Erlebt und erlesen

Ein farbenprächtiges Erlebnis für das Malerauge war die schwimmende Außenskulptur von Christo auf dem See im Londoner Hyde Park. Das im Stil von Vorläufern der Pyramiden errichtete Werk, 40 Meter lang, 30 Meter breit und 20 Meter aus dem Wasser ragend, wiegt 500 Tonnen und besteht aus rund 7500 übereinandergeschichteten Ölfässern, die längsseits rot mit weiß und an den Stirnseiten blau und rot beschichtet sind. Je nach Tageszeit und Lichtverhältnissen vermischen sich diese beiden Farben optisch zu Violetttönen unterschiedlicher Helligkeit und Intensität. Dieses ästhetische Farbspektakel spiegelt sich im Wasser wieder. Die Skulptur ist ein wunderbares und immer wieder überraschendes Beispiel für Farbe als Funktion des Lichtes. Ein wirklich erlesenes Erlebnis.

Natürlich viel mir beim Betrachten die Geschichte eines Kasseler Malerkollegen wieder ein, der anlässlich einer früheren Documenta, wie andere Handwerker auch, den Künstlern ein bisschen zur Hand ging. Er war dem damals noch ziemlich unbekannten Christo zugeteilt und musste morgens dessen Skulptur, ein Riesenphallus aus Kunststoffplanen, flicken und wieder aufpumpen, aus dem Jugendliche fast jeden Abend mit ein paar Stichen die Luft rausließen und am Zusammensacken der Erektion ihre Gaudi hatten. Nach einem Abendessen, zu dem die Handwerker „ihren“ Künstler auch bisweilen einluden, fragte unser Kollege, ob ihm Christo als Dankeschön für Einsatz und Gastfreundschaft nicht etwas verpacken und signieren könne. Christo schaute sich um, nahm die nagelneue Rechenmaschine, damals das teuerste Teil im Büro, und verpackte sie. Ich erfuhr davon, weil mich der Kollege am nächsten Tag anrief und fragte, was er nun machen solle. Da war guter Rat teuer, denn schließlich wurde ein zweiter Rechner gekauft. Das hat sich aber gerechnet.

Werbung per Post posten

Die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) macht die Werbung komplizierter und vielen zu schaffen, weil die Adressaten der Ansprache mittels E-Mai jetzt ausdrücklich zustimmen müssen. Erlaubt dagegen ist nach wie vor die Werbung per Post, auch an Adressaten, deren Anschriften gekauft wurden, zu denen also noch kein Kontakt besteht. Gute Chancen also für kreative Briefwerbung. Sie wird gelesen statt gelöscht.

Licht bei der Meisterpflicht?

„Die Abschaffung der Meisterpflicht war ein Fehler. Die Qualität der Arbeit hat sich in diesen Gewerken teilweise deutlich verschlechtert. Außerdem wird weniger Nachwuchs ausgebildet.“ Gesagt hat das jetzt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union, Carsten Linnemann. Als Beispiel nannte er die Fliesenleger, deren Betriebszahl Jahr für Jahr steigt, während die der Auszubildenden dort drastisch zurückgeht. Viele der von der Meisterpflicht entbundenen Solisten überleben nicht die Gewährleistungspflicht.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion meinte dazu „Die Kunden müssen die Sicherheit haben, dass der bestellte Handwerker auch wirklich eine gut ausgebildete Fachkraft ist.“ Er wies darauf hin, dass im Koalitionsvertrag eine entsprechende Absichtserklärung vereinbart sei und jetzt endlich was geschehen müsse.

Coups für den Werbekorb

Insbesondere kleinere Betriebe, wie die der meisten Maler- und Lackierer, tun sich bei der Behebung des Fachkräftemangels durch eigene Ausbildung immer schwerer. Obwohl allein in Hessen die Zahl der Ausbildungsbetriebe um fast ein Drittel gestiegen ist und dort nahezu 60000 Lehrstellen angeboten wurden, konnte jeder fünfte Ausbildungsplatz nicht mehr besetzt werden – im Vorjahr war es noch jeder sechste. Noch schlimmer sieht’s bei den Kleinbetrieben aus: Hier hat sich die Zahl offener Lehrstellen mit nun 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Dabei werden viele Anstrengungen unternommen, um in die Köpfe der Hauptverantwortlichen, das sind zunächst Eltern und Lehrer, zu kommen. So hat die Handwerkskammer Rhein-Main jetzt eine Werbekooperation mit dem Basketball-Profiteam „Fraport-Skyliners“ gestartet. Bleibt zu hoffen, dass die Kampagne bei der Zielgruppe punkten kann und die „Himmelsstürmer“ nicht zu viele Körbe einfangen.

Warum zur Nachwuchswerbung nicht auch eine Aktion wiederholen, die ich vor Jahren vorgeschlagen und bundesweit erfolgreich koordiniert habe: An einem Bundesliga-Spieltag rollten in den neun Stadien während des Spiels jeweils vier Lehrlinge ein unübersehbares Transparent „Maler und Lackierer bringen Farbe ins Spiel!“ auf. Die Aktion kostete fast nichts und wurde durch einen Zufall noch gratis erweitert: Weil eines der von Sportschau ausschnittweise gezeigten Spiele etwas langweilig war, schwenkte die Kamera während der Übertragung auf unser Banner und der Kommentator rief ins Mikro: „Ja, bringt doch endlich mal Farbe ins Spiel!“ Damit hatten wir die Zielgruppe überraschend vervielfacht. Für diese Aktion gab’s übrigens nirgends eine Platzverweis – nicht mal eine Gelbe Karte.

Farbe auf Rädern

Einen Baumarkt, der wie ein Pizzaservice funktioniert, gibt’s jetzt auch: Ein südhessischer Unternehmer hat ihn gegründet. Weil das nahezu komplette Sortiment von ihm online geordert wird, fallen, so der Gründer, weder Miet-, noch nennenswerte Personalausgaben an und die Produkte sind trotz kostenlosem Lieferservice nicht teurer als in herkömmlichen Märkten. Die Auslieferfahrzeuge sind mit allen gängigen Malermaterialien, dem Kernangebot, und sogar einer elektronischen Farbmischmaschine bestückt. Zu den Kunden zählen auch Handwerksbetriebe, die ihr Material „just in time“ ordern – innerhalb von drei Stunden nach Bestellung bis in die letzte Etage. Wenn sich der Kunde trotz mobiler Gratisberatung via Einrichtungs-App die Arbeit nicht zutraut, vermittelt das neue Unternehmen als „Do-it-for-me-Service“ den passenden Handwerksbetrieb. Flotte Sache.

Endkunden im Kommen

Saint Gobain verfolgt jetzt eine neue Strategie, die auch uns tangieren wird: Ansprache der Endkunden. Bisher, so der Konzernchef, habe der Endkunde die Auswahl der Materialien weitgehend den Architekten und Handwerkern überlassen und die Hersteller hatten mit ihm kaum was zu tun. Das habe sich durch die Informationsmöglichkeiten stark verändert. Deshalb werde sein Konzern verstärkt die Endkunden direkt ansprechen. Ziel: Der kenntnisreiche Kunde überzeugt den Handwerker, bestimmte Produkte zu verwenden. Wenn diese Strategie erfolgreich ist, wird König Kunde auch beim Materialeinsatz regieren. Darauf gilt es früh zu reagieren.


„Betriebe ohne Meisterpflicht überleben oft die Gewährleistung nicht.“


„Werbung per
Post wird gelesen statt gelöscht!“