Für flüchtige Leser

In den letzten Jahren haben weit mehr als sechs Millionen deutsche Leser kein Buch mehr gekauft. Der Rückgang ist bei den Menschen mittleren Alters am drastischsten. Der Trend zum Netz ist unaufhaltsam: Bei den Jungen unter Dreißig hat die Internetnutzung im letzten Jahr nochmal um eine halbe Stunde zugenommen und geht jetzt schon auf fünf Stunden am Tag zu. Im Schnitt unterbrechen wir Deutsche inzwischen rund 90-Mal am Tag unsere Tätigkeit und daddeln mit dem Smartphone. Zieht man die Nachtruhe ab, heißt das, dass während der acht Stunden im Betrieb die Arbeit 45-mal, also fünf- bis sechsmal in der Stunde zum daddeln unterbrochen wird. Das ist drastisch und für die Literatur (aber auch für Zeitungen und Fachzeitschriften) dramatisch – aber für Bildung und Ausbildung zwingend auch richtungweisend.

Fünf gerade sein lassen?

Die Renten sollen weiter steigen und die Höhe des Niveaus festgeschrieben werden. Hört sich gut an, wird aber richtig teuer. Da auch der Beitragssatz fixiert werden soll, werden die Steuerzahler zur Kasse gebeten – vor allem unsere Kinder und Enkel. Man weiß jetzt schon, dass die heute unter 50-Jährigen am Ende draufzahlen werden. In diesem Zusammenhang hat der frühere Wirtschaftsminister, Wolfgang Clement, anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Sozialen Marktwirtschaft darauf hingewiesen, dass wir unseren derzeitigen Wohlstand Tag für Tag neu erarbeiten müssen. Seine entscheidende Aussage: „Auf jeden Einzelnen kommt es an.“ Wenn zu viele Menschen sich nicht mehr voll einsetzen, fünf gerade sein lassen und sich mit „gut genug“ zurücklehnen, anstatt „besser geht nicht.“ anzustreben, werden wir zurückfallen.

Alles im Eimer?

Bekanntlich gibt es keine zweite Möglichkeit, einen guten ersten Eindruck zu machen. Das gilt auch für Betriebe am ersten Ausbildungstag. Eine hiesige Innung stattet dafür deshalb die Ausbildungsbetriebe mit einer gut durchdachten Checkliste aus, mit deren Hilfe sich der erste Lehrtag perfekt vorbereiten und eindrucksvoll gestalten lässt. Für einen guten ersten Eindruck nachdrücklich empfohlen. Noch dazu: Die Innung bietet für die Lehrlinge auch einen hochwertig bestückten Werkzeugkoffer an, sogar auf Rädern. Damit’s bei der Arbeit gut rollt und keiner sagen kann „Bei uns ist alles im Eimer“.

„Feier-Abend“

Über die „Montagsmaler“, eine Art Abendschule der Innung Rhein-Main, in der „jungen Hüpfern“ von „alten Hasen“ Techniken für kreative Gestaltung vermittelt werden, habe ich schon mal geschrieben. Kürzlich haben die „Montagsmaler“ zu einem Abend der offenen Tür eingeladen, an dem man die Arbeitsweisen und Ergebnisse besichtigen und sich auch mit den Ausbildungsmeistern austauschen konnte. So ein „Feier-Abend“ ist eine gute Idee – und obendrein wirksame Werbung.

Panik statt Power

Dass wir (zu) viele Studenten haben, kann man fast jeden Tag lesen. Zuletzt haben auch maßgebliche Politiker eindringlich darauf hingewiesen, dass sich zu viele junge Menschen für Studiengänge entscheiden, für die es nicht annähernd ausreichend adäquate Jobs gibt. Manche wollen auch mehr als sie können. Dazu hat unser großer Kollege Leonardo da Vinci schon vor 500 Jahren eine Lösung angeboten: „Wer nicht kann, was er will, muss wollen, was er kann. Das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht.“

Dazu aktuell die schockierende Nachricht, dass inzwischen jeder vierte Student psychisch krank sei. Tendenz steigend. Unmittelbare Symptome: Unsicherheit, Angst, Depressionen und Panik. Je länger das Studium dauert, desto größer werden Leistungsdruck und Zukunftsangst. Ein von einer großen Krankenkasse mitfinanziertes Präventionsprogramm, in das man online einsteigen kann, versucht zu helfen. Hilfreich, ja dringend notwendig, sind aber auch fundierte Informationen und Beratungen über Berufe und Berufungen in einem sehr frühen Stadium, also in der Schule – und Gespräche im Elternhaus.

Spanier bevorzugt

Dass Ausländer, insbesondere Flüchtlinge, bei der Stellensuche auf Vorbehalte stoßen, ist nicht neu. Eine Studie von Migrationsforschern überrascht aber doch: Spanier erhielten auf Bewerbungen die besten Rückläufe – besser noch als Deutsche. Bei der Studie wurden 6.000 fingierte Bewerbungen auf Stellenangebote verschickt. Mit 73 Prozent Reaktionen waren die „spanischen Absender“ am erfolgreichsten. 60 Prozent, wie die Deutschen, schafften neben Chinesen und Amerikanern auch die Rumänen. Deutlich weniger Resonanz erhielten Bewerber mit albanischem, irakischem oder türkischem Hintergrund.

Waren das Polen?

Die neue Frankfurter Altstadt mit ihren Konstruktionen und Rekonstruktionen ist derzeit Hingucker und Hit, aber auch Anlass für hitzige Debatten. Im Kern geht es um die Frage, ob man restlos Zerstörtes überhaupt „wiederaufbauen“ soll oder ob es nicht richtiger ist, anstelle von unwiederbringlich Verlorenem, durchaus unter Berücksichtigung historischer Straßenführung und Parzellierung, zeitgemäß neu zu bauen. „Großartig“ sagen die einen, „Disneyland“ die anderen. Ich habe mich für „Selfie-City“ entschieden, weil schon jetzt die Asiaten mit ihren Smartphones das kleine Areal bevölkern und sich mit „nice old Germany“ ablichten. Handwerklich sind sowohl die kleinen, historisch proportionierten Neubauten, aber auch die Fassadenrekonstruktionen, denen freilich noch die Patina fehlt, von hoher Qualität. „Haben das Polen gemacht?“ wird immer wieder gefragt. Erstaunlich, wie lange sich schon das Gerücht hält, polnische Restauratoren seien den deutschen überlegen. Dabei gab’s hier gar nichts zu restaurieren. Alles Neubauten. Und nicht nur für die sind deutsche Handwerker die besten der Welt. Hat sich hier noch nicht rumgesprochen. Aber im Ausland weiß man das.

Man wird sehen

Bei Redaktionsschluss für diese Ausgabe kann es natürlich noch keine Resonanz auf meinen Vorschlag vom Juli zum partiellen Überarbeiten statt Überstreichen mancher Graffiti geben. Aber ich bleibe dran: Vielleicht startet ja doch irgendwo ein Lehrlingsprojekt und auch ein kreativer Betrieb bekäme sicher ein kostenloses, positives Medienecho. Man wird sehen – oder auch nicht.


PraxisPlus

Autor Werner Schledt war jahrzehntelang Betriebsberater und Verbandsgeschäftsführer im hessischen
Maler- und Lackiererhandwerk.

Werner Schledt

Gangstraße 35 c

60388 Frankfurt/Main

werner@schledt.de


Leonardo da Vinci

Wer nicht kann, was er will, muss wollen, was er kann!“