einem Rabatt empfohlen. Stimmt aber nicht. Der Satz ist gut, aber nicht von mir. Rabatt, phantasievoll eingesetzt, bietet nämlich nicht nur einen finanziellen Anreiz, sondern bringt vor allem ein Produkt oder einen Dienstleister in die Köpfe der Kunden. Auf meiner Frühstücksmargarine z.B. entdecke ich heute, dass ich beim Event-Anbieter Jochen Schweizer Rabatt bekomme. Natürlich buche ich deshalb nicht gleich ein Bungee-Jumping oder House-Running Aber aufgeschwungen und gegoogelt, was Jochen Schweizer alles neu im Programm hat, und ob man daraus für Mitarbeiter oder Kunden vielleicht mal was machen kann, habe ich doch. Und über Kooperationspartner, mit denen man als Maler ähnliche Aktionen machen könnte, damit sich potentzielle Kunden jeden Tag schon beim Frühstück statt mit House-Running mit Haus-Renovierung beschäftigen, habe ich auch nachgedacht: Warum nicht auf die Tüte vom Bäcker oder Metzger mit einem Rabattangebot ein bisschen Rabatz machen? Damit Sie in den Köpfen Ihrer Kunden – und die im Dorf bleiben.
Stinkt zum Himmel
Der öffentliche Raum wird immer mehr zum Pissoir. Der Gestank in Bahnhöfen, Unterführungen, Hauseingängen und Straßen breitet sich immer weiter aus, hält sich hartnäckig. Aber das ist nicht alles. Inzwischen sind auch die von den „Nass-Strahlern“ verursachten Schäden an Putzflächen und Baudenkmälern beträchtlich: Im Sockelbereich des Ulmer Münsters hat sich der Sandstein aufgelöst und musste über ein Jahr lang aufwendig restauriert werden. Ähnlich große Schäden gibt es ebenfalls am Frankfurter und am Kölner Dom. Dort sind insbesondere auch die bronzenen Portale betroffen. Inzwischen gibt es aber (Spritzige Idee, Marknische für Maler) eine spezielle Lackierung, mit der erreicht wird, dass das „Strahlgut“ zurückspritzt. Dann ziehen die Wildpinkler den Kürzeren.
Verschrottet
Erst mal zurückgestellt wurde nach Intervention des Handwerks die Einführung der Blauen Plakette. Sie hätte die Dieselfahrzeuge vieler Handwerker aus den Städten vertrieben. Eine Verordnung, nach der auch relativ neue Fahrzeuge verschrottet werden müssten, ist einfach Schrott.
Rot sehen
Farben können zwar grundsätzlich nicht beliebig als Marke exklusiv reserviert werden, aber wenn die Mehrheit eine Farbe mit einem bestimmten Unternehmen verbindet, kann dieses sich „seine Farbe“ als Marke schützen lassen. Mit diesem Argument hat jetzt der BGH einer spanischen Großbank die Verwendung des „Sparkassen-Rot“ untersagt. Das Urteil ist für die Spanier sicher ein rotes Tuch.

praxisplus
Relevantes für die Branche entdecken, Anstöße geben, manche Dinge auf die Schippe nehmen – genau das macht Werner Schledt in seiner Kolumne „Unverdünnt aufgetragen“. Der Autor war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen Maler- und Lackiererhandwerk.
Werner Schledt
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